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Jubiläumskonzert im Schloss Albrechtsberg Dresden

Jubiläumskonzert im Schloss Albrechtsberg Dresden

In den zwanzig Jahren seines Bestehens hat sich das sommerliche Kammermusik-Festival in Moritzburg breite Anerkennung und hohe Reputation erworben. Die Qualität und der engagierte Einsatz der Mitwirkenden aus aller Welt sind Beweise dieser Wertschätzung.

Es sind aber besonders die Musikinteressenten aus Dresden, die von den Kammermusiktagen profitieren und das nicht etwa nur deshalb, weil das Festival im August, also in der veranstaltungsarmen Zeit stattfindet. Die Zugkraft der Konzerte wäre auch zu anderen Zeiten nicht geringer. Seit einiger Zeit hat Dresden einen zusätzlichen Bonus in Form der Meisterkonzerte im Schloss Albrechtsberg zu verzeichnen. Hier treten ausgewählte Musiker auf, die bereits in Moritzburg mitgewirkt haben. Erleichtert wird die Organisation dieser jüngeren Reihe dadurch, dass die künstlerische Leitung in den Händen von Jan Vogler liegt, der neben der Leitung der Moritzburger Festivals auch Intendant der Musikfestspiele ist und durch diese Personalunion eine nicht zu unterschätzende Rolle im Dresdner Musikleben einnimmt.

Jägerchor notentreu zitiert

Zwanzig Jahre sind zugleich auch ein Anlass für Jubiläumskonzerte. Ein erstes fand im Oktober dieses Jahrs statt. Das zweite war ausdrücklich dem Cellisten Peter Bruns gewidmet, der gemeinsam mit Jan und Kai Vogler die Moritzburger Reihe initiiert und einige Jahre geleitet hat. Er war auch der einzige der sechs Musiker, der in allen drei Werken des abendlichen Programms mitgewirkt hat. Es begann mit Carl Maria von Webers Trio für Flöte, Klavier und Violoncello c-Moll op. 63. Wie manches andere Werk Webers mag auch dieses Trio in Dresden etwas überschätzt werden. Es ist unüberhörbar, dass die Dramatik des ersten Satzes etwas aufgeblasen wirkt. Zum Glück hielten sich die Ausführenden - neben Peter Bruns die Pianistin Roglit Ishay und die Flötistin Sabine Kittel - zurück, sodass die Balance zum verhaltenen ersten Thema gewahrt blieb. Ein echtes Scherzo mit leicht rumpelndem "bäurischen" Gestus war der zweite Satz, der seine Nähe zum "Freischütz" nicht leugnen kann. Das trifft auch für das Finale zu, in dem der Jägerchor fast notentreu zitiert wird. Die Beliebtheit dieses Chors, der wie auch andere Melodien der Oper in kurzer Zeit Berlin eroberte, hat eine Parallele zu der Popularität einer recht trivial anmutenden Melodie aus einer Oper von Joseph Franz Weigl, die 1797 in Wien ungemein erfolgreich gewesen war. Beethoven nutzte bewusst oder unbewusst diese Melodie im Variationsfinale seines Trios für Klarinette, Violoncello und Klavier B-Dur op. 11, das aus diesem Grund den Beinamen Gassenhauer-Trio erhalten hat. Die Ausführung (mit dem Klarinettisten David Orlowsky) geriet erfreulich robust und machte dem populären Spitznamen des Werks alle Ehre.

Scheitern an Schönberg

Eine große Komposition stand am Ende und ermöglichte nicht nur, Kai Vogler mit Violine und Viola zu erleben. Mit Salome Kammer wirkte auch eine hervorragende Sängerin in einer Rolle mit, in der sie zu sprechen hat, Arnold Schönbergs Melodram "Pierrot lunaire" op. 11. Es ist ein ungewöhnlich schwierig zu bewältigendes Werk, das von der rhythmisch und mit ungefähr festgelegten Tonhöhen sprechenden Sängerin Dinge verlangt, die an der Grenze des Möglichen liegen. Und genau daran scheiterte nicht etwa Salome Kammer, sondern die ganze Interpretation so gründlich wie nur möglich. Selbst wenn eine Solistin noch besser sprechen sollte, was ich mir kaum vorstellen kann, ist der Text nicht zu verstehen, abgesehen von einigen freiliegenden Wörtern und Halbsätzen. Der Text, den Otto Erich Hartleben aus dem französischen Original des Belgiers Albert Giraud nachgedichtet hat, ist von einer sprachlichen Intensität, die schon beim Lesen nicht auf Anhieb zu verstehen ist. Ein Beispiel aus dem fünften der 21 Gedichte, die Schönberg ausgewählt hat: "Heiß und jauchzend, süß und schmachtend, / Melancholisch düstrer Walzer, / Kommst mir nimmer aus den Sinnen, / Haftest mir an den Gedanken / Wie ein blasser Tropfen Bluts!" Ich wage die Behauptung, dass unter den Zuhörern keiner war, der mehr als nur unzusammenhängende Wortfetzen verstanden hat. Dabei wäre es eine Kleinigkeit gewesen, die Texte im Programmheft oder auf einem Zusatzblatt zum Mit- oder Nachlesen auszureichen. So aber blieb dem Werk und den Ausführenden der Beifall in dem Umfang versagt, den sie eigentlich verdient hätten. Peter Zacher

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2012

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