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Jubiläumsausstellung zum 15. Geburtstag der Sommergalerie im Hoffmannschen Gut Dittersbach

Jubiläumsausstellung zum 15. Geburtstag der Sommergalerie im Hoffmannschen Gut Dittersbach

Veranstaltung, die Helga Luzens ausrichtet, seit sie zusammen mit Hermann Naumann Wohnung und Atelier auf einem Hügel im Vorland der Sächsischen Schweiz, im ehemals Hofmannschen Gut in Dittersbach, ausbaute und die Idee einer Sommergalerie verwirklichte.

Es ist die 90.

1998 öffnete die erste Ausstellung mit Arbeiten einer großen alten Dame der Dresdner Kunst, Ann Priscilla Siebert. Daran erinnernd beginnt auch die Jubiläumsausstellung mit ihren Bildern. Frisch und unverbraucht, frech, naiv, sogar ein wenig lasziv wirkt "Unser bestes Modell". Die kleineren Bilder erinnern an die Kindheit, die die 1917 in London geborene Priscilla Ann Thornycroft an der Südküste Englands verbrachte. Strandfahrten in Wagen, die wir heute als Oldtimer bezeichnen, zeugten damals von Risikobereitschaft, Modernität und vom Wohlstand der Künstlerfamilie Thornycroft. Die kleinen Arbeiten auf Papier, Aquarelle und Collagen entstanden bis 2013 - leicht, heiter und voller Musikalität.

Insgesamt 15 dem Hause gut bekannte Künstler sind vertreten. Einige Künstler, die nicht mehr am Leben sind, die aber Dresden und Hermann Naumann sehr verbunden waren, wie Richard Sander, Gerd Böhme, Otto Schubert und Erich Gerlach, der hier vor vier Jahren mit einem weitgehend unbekanntem abstraktem Teil seines Œuvres vertreten war, und Künstler, welche die heute in und um Dresden tätigen Generationen repräsentieren: Werner Juza, Jahrgang 1924, der immer schon gern provozierte, tat dies auch 1984 mit dem kleinen Gemälde "Hüben und Drüben". In den letzten Jahren ging er oft bis an die Schmerzgrenze des bissigen Zugriffs aufs Motiv, beispielsweise mit seiner punkhaften Neuinterpretation des Goethe-Zitats "Es ist der Geist, der sich den Körper baut".

Der Landschaft verschrieben haben sich seit langem Jochen Fiedler und Sebastian Glockmann. Beide befreundet und mitunter gemeinsam auf Reisen, entwickelt in der Malerei jedoch jeder eine ausgeprägt persönliche Handschrift. Reinhold Hermanns "Frühlings-" und "Herbstgespräche" sind in ihrer gestischen, zeichenhaften Expressivität ebenso unverwechselbar wie seine Farbholzschnitte zu Schumanns "Winterreise". Hans-Jürgen Reichelt schickt in seinen Radierungen einen Antiquar auf Reisen nach Amazonien, Rotterdam oder jüngst nach Kalkutta; einen kauzigen Sonderling, der sich an den Leistungen der Vergangenheit erfreut, als gäbe es kein heute.

Ferne Länder und ihre Kulturen regen auch Dr. med. Heinz Langer, der zeitweise als Schiffsarzt um die Welt reiste, zu künstlerischer Auseinandersetzung an. In leuchtenden, klaren Aquarellen reflektiert er Impressionen der griechischen Inselwelt und als Pendants Watzkes Ballhaus und Lahmanns Sanatorium in Dresden. Rudolf Meyers Fotografien afrikanischer Wüstenvölker beschließen den Exkurs zu fernen Kulturen.

Die Gastgeber selbst geben sich bodenständig. Hermann Naumanns Vogelplastik aus gefaltetem Edelstahlblech scheint angekommen zu sein, legt die Flügel zusammen und reckt Nase und Schnabel in die Höhe, um das Umfeld zu erkunden. Minimalistische konstruktive Arbeitsschritte genügten, einem dem herkömmlichen plastischen Schaffensprozess konträrem, dünnwandigen, glatten Material durch Faltung in bestimmten Winkeln und Proportionen körperhaftes Volumen und kreatürliches Wesen zu verleihen. Die Ölgemälde Naumanns offerieren die gewohnte Farbenpracht, wobei die "Diana" sowohl als Bekenntnis zu einem seiner Lieblingsthemen, dem weiblichen Akt, als auch zum genius loci erscheint, wo die antike Göttin der Jagd, im Park des Quandtschen Ritterguts, seit langem als Standbild zu Hause ist.

Helga Luzens begnügt sich als Fotografin mit Alltagseindrücken wie es sie in unmittelbarer Umgebung des Gehöfts jederzeit zu entdecken gibt. Einen Sonnenaufgang über der Dittersbacher Höhe, die weiße Apfelblüte des Hochstämmigen vorm Haus und die schlichte Pracht üppiger Meerrettichblüten hat sie elementar und poetisch mit ihrer analogen Kleinbildkamera eingefangen.

Der Pianist der Semperoper Jewgenij Feldmann, der oft schon am Flügel der Galerie zu erleben war, bekennt sich malerisch mit einer fein farbigen, aquarelligen Mischtechnik, "Hermann Nauman im Hofmannschen Gut" als dessen Schüler und schenkt damit dem Anwesen eine weitere Hommage.

Denn auch die in 15 Jahren zu dicken Folianten angewachsenen Gästebücher quellen über vor Liebeserklärungen an das "kleine Kulturzentrum auf dem Lande", die "Perle im Hochland", "Kulturoase", "Kunstinsel", dieses "Refugium der Kunst" für den "überraschenden Kunstgenuss".

22 Ausstellungen in der Kunstscheune, sechs Kabinettausstellungen, 45 Konzerte und 16 literarisch-musikalische Veranstaltungen mit insgesamt 15 000 Besuchern sind die Bilanz der 15-jährigen, privaten Aktivitäten in der Sommergalerie im Hofmannschen Gut.

iZeitgleich mit den 15 Künstlern stellt sich im Kabinett die Keramikwerkstatt Schröter aus Langburkersdorf bei Neustadt/Sachsen vor. Bis 6.Juli, Galerie im Hofmannschen Gut Dittersbach/Stolpen, Alte Dorfstraße 8. Do: 15-19 Uhr, Sa: 11-16 Uhr und nach Vereinbarung. Tel.: 035026/9 16 41.Vorschau: 13.Juli, 17 Uhr: Ausstellungseröffnung "Musik-Musiker-Musikerkrankheiten", anschließend 43. Galeriekonzert mit Aline Khouri, Harfe und Eva Ludwig, Flöte, Werke von Donizetti, Debussy, Ravel u.a.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.06.2013

Jördis Lademann

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