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Junge Choreografen vom Semperoper Ballett in Dresden fabulieren mit bemerkenswert engagierten Tänzern der Company

Junge Choreografen vom Semperoper Ballett in Dresden fabulieren mit bemerkenswert engagierten Tänzern der Company

Nicht jeder gute Tänzer muss zwangsläufig auch ein hervorragender Choreograf sein. Aber das weiß man ja erst, wenn es auch die Chance gibt, das ab und an auszuprobieren.

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Jon Vallejo, Anna Merkulova und Ensemble in Claudio Cangialosis Choreografie "Real D".

Quelle: Ian Whalen

Was an einem großen Hause wie der Sächsischen Staatsoper Dresden nicht eben selbstverständlich ist. Dass es dennoch ermöglicht und vom Publikum auch bestens angenommen wird, dafür sorgt seit 2011 die Reihe "Junge Choreografen", in der Tänzer vom Semperoper Ballett mit Mitgliedern ihrer Company sowie Teilnehmern des Elevenprogramms mit der Palucca Hochschule für Tanz Dresden eigene Stücke einstudieren und sie schließlich auch öffentlich vorstellen können. So geschehen am Wochenende mit drei Aufführungen in der stets den Künsten aufgeschlossenen Gläsernen Manufaktur von Volkswagen.

Keine Frage, mancher wird sich da auch ein romantisierendes Traumbild von Tanz erfüllen. Das spürt man besonders deutlich in "Unreachable" von Duosi Zhu und Raquél Martinez. Eine Art Genrebild wie in der Malerei. Mit Kaffeehaus- und Promenaden-Szenen, einer malenden wie einer lesenden Frau - und mittendrin ein sehnsuchtsvoller Mann (Jón Vallejo). Das Ganze wird gewichtet durch das Kafka-Zitat "Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar". Und vielleicht ist damit die Beziehung der russischen Malerin Marie Bashkirtseff mit dem französischen Maler Jules Bastien-Lepage in Paris assoziiert. Aber so konkret wird es wohl gar nicht gemeint sein. Yuki Ogasawara erarbeitet in der Spiegelszenerie von "Self-acceptance" ein Trio mit sehr stimmigen Momenten. Und es lohnt sich offenbar, dieses Stück auch noch weiter zu formen.

Frisch und eigensinnig wirkt die Choreografie "The Holding Light" von Caroline Beach mit Jossia Clement, Kanako Fujimoto, Casey Ouzounis und Ian Whalen. Es geht um ein Spiel mit Licht und Dunkel, um Grenzüberschreitungen, die, ins Bewusstsein gerückt, Spuren hinterlassen. Das ist tänzerisch gut anzuschauen, und besonders fallen dabei aus dem Elevenprogramm der junge kanadische Tänzer Casey Ouzounis sowie die französische Tänzerin Jossia Clement auf. Eine wunderbare Gelegenheit, so begabte junge Tänzer ganz aus der Nähe erfahren zu können.

Johannes Schmidt, seit 2012 Coryphée vom Semperoper Ballett, nennt seine Choreografie "Ich das Neue, Du das Dunkel". Und verwendet dafür auf markante Weise Arbeiten aus dem jüngsten Album des Rappers Marsimoto. Als Gast bringt er die ihm von der Palucca Tanzhochschule längst vertraute, nun frei arbeitende Tänzerin Cindy Hammer auf die Bühne, lässt sie bewusst ungelenk, fast schon schmerzvoll ihre Bahn ziehen - von den Wipfeln der Bäume durch das "Kugelhaus" der Manufaktur hin zu Wegen der Angst. Das hat etwas Verstörendes, ist konsequent gehandhabt in Raum und Bewegung.

Das Stück "Zeitgeist" von Zarina Stahnke lässt zwar weniger die erklärte Absicht erkennen, eine Hommage an die "Brücke" zu sein. Doch dafür weiß das Frauen-Quartett im dem eher an Nymphen erinnernden Erscheinungsbild die Wahrnehmung zu schärfen. Für das, was geschieht und was es bewirkt, wie Musik und Bewegung zusammenkommen. Dass eine technische Panne den Schlusseffekt vermasselte, ist wahrhaft kein Beinbruch. Schade nur, wenn die eifrigen Techniker nicht auf den Wunsch reagieren, das entstandene Bild dennoch zu zeigen. Letztlich aber wird es beim gemeinsamen Schlussapplaus präsentiert - alle Achtung!

Im abschließenden Stück des Abends "Real D" sind doch tatsächlich 25 Mitglieder vom Semperoper Ballett und Teilnehmer vom Elevenprogramm dabei. Und Claudio Cangialosi, der zudem mit Ian Whalen und Istvan Simon das aktionsreiche Video produzierte, hat nach dem eher unspektakulären Duett "WITH(IN)" letztlich für reichlich Turbulenz gesorgt. Das Ganze wirkt wie ein mehrdimensionaler Actionfilm-Trailer, der den Innenraum der Gläsernen Manufaktur mit kuriosen Durch- und Ausblicken voll ausschöpft. Da ist nichts ausgelassen, alles mitgenommen, und hoch oben thront ein Mächtiger in der Schaltzentrale.

Die Geschichte genauer zu durchschauen, dürfte wohl schwer fallen, doch deutlich sind die Achsen von Gut und Böse zu erkennen, lässt sich das Eingreifen verdeckter Militärs erahnen. Selbst ein verlockend brachialer Hottentotten-Tanz wird da geboten. Was auch immer geschehen ist - irgendwie muss das fliegende Objekt mit charmanter Flugbegleitung nicht nur in Wüsteneien, sondern auch in fernen Raumwelten gelandet sein, und es passiert so allerlei Merkwürdiges. Falls "Real D" tatsächlich eine Parodie sein sollte, könnte man noch ein wenig nachwürzen, aber Neugier weckt das Ganze in seiner Chaos-Struktur durchaus. Kein Wunder, bei so vielen herausragenden Tänzern!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.01.2013

Gabriele Gorgas

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