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Johannes Martin Kränzle zu Gast bei "Das Lied in Dresden"

Johannes Martin Kränzle zu Gast bei "Das Lied in Dresden"

Mord und Totschlag, Blut und Strafe, Abschied und Heimweh und so manche Groteske - der für dieses Jahr letzte Abend von "Das Lied in Dresden" sparte nicht mit Extremen.

Johannes Martin Kränzle war zu Gast im Kulturrathaus, ein Sänger mit derartigem Faible fürs Balladen-Singen, dass die Bilder nur so vorbeirauschten. Und gleichwohl lange nachwirken werden, die Pause überbrückend, in die sich das liedliebende Publikum bis April nächsten Jahres fügen muss.

Der Bariton, 2011 von der Zeitschrift Opernwelt zum Sänger des Jahres gekürt, ist langjähriges Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, zudem an renommierten Häusern und auf Festivals zu Gast. Profunde Spielerfahrung auf der Opernbühne ist von großem Nutzen für die Interpretation jener "langen Lieder", doch groß auch die Gefahr, auf dem kleineren, unmittelbareren Lied-Podium zu überzeichnen.

Nicht freilich bei Johannes Martin Kränzle. Der weiß Bühnenpräsenz und Gestaltungskraft sehr genau zu dosieren; pure Körperspannung und sprechende Augen reichen an gestischen Mitteln, ansonsten machen durchdachte Interpretation und ein riesiges Spektrum an Stimmfarben jede Ballade zum fesselnden Erlebnis. Dass die obersten Stimmregionen nicht seine profundesten sind und der Gestaltungswille in Einzelfällen auch mal der intonatorischen Sicherheitsvariante widerspricht, ist da so zweitrangig wie selten. Viel zu sehr nimmt dieser Sänger als brillanter, mit Haut und Haar und Kopf und Bauch agierender Erzähler gefangen.

Carl Loewe bildete den Rahmen des gemeinsam mit dem Pianisten Hilko Dumno dargebotenen Programms - ein Muss im Balladenfach. Sich aus den rund 400 möglichen "Edward" herauszusuchen, ist kein Muss. Vierzehn Mal hat der Sänger in der Geschichte vom Vatermörder allein den Ausruf "O!" zu interpretieren, und das ist noch lange nicht die einzige von zahlreichen Wortwiederholungen. Da muss man sich schon was einfallen lassen - und Kränzle setzte da Maßstäbe. Nicht weniger schaurig folgte "Herr Oluf", dann drei Mal Schubert, darunter zuletzt "Die Bürgschaft". Ein Koloss, in dem Kränzle das gesamte Spektrum an Stimmfärbungen für die Personencharakterisierung zündete. Nicht weniger stilsicher wechselte er zwischen den rezitativischen und melodiösen Passagen.

Dass er sich aufs hintersinnig-ironische Metier ebenso versteht als aufs schaurige, unterstrich Kränzle nach der Pause sehr erquicklich zunächst mit Mahlers wunderbarer "Fischpredigt" und dem "Lob des hohen Verstands". Mit Schumanns Vertonung von Schillers "Handschuh" (faszinierend, wie ein Mensch selbst Tiere mit Stimmfarben charakterisieren kann) und Loewes "Der Mohrenfürst auf der Messe" kehrte er zu den ernsthafteren Tönen zurück, bevor mit einem in rasender Wortakrobatik gipfelnden "Hochzeitlied" Loewes der offizielle Teil beendet war.

Für seinen so bildhaften, stimmungsreichen Vortrag hatte Kränzle in Hilko Dumno einen mehr als verlässlichen Partner an der Seite. In gleichermaßen ernsthafter, authentischer, nie aufgesetzter Herangehensweise steuerte Dumno die Klavierfarben bei, passte sich dabei zunehmend geschickter an die akustischen Gegebenheiten an.

Das alles konnte nicht ohne Zugabe bleiben: Hugo Wolfs "Der Schäfer" und das "Flohlied" in der Version Busonis rundeten einen herrlichen Balladen-Abend ab. Man kann ihn (noch einmal) nachhören: am 12. November, 20.05 Uhr auf MDR Figaro. Auf Kränzles blitzende Augen muss dort freilich verzichtet werden.

i"Lied in Dresden" startet am 13. April in die Saison 2014. Es singen Studierende der Liedklasse der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.11.2013

Sybille Graf

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