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Junge Dresdner Kunst vor 50 Jahren nun im Albertinum

Ausstellung Junge Dresdner Kunst vor 50 Jahren nun im Albertinum

Das Albertinum zeigt 18 frühe Werke von Peter Graf, Peter Herrmann, Peter Makolies, A.R. Penck und Strawalde. Der Grund ist die Vorführung von mehreren Streifen des Dokumentarfilmers Jürgen Böttcher, alias Strawalde, im Lichthof, anlässlich seines 85. Geburtstages.

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Strawalde (Jürgen Böttcher): Mutter mit Kind, Öl auf Sperrholz, 1956.
 

Quelle: © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Elke Estel / Hans-Peter Klut

Dresden..  Wie so oft ist der Anlass ein Jubiläum. Der Dokumentarfilmer Jürgen Böttcher, der sich als Maler Strawalde nennt, wird in diesem Jahr 85. Das Filmfest Dresden würdigt dies in Kooperation mit der DEFA-Stiftung und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Form zweier, ihm gewidmeter Programme mit insgesamt acht Filmen. Premiere ist am 14. April im Lichthof des Albertinums in Anwesenheit des Filmemachers. Gezeigt wird neben „Ofenbauer“ (1962), „Verwandlungen, Teil 3: Frau am Klavichord“ (1981) und „Kurzer Besuch bei Herrmann Glöckner“ (1985) einer seiner sicher bekanntesten Streifen: „Drei von vielen“ von 1961.

Das Albertinum zeigt 18 frühe Werke von Peter Graf, Peter Herrmann, Peter Makolies, A.R. Penck und Strawalde. Der Grund ist die Vorführung von mehreren Streifen des Dokumentarfilmers Jürgen Böttcher, alias Strawalde, im Lichthof, anlässlich seines 85. Geburtstages.

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Dieser Film, den Böttcher nach Abschluss seines Regiestudiums an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg im Auftrag des DEFA-Studios für Dokumentarfilme gedreht hatte, ist eng mit seinem eigenen Leben verbunden. Gewidmet ist er seinen etwas jüngeren Künstlerfreunden Peter Graf, Peter Herrmann und Peter Makolies – drei Autodidakten, die er unter anderem durch seine Tätigkeit an der Volkshochschule kennen gelernt hatte und die, den noch ganz jungen Ralf Winkler, der später als A. R. Penck berühmt wurde, aber auch den schreibenden und malenden Winfried Dierske sowie Agathe Böttcher eingeschlossen, bald einen Freundeskreis bildeten, in dem selbstverständlich über Malerei, aber ebenso über Jazz, Literatur und anderes diskutiert wurde. „Drei von vielen“ schildert den Alltag von Graf, Herrmann und Makolies zwischen Brotarbeit und künstlerischem Tun. Offizielle fanden den Film „bürgerlich dekadent“, verboten ihn, so dass er erst ab Ende der 1980er wieder auf die Leinwand kam.

Die aktuell geplante Vorführung in „ihrem“ Haus regte Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums, an, Werke der Drei sowie von Strawalde und Penck aus jener frühen Zeit vorzustellen. Inspiriert vom Filmtitel wählte sie das Motto: „Fünf von vielen: Peter Graf, Peter Hermann, Peter Makolies, A. R. Penck und Strawalde – Junge Dresdner Kunst vor 50 Jahren“. Die in kurzfristig eingerichtete Ausstellung zeigt 18 Werke, vorrangig aus den 1950er und 1960er Jahren. Obwohl das Albertinum nicht viele frühe Arbeiten der genannten Künstler im Depot hat, war es dank der guten Zusammenarbeit mit diesen sowie mit privaten Sammlern und der Städtischen Galerie – erinnert sei daran, dass vor einiger Zeit die auf Penck konzentrierte Sammlung Schweinebraden erworben wurde - möglich, eine ansehenswerte Schau zusammenzustellen. Sie macht anschaulich, womit sich die fünf damals auseinandersetzten, worauf sie sich „beriefen“.

Ein zentrales Werk ist gewiss Strawaldes „Mutter mit Kind“ (1954/56), das wie die Leihgabe des frühen Penck-Bildes „Mann und Frau am Tisch“ (1959) erst in den 1990er Jahren ins Haus gelangte. Das Erstgenannte ist wie andere in der Präsentation Beleg für die dazumal im Osten von einer Reihe junger Künstler verfolgte Auseinandersetzung mit dem Formenvokabular der Klassischen Moderne, ganz besonders Picassos, was von staatlicher Seite mit heftigen Kampagnen bekämpft wurde. Jürgen Böttcher, der als einziger von den fünf ein Kunststudium absolvieren konnte (1948 – 1953 an der HfBK Dresden), hatte noch die ganze Schärfe der Formalismus- und Kosmopolitismus-„Debatte“ direkt erlebt, als Kunstgeschichte bei Menzel und Repin aufhören sollte.

Kunstgeschichte wiederum - Peter Grafs „Selbstbildnis mit Papagei“ (1971) oder Pencks „Selbstbildnis mit Hut“ (1958) verweisen etwa auf Parmigianino und Rembrandt - war für die fünf keineswegs Nebensache. Zugleich rufen die frühen Werke (wie der Film) ein Leben auf, dessen Umstände ziemlich karg waren. Man schaue Pencks Szene am Tisch an, die an den frühen Rudolph erinnert, oder Peter Hermanns „Dresden-Mickten“ (1958). Die reduzierte Farbigkeit – selbst wenn sie nachgedunkelt ist – und das teils als Bildgrund verwendete Material, darunter eine alte Tür, erinnern ebenfalls daran. Und Peter Makolies` eindrucksvoller, archaisch wirkender „Mann mit verschränkten Armen“ (1962) könnte aus einem Marmorstück sein, das er dereinst hin und wieder bei seiner Restauratorentätigkeit „erbettelte“.

Der Bogen der gezeigten Arbeiten führt bis zu den Anfängen der für Penck typischen Handschrift – sichtbar auch in einem Wettbewerbsentwurf für ein Betonrelief für den Kulturpalast (1965), den er später für die Skulpturensammlung noch einmal abgießen ließ. Als Fazit könnte man angesichts der frühen Werke über die „Fünf von vielen“ sagen: Sie wollten Ehrlichkeit, kein Schönmalen der Realität, wie es dazumal nicht nur von der Kunst erwartet wurde. Wie sagte doch Peter Graf einmal: „Ich male mein Leben.“

Bis 19. Juni 2016, täglich 10 bis 18 Uhr (außer Mo); 7. April 2016, 18.30 Uhr, Künstlergespräch im Hermann-Glöckner-Raum mit Peter Graf, Peter Herrmann, Peter Makolies; 14. April 2016,19 Uhr, Filme von Jürgen Böttcher im Lichthof des Albertinums, der Regisseur ist anwesend, Eintritt kostenfrei.

Von Lisa Werner-Art

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