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Jetzt auch mit Krimi - Die Theaterruine St. Pauli Dresden zeigt wieder zwei Neuproduktionen

Jetzt auch mit Krimi - Die Theaterruine St. Pauli Dresden zeigt wieder zwei Neuproduktionen

Es hätte auch Agatha Christie Stück "Die Mausefalle" sein können, sagt Jörg Berger. Ist es dann aber doch nicht. Stattdessen wird "Mörderspiele" als erste Neuproduktion der Saison am 16. Mai Premiere in der Theaterruine St.

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Blick in die Proben für die erste St. Pauli-Premiere "Mörderspiele": Mandy Ziegler (Doina) und Rainer Könen (Frank).

Quelle: Peter Hofmann

Pauli feiern. Das Ganze sei ein Test in eine neue Richtung, fügt der künstlerische Leiter der Bühne im Dresdner Hechtviertel an. Sein Antrieb, das erste Mal einen Krimi auf die Pauli-Bühne zu bringen? "Neugier", sagt er schlicht. Einschränkend fügt er an: "Ein Krimi-Dinner wird es aber nicht." Und Agatha Christie habe er nicht inszeniert, weil "ich da wohl im Klischee steckengeblieben wäre".

"Mörderspiele" also, ein Stück von 2010 aus der Feder von Henry Smith - ein streng vom Verlag gehütetes Pseudonym. Doch Berger ist von der Qualität des Textes überzeugt. Nur eine Einschränkung macht er: "Es gibt nicht so viele Leichen, das ist etwas schade." Dafür sei die Vorlage temperamentvoll, habe "Turbulenzen wie ein Tür-auf-Tür-zu-Stück".

Die zweite Premiere trägt einen Titel, wie ihn sich ein Marketing-Experte kaum besser hätte ausdenken können. "Der Teufel mit den Titten" stammt aus der Feder von Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo und wird am 18. Juli erstmals aufgeführt. Ein Volkstheater-Stück um Korruption, angesiedelt im 16. Jahrhundert. "Fo wollte ich schon lange mal machen", sagt Berger. Den Text von 1997 sieht er auch deshalb als passend, weil er nicht gar so Italien-lastig sei.

Zu den beiden Neuproduktionen gesellen sich weitere fünf Stücke, die im Repertoire geblieben sind: "Der Arzt wider Willen" (Molière), "Helena" (Hacks/Offenbach), "Purcells Traum von König Artus" (Dorst), "Diener zweier Herren" (Goldoni/Turrini) und Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", das nach 77 bisherigen Aufführungen weitere vier Mal gezeigt werden soll. Insgesamt stehen etwa 110 Veranstaltungen im Plan, wovon rund 30 Gastspiele sein werden. Dazu wiederum zählen Auftritte der Dresdner Theatergruppe Spielbrett oder des Steinhaus Theaters Bautzen, aber auch Chorkonzerte. Berger begründet das Gastieren von Chören auch mit der dafür passenden Akustik des gläsern überdachten Kirchenbaus.

Spezieller Höhepunkt dürfte das Gastspiel des Seattle Men's Chorus am 25. Juni werden. Die zweiaktige Oper "For a look or a touch", ein Stück um homosexuelle Liebe in Zeiten der Nazi-Herrschaft in Deutschland, wird bei der kurzen Tour, die den Chor auch nach Berlin, Leipzig, Weimar und Krefeld führt, ihre europäische Erstaufführung erleben. Ein besonderer Dreh ist die Tatsache, dass Dresden bereits Ort für die europäische Erstaufführung eines anderen Werkes des Komponisten Jake Heggie war: 2006 bei "Dead Man Walking" in der Semperoper. Aus der Metropole im US-amerikanischen Nordwesten werden rund 120 Sänger und etwa 30 Musiker erwartet - eine logistische Herausforderung für die Paulianer. Einen guten Monat später, am 29. Juli, dürfte der Auftritt des Oxford County Youth Orchestra mit etwa 70 Musikern zu einem ähnlichen organisatorischen Husarenstück werden für den knapp 250 Besucher fassenden Theaterraum.

Künstlerisch also will die Theaterruine St. Pauli wieder (mindestens) einen Schritt nach vorn machen. In Fragen personeller Ausstattung müssen dagegen Rückschläge hingenommen werden. Das Haus konnte über drei Jahre auf sieben Bürgerarbeitsstellen zurückgreifen, die laut Berger mit insgesamt rund 90 000 Euro verknüpft waren. Ende Mai laufen diese Stellen aus, dann geht es fast zurück auf Null. "Wir sind da wohl eine der ersten Einrichtungen, die es erwischt", meint Berger. Das Problem betrifft in Dresden aber auch andere. In ganz Dresden werden in diesem Jahr die existierenden 800 Bürgerarbeitsstellen ersatzlos wegfallen (DNN berichteten). Zwei feste Stellen sollen zumindest in der Theaterruine dennoch bestehen bleiben, den Rest hoffen alle Beteiligten über Honorarstellen irgendwie abfedern zu können. Das Geld dafür muss aus Eigeneinnahmen kommen. Ebenso für einen Teil der Betriebskosten, die Berger auf rund 60 000 Euro beziffert, wovon das Kulturamt wiederum 60 Prozent übernimmt.

Etwas Neues wird in der Theaterruine St. Pauli dagegen hoffentlich unproblematisch bleiben: eine Zuschauertribüne, die für die hinteren Reihen bessere Sicht und auch eine generell bessere Akustik verspricht. Die Tribüne war übrigens ein Gebrauchtkauf. Auf die Frage, wie viele Besucher in der vergangenen Spielzeit kamen, will Berger nicht antworten (2012/2013 waren es immerhin etwa 12 000). Eine Zahl nennt er aber doch: Die Einnahmen seien um 22 Prozent gestiegen. Zumindest das lässt Raum für Optimismus.

@Informationen zum Spielplan und Tickets unter www.pauliruine.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.04.2014

Torsten Klaus

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