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Junge deutsche Fotografen in Technischen Sammlungen Dresden

Ausstellung Junge deutsche Fotografen in Technischen Sammlungen Dresden

Bilder von neun jungen Fotografen sind in Dresden zu sehen. Auf den ersten Blick haben sie sich auf Beobachterrollen beschränkt – doch dahinter lauert die Anarchie.

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Lars Hübner, aus der Serie „Nothing to declare“.
 

Quelle: Lars Hübner

Dresden. Fortschritt? Die Welt schreitet fort, ja, ins immer Komplexere. Sie abzubilden beinhaltet natürlich auch den Willen, sie zu erklären. Das ist eine Arbeit am Fragment. Wir sind alle Spezialisten, deren hochspezielle Spezialgebiete immer spezieller werden, manchmal noch während wir sie zu erfassen suchen. Die Welt entgleitet uns also. Dennoch – oder gerade deshalb – versuchen wir unablässig, einen Zipfel von ihr zu fassen zu kriegen. Und der Fortschritt lässt uns dabei ganz nebenbei zurück, egal wie tablet-affin sich der Einzelne auch geben mag. Denn Fortschritt, den unsere Zeit anhaltend mit einem eindimensionalen Wachstumsbegriff verknüpft, ist in eben jener Erscheinungsform so human wie ein Waffenhändler philanthropisch.

In dieser Selbstgerinnungswelt mutieren wir schließlich mehr und mehr zu Beobachtern, nicht zuletzt auch die unseres eigenen Verhaltens. Wie bei einem Feldversuch, wo die Probanden gefordert sind, sich selbst zu evaluieren.

Eine ganz ähnliche Beobachtungsposition liegt auch der Entstehung der Fotos zugrunde, die derzeit noch in den Technischen Sammlungen ausgestellt sind. „Gute Aussichten“ ist die Schau mit Bildern junger deutscher Fotografen betitelt. Dahinter steht ein Projekt selben Namens, das 2004 als bundesweiter Hochschulwettbewerb für Fotografie begann. Damals wurden 60 Abschlussarbeiten von insgesamt 22 Hochschulen und Akademien eingereicht. Dieses Interesse zeigte den Machern: Das bauen wir aus. Mehr als 100 Ausstellungen an zahlreichen Orten weltweit gab es seither mit den jeweiligen jährlichen Preisträgern – und es wurde Zeit, darf man sagen, dass nun auch Dresden erstmals diese Foto-Auswahl zu sehen bekommt.

Neun junge Fotografen teilen sich den Ruhm der Präsentation. Unter ihnen Lars Hübner mit Bildern seiner Reihe „Nothing to declare“, die 2014 in Taiwan entstanden. Kompositionen sind darunter, wie das Foto der sich aufwärmenden Baseball-Spieler. Eine ästhetische Freude, wie der Kontrast aus orangefarbenen Trikots und dem Grün des Rasens fast ins Komplementäre hinüberwechselt. Dazu kommt die eigenartige Fokussiertheit der vier gezeigten Spieler. Keiner verschwendet einen Blick an den Fotografen, somit auch nicht an den Betrachter. Wenn etwas aus diesem Bild spricht, ist es tatsächlich Weltabgewandtheit.

Felix Hüffelmann stellt sich und seine Arbeit dagegen unter ein spezielles Thema: „The Dark Side of the Moon“. Das hat, obwohl auch gezeigt, aber weniger mit dem gleichnamigen Album Pink Floyds zu tun. Die dunkle Seite des Mondes steht für das Verborgene. In Zeiten eines Edward Snowden versuchen Nachrichtendienste, Licht in vielerlei Formen in diese Dunkelheit zu werfen. Und Hüffelmann nimmt sich dieses Ziels an, indem er es zu seinem eigenen erklärt: metaphorisch, direkt, subtil. Der Blick auf das Bücherregal des Künstlers ist dabei ein sich selbst Offenbaren im Sinne von: Sage mir, was Du liest, und ich sage Dir, wer Du bist. Das kann in Zeiten der Postmoderne natürlich andererseits auch einfach nur eine grandios falsche Fährte sein. Dazu kommen diverse Abhör- und Übertragungskonstrukte, die Hüffelmann in Kontexte bettet – wie das Haus, vom öffentlichen Raum durch eine Mauer getrennt, auf dem Dach die Satellitenschüssel. Wir separieren uns im kleinen Realen und öffnen uns, bewusst oder unbewusst, im großen Virtuellen fast grenzenlos. Ein merkwürdig ambivalentes Narrativ unserer Welt. Kein Wunder, dass die Lust schwindet, sie in dieser Form retten zu wollen.

Hüffelmann wirft sogar noch einen Blick von ziemlich weit oben auf die Davis-Monthan Air Force Base, einen Stützpunkt der United States Air Force bei Tucson, Arizona. Ein Überwachungsbild potenzieller Überwacher, zumindest der von ihnen genutzten Technik. Zeitgemäße Aufnahme paranoiageschwängerter Tage.

Offenbarungen völlig anderer Natur sind dagegen die Sache von Kyung-Nyu Hyun. In einem mehr als 800 Fotografien umfassenden Werk „Food Intake“ (Nahrungsaufnahme) widmet sie sich sehr persönlich einem Thema, das einen rätselhaften Siegeszug in den sozialen Medien angetreten hat: dem food porn, also der Bild-Mitteilung für jedermann, was gerade auf den Tisch gekommen ist. Aus diesem tagebuchähnlichen Ansatz wird ein sehr intimes Abbild von Kyung-Nyu Hyuns Ernährungsgewohnheiten, in Auszügen kalendarisch kunstvoll arrangiert an einer kompletten Seitenwand.

bis 14. Februar, geöffnet Di-Fr 9-17, Sa & So 10-18 Uhr

www.tsd.de

Von Torsten Klaus

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