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Julia Biel begeistert bei ihrem Dresden-Debüt - zu Gast im Jazzclub Tonne

Julia Biel begeistert bei ihrem Dresden-Debüt - zu Gast im Jazzclub Tonne

Eine lange Schlange Menschen wartet im Kulturrathaus darauf, noch eine der Restkarten für das Konzert von Julia Biel zu ergattern - ein Highlight der diesjährigen Jazztage Dresden.

Unten wird Tonne-Chef Steffen Wilde später davon sprechen, dass man "den ersten Song hört und denkt: Das ist unheimlich gut, dann den zweiten und weiß: Das wird etwas Großes." Dabei ist die zierliche Sängerin, Pianistin, Songschreiberin aus London seit geraumer Zeit im Geschäft. Bereits 2000 gewann sie den "Perrier vocalist of the year"-Preis; seitdem tourt sie im Vereinigten Königreich und auf dem europäischen Festland - begeistert dabei Jazz-Puristen wie Popanhänger.

Warum, das wird schnell klar, wenn sie mit sehr hellen Klaviertönen startet, auch die Gesangsstimme deutlich höher als bei der gesprochenen Begrüßung. Fast kindlich wirkt das, trotzdem ist wie aus dem Nichts da eine Assoziation zu einer der größten Singer/Songwriterinnen aus einer Zeit, in der man sie noch nicht so genannt hat: Laura Nyro. "You make me write a love song", singt Biel, und die Nyro hätte eine Liebeserklärung ähnlich transportiert - als leicht trunkenen Barjazz, nur große Stimme zu perfekt gespieltem Piano.

Biel wird an diesem Abend nicht von ihren langjährigen Partnern begleitet, sondern von dem mit schier buddhistischer Ruhe an den Drums agierenden Eddie Hick sowie E-Bassist James Davison. Beide machen ihren Job gut, es ist jedoch deutlich, dass sie nichts genuin Eigenes zu der Musik beisteuern. Das Zusammenspiel ist perfekt, wie das zweite Stück des Abends, das Titelstück der aktuellen, im Juli 2014 erschienenen EP "Nobody loves you like I do", zeigt. Die typischen Jazz-Variationen bieten den bestmöglichen Hintergrund für Biels faszinierende Stimme, die von kehlig-tiefen Passagen bis zu klar und hoch gesungenen Parts alles bestimmt.

Für "We watch the stars" und die folgenden Songs greift die Chefin zur E-Gitarre, und auch wenn man die Annäherung an den Rock, durchaus auch an Noise, wertschätzen kann, vermisst man doch die Tiefe ihres Klavierspiels. Die drei präsentieren mit "By the light of you" den ersten Song, den Biel jemals geschrieben hat, werden mit "Dead slept rough" ausdrücklich politisch. Hier profiliert sich auch Hick mit einem souveränen Drum-Solo, Davisons Begleitstimme passt gut zu Biels Gesang.

Harmonisch geht es im zweiten Set mit "Diamond dust" weiter. "Hint to the unknown" hat sie, so die Ansage, für einen nahestehenden Menschen geschrieben. "Emily" ruft noch einmal die Laura-Nyro-Gefühle hervor, auch wenn es hier ausdrücklich um "ein Kind in der Familie" geht. Mit witziger Intonation erzählt Biel davon, wie das Mädchen aufgefordert wird, ein Lied zu singen, schön auseinandergezogen sind die Passagen: Jazz im Küchenkabinett. "Feeling Good" ist das einzige Cover des Abends, gespielt als coole 70er-Jahre-Jazz-Nummer, die sich bei "I'm feeling blue" zum intensiven Blues steigert. Das letzte Stück des regulären Parts ist eine Forderung: "Say it out loud"; dann zwei Zugaben - und es heißt Adieu für eine große Musikerin, die zwar das erste, aber bestimmt nicht das letzte Mal in der Stadt war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.11.2014

Beate Baum

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