Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
John Murrays Komödie "Hallo Taxi!" am Hoftheater

"Entkomplexung" mit hohem Spaßfaktor John Murrays Komödie "Hallo Taxi!" am Hoftheater

Sex sagt man ja nach, dass er so einfach zu praktizieren sei wie Telefonieren: einfach eine Nummer wählen. Aber Maggie Kendall ist noch Jungfrau, führt mit Ende Zwanzig noch immer ein Leben, das so seine Höhepunkte hat, aber keine, bei denen Erregung und Erschöpfung derart Hand in Hand gehen.

Voriger Artikel
Karasol-CD-Release-Konzert in der Dreikönigskirche
Nächster Artikel
Dota Kehr mit neuem Album in der Scheune

Josephine Egri und Ralf Roßmann in "Hallo Taxi!": Die Protagonisten Maggie und Brian gehen eine anfangs eigenartige Beziehung ein.

Quelle: Marko Förster, PR

Dresden. Sex sagt man ja nach, dass er so einfach zu praktizieren sei wie Telefonieren: einfach eine Nummer wählen. Aber Maggie Kendall ist noch Jungfrau, führt mit Ende Zwanzig noch immer ein Leben, das so seine Höhepunkte hat, aber keine, bei denen Erregung und Erschöpfung derart Hand in Hand gehen. Man muss noch nicht mal angezogen sein, um diese Höhepunkte zu erleben, allenfalls vom anderen.

Wie gesagt, Maggie Kendall ist noch Jungfrau - und lotst deshalb unter einem Vorwand den Taxifahrer Brian Shephard in ihre Wohnung. Er soll ihr helfen, sich auf ihre Ehe vorzubereiten, sie quasi "einreiten" (um mal ein hässliches Wort zu benutzen), ähnlich wie das ja schon der feinsinnige Libertin und skrupellose Verführer Vicomte de Valmont in Choderlos de Laclos' Briefroman "Gefährliche Liebschaften" mit der blutjungen Cécile de Volanges machte, damit diese in der Hochzeitsnacht ihren Ehemann durch fundierte Kenntnisse zu entzücken vermag. Und in der Tat: Shephard gelingt es, nachdem er nach dem eindeutigen, aber nicht als unmoralisch zu erachtenden Angebot die Sprache wiedergefunden hat, Maggie zu "entkomplexen". Bei der einen Nacht bleibt es nicht. In sieben Wochen wird Maggie, die auch nicht kochen konnte, nicht mal Kaffee im Haus hatte, zur "perfekten Ehefrau am Herd und in der Heia".

So weit die Ausgangssituation von John Murrays Komödie "Hallo Taxi", die jetzt am Hoftheater Premiere hatte. Das Stück ist älteren Datums, wirkt auf den ersten Blick aus der Zeit gefallen, wo heute doch zumindest die einen durch Lesen einschlägiger Bücher wie Siegfried Schnabls "Mann und Frau intim. Fragen des gesunden und des gestörten Geschlechtslebens" oder Alex Comforts "Joy of Sex", andere durch eifriges Surfen im Worldwide Wollust Web alles über Liebe und Triebe zu wissen glauben.

Aber Murrays von Regisseur Helfried Schöbel in Szene gesetztes Werk verhandelt noch ganz andere Fragen. Etwa der Selbstachtung. Shephard, der sich nicht als Taxifahrer, der auch malt, erweist, sondern als "Maler, der Taxi fährt", leidet daran, dass er von seiner Frau Ellen zugunsten eines anderen, vor allem reicheren Mannes verlassen wurde. Aber er liebt diese Frau, die sein Selbstvertrauen mit Füßen trat, noch immer, jedenfalls ist er bereit, sich wieder zum Fußabtreter zu machen, als Ellen sich meldet - mag Maggie auch warnen, dass diese prächtige Ellen nie existiert hat, die richtige Ellen sich nur auf die Kunst des Nehmens verstehe, Brian sich ausnutzen lasse. Und so wie in "Pretty Woman" zwar vordergründig der "Prinz" in Gestalt von Richard Gere die Prinzessin in den Formen von Julia Roberts rettet, de facto aber die Prinzessin den Prinzen, so finden auch in "Hallo Taxi" zwei Menschen Rettung, indem sie - nach allerlei Scharaden - zueinander finden.

Es dauert ein bisschen, bis das Stück in die Gänge kommt. Die Inszenierung leidet nicht darunter, auf Teufel komm raus mit "originellen" Mätzchen aufwarten zu wollen, wie das im Regietheater häufig der Fall ist. Gelegentlich stören einige logische Fehler, etwa wenn Maggie Brian auffordert, die Schuhe auszuziehen, sie selbst aber in ihrer eigenen Wohnung die Straßenschuhe anbehält. Aber im Großen und Ganzen verfolgt man das Spiel der Akteure (es sind Josephine Egri und Ralf Roßmann, die hier durchaus noch mit Luft nach oben agieren) mehr und mehr amüsiert - und hier und da sogar berührt.

Es darf zudem gelacht werden, aber weniger über Frivolitäten einschlägiger Libido-Lustspiele à la "Herr Doktor, die Kanüle klemmt!", sondern über Momente, die vielen aus dem Beziehungskisten-Alltag vertraut sein dürften. Etwa wenn Sie (beim Einüben von "Momenten der Leidenschaft") säuselnd sagt "Ich möchte ins Bett!" - und er ungerührt antwortet: "Lass Dich nicht aufhalten!"

nächste Vorstellungen: heute, 13.2. u. 5.3., jeweils 20 Uhr, Karten unter Tel. 0351/ 25 06 150

Christian Ruf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr