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Jubiläum eines neuen Museumstyps: Das Volkskunstmuseum Dresden im Jägerhof wird 100

Jubiläum eines neuen Museumstyps: Das Volkskunstmuseum Dresden im Jägerhof wird 100

Auch seine Majestät, Sachsens König Friedrich August III., gab sich die Ehre, als am 6. September 1913 das "Landesmuseum für Sächsische Volkskunst" im ehemaligen kurfürstlichen Jägerhof eröffnet wurde.

Stadt und Land hatten dem Museumsgründer Oskar Seyffert nicht viel Geld gegeben, gleichwohl war es der Start für einen völlig neuen Museumstyp, der sich den bisher wenig geachteten künstlerischen Erzeugnissen der "kleinen Leute" widmete. Eine kleine Ausstellung zum 100. Jubiläum des Museums für Volkskunst, das seit 1960 integraler und "besonders beseelter" Bestandteil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist, wie SKD-Chef Hartwig Fischer gestern erklärte, beleuchtet ab morgen seine Geschichte anhand dreier Themenkreise.

Da geht es zum einen um den Museumsgründer Oskar Seyffert (1862-1940). Der Maler und Professor für dekoratives Zeichnen an der 1876 gegründeten Kunstgewerbeschule Dresden war ein höchst umtriebiger, mit Künstlern, Architekten, Historikern, Denkmalpflegern, Volkskundlern und Kulturschaffenden Sachsens bekannter Netzwerker. Er setzte weniger auf Ausstrahlung und Überzeugungskraft von einzelnen Objekten als vielmehr auf die Wirkung inszenierter Bilder in zehn (Heimat-)Stuben; durch ein "Setting von Objekten, die nostalgische Erinnerungen herrufen", wie Igor Jenzen, der derzeitige Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst, erklärte. "Kunst ist Sprache - Volkskunst ist Dialekt" lautete eine seiner Umschreibungen, weit entfernt davon, eine Definition zu sein, und doch unmittelbar eingängig. Obwohl Seyffert den Dresdnern wegen seiner Freundlichkeit und seines Humors als der "gute alte Hofrat" in Erinnerung bleiben sollte, war er zugleich auch ein erfolgreicher Marketingstratege.

Natürlich wird auch ein Blick auf die Historie des Jägerhofes geworfen, der bis 1877 als Kavalleriekaserne genutzt wurde. Auch Depotstation der Pferdeeisenbahn war der Jägerhof mal. Es gibt ein altes Foto, das zeigt, wie Schienen in den Jägerhof hineinführen, wie Jenzen mitteilte. Nach der weitgehenden Zerstörung des Gebäudes fand bereits Weihnachten 1945 im Erdgeschoss wieder eine Ausstellung statt. Von 1950 bis 1952 wurde der Jägerhof - als erstes der zerstörten Dresdner Museumsgebäude - wieder vollständig aufgebaut. Heute umfasst die Sammlung übrigens etwa 28 000 Objekte, von denen um die 3000 öffentlich präsentiert werden, der Rest schlummert, außer bei Sonderausstellungen, im Depot.

Erhaltene Fotos erlauben heute in der Ausstellung einen Vergleich der Einrichtung an Ort und Stelle. So wird an die "Gute Stube" erinnert, von der viele Gegenstände einst in Besitz der Familie Seyffert gewesen waren. Sie war dem Andenken von Seyfferts Sohn gewidmet, der 1918 als Batterieführer an der Front gefallen war. Die "Gute Stube" war die am häufigsten abgebildete Stube, obwohl sie nicht die dörflichen, sondern die bürgerliche Kultur zeigte. Aber sie hatte eben einen hohen emotionalen Gehalt, wie so vieles, was starken regionalen Bezug hatte und im Museum ausgestellt wurde.

Viele Fotografien erzählen die Geschichte des Museums und seiner Mitarbeiter. Erinnert wird etwa an Manfred Bachmann, der von 1957 bis 1967 Direktor des Staatlichen Museums für Volkskunst in Dresden war und dann die Generaldirektion der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden übernahm. An sich rührte er in den zehn Jahren für den Jägerhof keinen Finger", wie Jenzen sagte.

Und schließlich geht es um die "Volkskunst" an sich, diesen schillernden Begriff, der laut Jenzen von jeder Generation neu zu definieren ist. Volkskunst wird in der Regel ja mit traditionellem Festhalten assoziiert, jedoch erwies und erweist sich das Konzept Volkskunst als höchst wandlungsfähig. Was Seyffert definitiv nicht wollte, war, dass die Leute tradierte Formen der Volkskunst nachäffen, sondern "dass sie das Wesen der Volkskunst verstehen", wie Jenzen versicherte. Er wies zudem darauf hin, dass es in der DDR darauf ankam, wer die Kurse volkstümliches Laienschaffen abhielt. "Es kam auch viel rum, und wir profitieren heute davon", so Jenzen.

Das Museum versteht sich heute als kunsthistorische Sammlung aller Facetten der Volkskunst und als Anreger, ja Anstifter für Eigeninitiativen in Sachen Kunst. Kontakte sind wichtig. Nur so gelang es beispielsweise, den 16 Werke umfassenden Nachlass von Engelbert Opitz für sich zu sichern. Dieser Laienkünstler war von Papier als Werkstoff begeistert. Ausgestellt ist von ihm ein Sultanspalast - ganz aus Papier, das nicht nur geduldig, sondern zu Brei gemanscht auch ziemlich formbar ist.

bis 3. November täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr

www.skd.museum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.06.2013

Christian Ruf

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