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Jugend musiziert: Vier Dresdnern über die Schulter geschaut

Jugend musiziert: Vier Dresdnern über die Schulter geschaut

Diesmal ist die Konkurrenz im Wettbewerb "Jugend musiziert" groß: 2300 Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren aus ganz Deutschland haben sich in den Vorentscheiden auf Regional- und Landesebene durchgesetzt - die Teilnehmerzahl wächst jedes Jahr leicht, aber kontinuierlich.

Von Annette Thoma

Diesmal ist die Konkurrenz im Wettbewerb "Jugend musiziert" groß: 2300 Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren aus ganz Deutschland haben sich in den Vorentscheiden auf Regional- und Landesebene durchgesetzt - die Teilnehmerzahl wächst jedes Jahr leicht, aber kontinuierlich. Jetzt steht die letzte Hürde an: der Bundeswettbewerb. Bis zum 1. Juni wird um die Punkte gekämpft, von denen es maximal 25 zu holen gibt. Aus Dresden nehmen 17 Musiker am Bundeswettbewerb teil, sei es als Solo-Instrumentalist oder -Sänger oder als Mitglied in einem Ensemble.

Sarah und Maria Graefe aus Dresden sind zwei davon. Sie treten als Duo auf - gegen 50 weitere Ensembles in ihrer Altersgruppe. Die 17-jährige Sarah spielt Geige, ihre zwei Jahre jüngere Schwester Maria Klavier. Sie hätten auch tauschen können, denn beide beherrschen sowohl Geige als auch Klavier. Unterricht bekommen sie am Heinrich-Schütz-Konservatorium, den Geigenunterricht von ihrer Mutter, die dort Geigenlehrerin ist. "Das hat nur Vorteile", sagen beide lächelnd.

Die Schwestern sind zum zweiten Mal beim Bundeswettbewerb dabei. Und obgleich sie vor ihrem gestrigen Wertungsspiel intensiver geübt haben: "Es geht nicht um die Punkte, sondern darum, mit uns zufrieden zu sein", meint Sarah. Außerdem mache es "einfach Spaß" teilzunehmen.

Lernen als ständiger Prozess

Vom vergangenen Jahr haben sie einiges gelernt. "Es ist sehr interessant, wie man sich selbst bewertet und wie es im Vergleich dazu die Jury und das Publikum machen", so die Geigerin. "Die Meinungen driften zum Teil sehr auseinander". Die beiden sind dankbar für jedes Wort der Jury, sei es Lob oder Kritik. Die Schwestern sehen dies als beständigen Lernprozess. "Sie geben uns gute Tipps und sehen einiges, was man selbst noch gar nicht registriert hat." Maria ergänzt: "Am Schönsten ist es, wenn auch die Jury bemerkt, dass wir mit Herzblut spielen."

Dieses Mal haben sie "Fünf Stücke" des finnischen Romantikers Jean Sibelius und eine Neukomposition gespielt, die ihnen auf den Leib geschneidert wurde. Der Görlitzer Komponist Thomas Stapel hat extra für sie und diesen Wettbewerb ,Traumfäden' geschrieben. Das Stück gefällt ihnen sehr gut, es sei manchmal etwas "düster im Ausdruck und atonal". Die Bewertungen für ihren Vortrag stehen noch aus.

Beim Zusammenspiel achten die Schwestern auf bestimmte Dinge: "Die Dynamik ist sehr wichtig. Es spielt nicht jeder für sich, wir müssen aufeinander eingehen", erklärt die Pianistin. "Gemeinsam atmen", nennt es Sarah.

Jede der 22 Kategorien habe andere Anforderungen, weiß die Sprecherin von "Jugend musiziert", Susanne Fließ. "Ein klassisches Ensemble wird anders bewertet als die Gitarre in der Popmusik. Einzelne falsche Töne sind nicht so wichtig wie die Frage, ob der Teilnehmer das Stück verstanden hat." Die Jury achte mehr darauf, "wie er das Stück durchdrungen hat und ob er die Technik so gut beherrscht, das Gefühlte auch musikalisch auszudrücken. ,Jugend musiziert' ist ein Interpretationswettbewerb."

Im direkten Vergleich mit anderen

Diesen Anforderungen müssen sich auch Alexander Bischoff aus Langebrück und Alexander Deke aus Dresden stellen. Sie treten ebenfalls wie Sarah und Maria Graefe als Duo auf, allerdings in einer anderen Kategorie. Alexander Bischoff, 18, singt Tenor, der 16-jährige Alexander Deke begleitet ihn am Klavier. Lieder von Mendelssohn und Mozart haben sie für den Wettbewerb einstudiert. "Ich muss mich auch als Pianist auf den Text einlassen", so Alexander Deke. Gerade die Dynamik und das gestalterische Element seien dabei besonders wichtig. "Dass ich selber Sänger bin, hat dabei einen großen Vorteil." Beide singen im Kreuzchor, was ihnen bei dem Wettbewerb sicherlich helfen wird. Regelmäßige Auftritte sind für die Kruzianer schließlich normal.

Auch wenn sie zum ersten Mal dabei sind und sich in ihrer Kategorie und Altersklasse mit 29 weiteren Duos messen müssen, haben sie dennoch kein starkes Lampenfieber. "Eine gewisse Aufregung ist immer da. Natürlich versuche ich, möglichst gut zu sein. Aber es geht mir um das Musikalische", erklärt der junge Tenor. "Die Vorentscheide sind vorbei, im Bundeswettbewerb kann man nicht mehr rausfliegen. Das nimmt den Druck raus."

Beide - wie übrigens auch Maria und Sarah - wollen sich andere Teilnehmer in ihrer Kategorie ansehen. Die Wertungsspiele sind für jeden öffentlich und kostenlos. Aber als Konkurrenten sehen sie die Mitstreiter nicht. "Wenn ich den anderen zuhöre, dann um die Musik zu genießen. Es geht um den Spaß am Musizieren", meint Alexander Deke. Auch Sarah Graefe sieht dies ähnlich. "Es ist schön, dass es so viele gute Musiker gibt."

Susanne Fließ sieht in der Möglichkeit, dass die Teilnehmer des Wettbewerbs sich gegenseitig zuhören können, einen großen Vorteil. "Das ist eine Art Standortbestimmung für sich selbst. Man sieht: Hier stehe ich, hier stehen die anderen. So erhält jeder Musiker ein Überblick über das Niveau der Spieler." Das Niveau übrigens sei, wie auch die Teilnehmerzahlen, über die Jahrzehnte gestiegen. Fließ bemerkt auch eine deutliche Anhebung der Qualität an den Musikschulen. "Was Anne Sophie Mutter damals bei dem Wettbewerb leistete, konnte niemand sonst. Heute allerdings gibt es einige, die dazu in der Lage sind."

Immer höhere Anforderungen

Dieses Jahr findet der Bundeswettbewerb bereits zum 49. Mal statt, erstmalig in Stuttgart. Was nicht unbegründet ist: Baden-Württemberg feiert dieses Jahr den 60. Geburtstag und so liegt es nahe, die Landeshauptstadt als Austragungsort für den Wettbewerb auszuwählen. Die langfristige Planung für Stuttgart habe bereits im Jahr 2004 begonnen, berichtet Fließ. "Bis 2018 haben wir die Austragungsorte schon festgelegt." Im kommenden Jahr - zum 50. Jubiläum von "Jugend musiziert" - wird der Wettbewerb in Erlangen, Fürth und Nürnberg über die Bühnen gehen. Dort, wo alles begann. "In Erlangen fand der erste Bundeswettbewerb statt", erklärt sie. "Eine Heimkehr zu den Wurzeln."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2012

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