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Jüdische Musik- und Theaterwoche widmet sich den Themen Migration und Entwurzelung

Jüdische Musik- und Theaterwoche widmet sich den Themen Migration und Entwurzelung

Das jüdische Volk kennt keine Grenzen. Es ist von jeher über beinahe die ganze Welt verstreut, sucht sich Enklaven und weiß, was Flucht und Vertreibung bedeuten.

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Klezmer aus Portugal: Das Konzert von Melech Mechaya bildet den Auftakt der 19. Jüdischen Woche Dresden.

Quelle: PR

Dresden. Im kulturellen Sinn ist es ein globales Volk, das mit seinen Traditionen die Kulturen anderswo bereichert und gleichzeitig Einflüsse aus vielerlei Kulturräumen aufsaugt, miteinander vermengt und über die Weiten der Kontinente hinweg bekannt gemacht hat.

Das jüdische Volk kennt Leidensgeschichten. Nicht nur, aber in ganz besonderer Weise aus dem 20. Jahrhundert, aus dem Land von Bach und Beethoven, aus dem von Goethe und Schiller. Wo auch immer Menschen jüdischer Herkunft in der Diaspora lebten, haben sie ihre Traditionen zu bewahren versucht und ihre Leidensgeschichten ebenso besungen wie ihre freudigen Feste. Dass dabei weit mehr als herkömmliche Klezmer-Musik entstanden ist, soll in der bereits zum 19. Mal stattfindenden Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden unter Beweis gestellt werden.

Keine Klischees

Das am Sonntag beginnende Festival steht diesmal unter dem Motto "Heimat. Babylon." und wird sich dem gerade wieder höchst aktuellen Thema der Migration aus jüdischem Blickwinkel zuwenden. Valentina Marcenaro, eine in Dresden lebende Italienerin mit jüdischen Wurzeln, betonte bei der gestrigen Präsentation des Programms, dass während der zwei Festivalwochen keine Schtetl-Klischees, sondern zeitgenössische Kunst und Kultur geboten werden sollen. "Wir Juden haben so etwas wie Migration seit Jahrhunderten in unserer DNA, jetzt haben viele andere Menschen aus ganz anderen Gründen diese Erfahrungen." In diesem Aufeinandertreffen dürfte dieses Jahr der besondere Reiz der seit 2013 von Valentina Marcenaro geleiteten Musik- und Theaterwoche liegen.

Den Auftakt setzt die aus Portugal stammende Klezmer-Band Melech Mechaya mit ihrem Programm "Gente Estranha" im Gemeindezentrum der Synagoge. Ein quirliger Mix aus arabischen Einflüssen, semitischer Musik und Balkan-Brass ist da versprochen. In ähnliche Richtungen stößt auch die deutsch-israelische Band Jewish Monkeys, die ihre Lieder mit bissigem Witz garniert und unlängst bereits Kostproben vor syrischen und kurdischen Flüchtlingen präsentierte. Nachbarländer wie Israel und Syrien, die seit Jahrzehnten mit betonierten Rücken zueinander stehen, kommen sich in Dresden plötzlich nah und dürfen die aus verwandten Wurzeln gespeiste existierende kulturelle Nähe erleben.

Wo ist Heimat? Wo ist Babylon?

Einen Einblick in israelisches Leben von heute hält das Theaterstück "Spermology" bereit, das der Frage nach dem idealen Mann unter dem Aspekt der Samenbank nachgeht. Eine Produktion von Regisseurin Daphna Silberg in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln, die im Societaetstheater gezeigt wird, das einer der festen Kooperationspartner der Musik- und Theaterwoche ist. Dort gastiert auch das Jazzduo Efrat Alony und Childo Thomás, das mit "Home away from home" fernab ihrer jeweiligen Heimat einen Mix afrikanischer und nahöstlicher Musik auftischen wird.

Apropos: Richtig aufgetischt wird diesmal auch beim "Foodfestival der jüdischen Küche" unter dem Namen Gefilte Fest Dresden. Mit Vortrag und Kinderprogramm, mit gemeinsamem Kochen sowie einem Marktplatz der Ideen und Genüsse soll in die Geheimnisse jüdischer (und italienischer) Küche eingeführt werden.

Für dieses Festival im Festival stehen am ersten Novembernachmittag die Türen im Hygiene-Museum offen. Bei kulinarischen Vorbereitungen allerdings hilft die Gemeindeküche der Synagoge. Dieses am 9. November 2001 eingeweihte Haus ist während der Kulturtage für Besichtigungen, Führungen sowie für Vorträge geöffnet. Einführungen ins Jiddische sowie ins Hebräische gibt es beim Hatikva e.V., zudem wird mit zweierlei Mischpoke vertraut gemacht. Erst zeigt die Bürgerbühne des Staatsschauspiels ihr gleichnamiges Programm (Kleines Haus, 29. Oktober), dann lädt die Jüdische Gemeinde zum "Mischpoke-Tag" (8. November, 11 bis 17 Uhr) für die ganze Familie.

Identität in Literatur und Film

Filmfreunde kommen im Programmkino Ost auf ihre Kosten, wo "Der Sohn der Anderen" gezeigt wird, ein Film von Lorraine Lévy um Identitätsfragen junger Israelis in der Armee. Literarisch interessierte Besucher hingegen finden dieselbe Thematik in der Lesung von Olga Grjasnowa berührt, die einmal mehr ihr Debüt "Der Russe ist einer, der Birken liebt" vorstellen und mit dem Publikum darüber diskutieren wird (Societaetstheater, 2. November). Das Abschlusskonzert mit der kosmopolitischen Sängerin Ofrin gibt es im Jazzclub Tonne am 8. November.

Hintergrund dieser zwei prall gefüllten Wochen ist natürlich mehr Vermittlung denn Unterhaltung. Auch damit hebt sich die 19. Jüdische Musik- und Theaterwoche Dresden von anderen Festivals ab. Erstmals erhält sie in diesem Jahr eine institutionelle Förderung der Landeshauptstadt in Höhe von 20 000 Euro, weitere 12 000 Euro schießt die Kulturstiftung Sachsen hinzu. Valentina Marcenaro sieht darin eine Anerkennung der in den vergangenen Jahren geleisteten Arbeit. Und blickt schon vielversprechend nach vorn zum 20. Jahrgang, für den sie sich noch mehr Kooperationspartner wünscht. Schon jetzt gibt es eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Teplice. Kultur überwindet Grenzen.

www.juedische-woche-dresden.de

michael ernst

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