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Jürgen Uwe Ohlau ist im Alter von 75 Jahren verstorben

Abschied von einem Kulturpolitiker Jürgen Uwe Ohlau ist im Alter von 75 Jahren verstorben

Nur eine kleine Zeitungsnotiz erinnerte kürzlich daran, dass einer der wichtigsten und profiliertesten Kulturpolitiker des Freistaates bereits am 21. Dezember verstorben ist. Von 1991 an bis zu seinem Weggang nach München vor zweieinhalb Jahren war Jürgen Uwe Ohlau an wichtigen Schaltstellen tätig.

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Jürgen Uwe Ohlau

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Nur eine kleine Zeitungsnotiz erinnerte kürzlich daran, dass einer der wichtigsten und profiliertesten Kulturpolitiker des Freistaates bereits am 21. Dezember verstorben ist. Von 1991 an bis zu seinem Weggang nach München vor zweieinhalb Jahren war Jürgen Uwe Ohlau an wichtigen Schaltstellen tätig. Damals im Juli 2013 war er eigentlich schon acht Jahre Pensionär und schied doch als Präsident des Sächsischen Kultursenats aus dem Amt und von Dresden. Über seine Todesursache ist nichts bekannt, aber auch ein Mensch von solcher Tatkraft und von wachem Verstand wie Ohlau musste einmal den Gesetzen dieser Welt Tribut zollen. "Ein Schatz an Wissen, Bildung und Kultur ist uns verloren gegangen", schrieb seine Frau Brigitte.

1991 kam der Germanist und promovierte Historiker nach Sachsen. Der damalige Wissenschafts- und Kunstminister Hans-Joachim Meyer (CDU) hatte ihn bei Gelegenheit einer Reise vom New Yorker Goethe-Institut sozusagen abgeworben. Es ging um die Kulturstiftung Sachsen, die Kurt Biedenkopf als ein gewaltiger Kunstministeriums-Ersatz vorschwebte. Ohlau geriet damals zwischen die Fronten, verschaffte sich aber bald Respekt als Gründungsdirektor der dann mehrere Nummern kleiner ausfallenden Kulturstiftung. Es gelang ihm wiederum, private Stiftungen für ein Engagement in Sachsen zu begeistern, etwa die Wüstenroth-Stiftung als Hauptsponsor für das Festspielhaus Hellerau.

2003 verabschiedete ihn die Kulturstiftung mit einer opulenten Gala Dresdner Künstler im Festspielhaus eigentlich schon in den Ruhestand. Doch ein so agiler Typ wie Jürgen Uwe Ohlau konnte sich bestenfalls formal zur Ruhe setzen. Lange Jahre Vizepräsident des Sächsischen Kultursenats, löste er 2009 Bernhard Freiherr von Loeffelholz an dessen Spitze ab. Bis zu seinem Rückzug aus Dresden saß Ohlau außerdem in mehreren Aufsichtsräten und Kuratorien und war unter anderen Vorsitzender des Neuen Sächsischen Kunstvereins.

Der Verstorbene war kein Mann großer Reden und spektakulärer Auftritte. Das lag nicht nur an einer Kehlkopfkrankheit, die ihn am lauten Sprechen hinderte. Ohlau agierte eher als ein Mann der leisen Töne, auch als Strippenzieher im Dienste der Kulturförderung und Kulturfinanzierung. Der gut vernetzte Diplomat verstand es mit Geschick, dabei auch die "natürlichen Feinde" im Finanzministerium zu überlisten. Insofern entsprach seine opulente Verabschiedung und feierliche Amtsübergabe an den gegenwärtig amtierenden Kultursenatspräsidenten Christian Schramm im Fürstensaal des Dresdner Residenzschlosses 2013 nicht ganz seinem Naturell.

Ohlau wurde gekannt und kannte viele, weil er sich selber die Mühe machte, Kulturarbeiter und die Kunstszene kennenzulernen. In ihm verband sich Liebe zu Sprache und Kunst mit Verhandlungsgeschick und einer Affinität zum politischen Geschäft. So hat Jürgen Uwe Ohlau eher hinter den Kulissen viel Gutes für die üppige, aber nicht ungefährdete Kulturszene Sachsens bewirkt. Die Präsentation sächsischer Kunst "Saxony in UK" 2005 in Großbritannien fädelt er ein.

Gegen Ende seiner Amtszeit versuchte er, die Folgen der Entlassung der Landesbühnen aus der Landesträgerschaft zu mildern. Ein geteiltes Echo fand 2007 das von ihm mit erstellte Theatergutachten für Sachsen. Auf uneingeschränkte Anerkennung stößt hingegen bis heute sein Engagement für die kulturelle Bildung. "Kulturarbeit hört nie auf und entwickelt sich immer weiter. Man kommt nie am Ziel an, sondern es gibt immer einen weiteren Weg", sagte Ohlau bei seinem Abschied aus Dresden. Sein Anteil an dieser Arbeit ist nun leider für immer beendet.

von Michael Bartsch

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