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Jubiläum: Gottfried Wehmann ist seit 50 Jahren Chorleiter bei den Bergfinken

Jubiläum: Gottfried Wehmann ist seit 50 Jahren Chorleiter bei den Bergfinken

"Fein sein", daran kann sich Wolfgang Wehmann noch ganz genau erinnern, war das erste Lied, das er für die Bergfinken dirigiert hat. 1962 war das, bei seiner ersten Probe bei dem 80-Mann-starken Chor des Sächsischen Bergsteigerbundes.

Auch bei der ersten Bergfinkenprobe in diesem Jahr gab er den Takt für dieses Lied vor: dazwischen liegen mittlerweile 2180 Übungsrunden - Wehmann hat das akribisch notiert - und ein Jubiläum: Seit 50 Jahren ist Wolfgang Wehmann der Chorleiter der Bergfinken.

Dass er einmal Taktgeber für einen Bergsteigerchor werden würde, hätte sich Wehmann selbst wohl am wenigsten vorstellen können. Der 78-Jährige ist in Dresden geboren und studierte an der Universität Leipzig Musikpädagogik. Als Dozent war der Studiendirektor viele Jahre für die Ausbildung von Lehrern am Institut für Lehrerbildung in Radebeul verantwortlich. Nebenbei leitete er den Volkschor Dresden-Pappritz. Und dann kam der Tag kurz vor Weihnachten 1961. Adam Fritz, langjähriger Freund und Mitglied bei den Bergfinken, kam zu dem damals 28-Jährigen und erklärte, dass der eigentliche Chorleiter Kurt Kämpfe überraschend aufgehört hätte. "Zwischen Weihnachten und Neujahr musste ich mich entscheiden und dachte mir, es wird schon irgendwie gutgehen. Und es ist offensichtlich gut gegangen", erinnert sich Wehmann.

Ganz so leicht viel ihm der Wechsel von einem gemischten zu einem reinen Männerchor jedoch nicht. Besonders die Art des Bergsteigerliedes war ihm neu. Statt klassischer Volkslieder hieß es von nun an: "Wir lieben unsere Berge", "Winter in der Sächsischen Schweiz" oder "Das Bergfinken-Lied" - nur drei von mehr als 30 Kompositionen, die Wehmann speziell für die Bergfinken geschaffen hat, dem Vorbild seines Vorgängers folgend. Auch ist er, wie er erzählt, erst nach seinem Einstieg bei den "Bergfinken" an den Felsen gegangen, war dann aber etliche Jahre begeisterter Kletterer. "Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich mich reingefitzt hatte", gibt der 78-Jährige zu.

Mittlerweile hat der Chor mehr als 900 gemeinsame Auftritte absolviert, sang unter freiem Himmel in der Sächsischen Schweiz, in Köln oder München, in Österreich, Bayern oder Südtirol. Beim letzten Weihnachtskonzert kamen 2000 Besucher in die Dresdner Annenkirche. "Das sind alles Erinnerungen, die mir bleiben", so der Jubilar.

Was ein wenig nach Abschied klingt, muss jedoch korrigiert werden. Wehmann hat sich keinen Termin fürs Aufhören gesetzt, sich aber Hilfe ins Boot geholt. "Als ich 1999 Rentner wurde, begann ich, mich nach einem Nachfolger umzusehen. In Ulrich Schlögel habe ich den perfekten Partner gefunden: er ist, genau wie ich, Musiklehrer und begeisterter Skifahrer und Bergsteiger." Seit 13 Jahren teilen sie sich die Chorleitung. Bei Konzerten übernimmt Schlögel zu zwei Dritteln das Dirigieren, Wehmann das restliche Drittel. "Ich möchte nicht ganz aufhören, dafür hänge ich zu sehr an den Jungs. Aber ich möchte auch nicht mehr die volle Last tragen." Ein Abschied klingt anders.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.01.2012

Christin Grödel

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