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Jongleur der Farben: Jörg Otto Schulze in der Blauen Fabrik

Jongleur der Farben: Jörg Otto Schulze in der Blauen Fabrik

In der Ausstellungsreihe "parablau" präsentiert die Blaue Fabrik 2012 "Kunst von nebenan" direkt aus dem Quartier. Die Neustadt war schon zu DDR-Zeiten ein guter Nährboden für neue künstlerische Ideen, Labor und Werkstatt für junge Nichtangekommene, Sinnsuchende und Bohemiens im subkulturellen Gewand, immer mit hohem Anspruch.

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Jörg Otto Schulze, "o.T.", 2002.

Quelle: Heinz Weißflog

Die Blaue Fabrik, Podium für Neustadtkunst und freie Künstler (darunter vor allem improvisative Kunst) "versteht sich nicht als Galerie, sondern als Ausstellungsraum" (Holger Knaak, Vorsitzender und Geschäftsführer des Vereins), als Ort der Begegnung der Künste.

Eingebunden in die vielen Musik-, Tanz- und Theaterveranstaltungen richtet der Verein im Jahr mindestens fünf Ausstellungen mit Malerei und Grafik (neuerdings auch Fotografie) aus, die man allerdings nur während der Aufführungen betrachten kann. Trotz Baubetrieb und umgebender Sanierung wollen die Betreiber die Blaue Fabrik aufrechterhalten und hoffen, auch in Zukunft im Kunstgeschehen der Neustadt mitreden zu können.

Unter dem Titel "Schulze in der Blauen" zeigt der Dresdner Maler/Grafiker Jörg Otto Schulze (geb. 1959 in Wittenberg) Malerei auf Leinwand und Papier. Darunter sind vor allem bestürzende Bilder von Parallelwelten, die Schulze in einem surrealen Expressionismus darbietet, oft groß im Format in Szene setzt, während ein variierendes Blau dominiert. Der Künstler jongliert mit den Farben, neben den vielen Blautönen herrschen vor allem Komplementärfarben, leuchtendes Gelb und Orange, Violett und Burgunderrot vor. Man wird an die kräftige, manchmal pastellhafte Farben-und Formenwelt primitiver Kunst erinnert, die von innen sonderbar leuchtet.

Totemartige Ornamente, mythische Körper, Gesichter und eigenwilliger Kopfschmuck bedecken drei zusammengefügte Tafeln ("o.T.", 2002). Eine kelchartige Viole birgt eine mysteriöse Gestalt mit Spitzhaube ("Blauer Kelch", 2000), zusammengekrümmt schmiegt sich eine behelmte Figur ins Bild ("Nachtfahrt", 1995). Immer wächst die Form aus einem Kreis heraus, als hole der Künstler damit Schwung für seine Kompositionen. Die Arbeit am Bild gleicht der des Schamanen, der die Leinwand beschwört. Schließlich bringt er es so weit, dass das Bild ihm antwortet.

Schulze nimmt formale Zitate aus der Kunstgeschichte, wie vom frühen Pollock, Ernst, de Kooning, Motherwell, Rothko, Gorki, Breton, aber auch Dada in seinen malerischen Kanon auf. Die Mischtechnik "Afrikanisches Interieur" (2004) verweist auf Anregungen für viele seiner Bildideen: die afrikanische Kunst, Höhlenmalerei, die Kunst der nordamerikanischen Indianer, Papua Neuguinea und anderer Völker.

Im Hinterraum befinden sich fünf Arbeiten mit Malerei auf Papier, die sehr spannungsvoll zwischen reduzierter Gegenständlichkeit und abstrakten Formen schwanken. Hier korrespondieren mal mehr oder weniger die grafische Zartheit der Linie und ein malerischer Duktus miteinander. Beides veranschaulicht das Lebensgefühl des Künstlers in seiner Komplexität und fließenden Flüchtigkeit.

Heinz Weißflog

Bis 25. Juli. Blaue Farbik, Prießnitzstraße 44/46, Kontakt: 0157/79 30 64 27, geöffnet zu den Veranstaltungen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.07.2012

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