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Jordi Saval fesselte das Publikum im Palais im Großen Garten mit seinem Gambenspiel

Jordi Saval fesselte das Publikum im Palais im Großen Garten mit seinem Gambenspiel

Kein anderes Instrument durfte so wie die Viola da Gamba die im 16. Jahrhundert nicht nur in England musikalisch gern gepflegte Melancholie ausdrücken. Bis Tobias Hume (1569-1645) auf den Plan trat, der mit großem Humor die zuvor meist klagende Gambe zum freien Phantasieren nutzte und alle erdenklichen Klänge darauf imitierte.

Jordi Savall, der wohl wichtigste zeitgenössische Vertreter des virtuosen Gambenspiels, (ent)führte das Publikum in einer Matinee im Palais im Großen Garten in einen Teil des musikalischen "Empire", der die Konzerte nur selten in solcher Fülle erreicht.

Allein mit seiner kostbaren Gambe aus dem 17. Jahrhundert und einem Rundumschlag durch die "spleenigen" Musikstücke der Zeit um 1600 fesselte Savall die Zuhörer fast zwei Stunden ohne Pause. Wobei er die diversen kleinen Stimmpausen zu historischen Erläuterungen über alte Notenschriften und die zahlreichen Stimmungen der Gambe nutzte. Die von Tobias Humes Soldatenleben inspirierten Stücke bestimmten den ersten Programmteil. Alles was "Captaine Hume" unterwegs begegnet war, klang aus dem Streichinstrument: Abschied und Rückkehr, militärische Kommandos, Trompetensignale und Heerpauken, das Marschieren und der Tanz. Mit lang geübter Fertigkeit erweckte Savall diese Miniaturen zu blitzendem Leben und dies mit Spieltechniken, die er zum Großteil für seine Zunft wiederentdeckt hat. Das allen Streichern geläufige "Col legno" etwa geht auf Hume zurück. So klang die Gambe nur selten "schön", und es war durchweg spannend zu verfolgen, wie Savall die klingenden Genrebilder dieser Epoche entstehen ließ.

Die "zivile" Welt der Zeit erwies sich in Stücken von Alfonso Ferrabosco oder John Playford als nicht weniger farbig. Milder, einfühlsamer im Tonfall als ihr Kollege Hume waren diese Komponisten, doch ihr Vergnügen am Experimentieren war offenkundig nicht geringer. Hier konnte Savall seine Gambe voll klingen lassen, das beliebte Lautenspiel nachbilden oder etwas scheinbar Einfaches, wie ein Glockenläuten ("La Cloche" von Playford) zu einem wunderbaren Moment formen.

Am Schluss standen etliche Stücke aus dem "Manchester Gamba Book", denen die Musik des Dudelsacks als Vorbild diente. Solch flinkes Spielen und Variieren über einem Bordun reißt mit und begeistert fast von alleine. Also durfte sich Jordi Savall des großen Beifalls am Ende sicher sein. Einige Ausflüge in die verwandte irische und schottische Volksmusik gab es als Zugabe, eine musikalisch etwas sentimentale Richtung, der er seit längerem frönt. Doch mit den "Muzettes" von Marais zeigte Savall ganz zuletzt noch einmal, welch überragender Meister des Gambenspiels er ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2013

Hartmut Schütz

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