Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Jesuiten machen offene Angebote für Bildung und Kontemplation - auch in Dresden

Jesuiten machen offene Angebote für Bildung und Kontemplation - auch in Dresden

Den Jesuiten in Sachsen hat die Geschichte einen schlechten Leumund beschert. Seit sie mit der Konversion Augusts des Starken 1697 zum Katholizismus Beichtväter am sächsischen Hof wurden, galten sie im lutherischen Sachsen als suspekt.

Voriger Artikel
„Störtebeker“ ersetzt Karsten Speck in „Paul auf hoher See“ in der Comödie Dresden
Nächster Artikel
Dresdner Staatskapelle spielt zwei Silvesterkonzerte – ZDF überträgt aus der Semperoper

Über Vorurteile gegenüber Jesuiten kann der Dresdner Pater Wilfried Dettling nur milde lächeln. Seine Biografie zeugt von Weltoffenheit und Weltläufigkeit.

Quelle: Dietrich Flechtner

Als 1726 ein Diakon der evangelischen Kreuzkirche ermordet wurde, beschuldigte man sie prompt als Anstifter.

Der Verdacht, die geheime päpstliche Speerspitze der Gegenreformation, machtlüstern und intrigant zu sein, haftet ihnen bereits seit dem 17. Jahrhundert an. Noch heute reagiert mancher misstrauisch. Über solche Vorurteile kann Wilfried Dettling nur milde lächeln. Der 47-jährige geborene Schwabe ist neuer Leiter von Haus "HohenEichen" in Dresden-Hosterwitz, dem Bildungs- und Exerzitienhaus der Jesuiten.

Nichts von geheimer Ränke. Die Biografie des Paters zeugt von Weltoffenheit und Weltläufigkeit. Schon nach dem Abitur hat er in Ghana eine andere Spiritualität kennengelernt, hat im israelischen Nazareth und in der Türkei Bibelschulen besucht. Der Societas Jesu (SJ), dem Jesuitenorden, ist er 1989 beigetreten. Theologie hat er in Tübingen, in London und in Oxford studiert, in München an der ordenseigenen Hochschule Philosophie. Er ist in Rom gewesen, hat an der Universität Gregoriana promoviert. In Istanbul, am Orient-Institut, ist er als Gastwissenschaftler gewesen. In der Diözese Speyer war er unter anderem für den interreligiösen Dialog zuständig. "Andere Länder, andere Kulturen haben mich schon früh interessiert", sagt er.

Was ihn für die Jesuiten begeistert habe? "Es ist eine Gemeinschaft, die Wert auf eine solide intellektuelle theologische, aber auch geistlich-spirituelle Ausbildung legt." Dazu die Aussicht, in Grenzbereichen zwischen katholischer Kirche und Gesellschaft zu wirken. "Dahin zu gehen, wo andere nicht hingehen, ist Anliegen unseres Ordens."

Haus "HohenEichen", 1921 von den Jesuiten gegründet, möchte er weiter als ein Haus für Stille und Achtsamkeit profilieren. "Das wird in unserer so unruhigen, getriebenen Welt immer wichtiger. Hierher möchte ich nicht nur Christen einladen, sondern alle Menschen, die einmal durchatmen möchten."

Exerzitien bietet er hier an, Tage ohne Radio, Fernsehen, Mobiltelefon, E-Mails, die man schweigend verbringt, konzentriert auf ein biblisches Wort, auf sich selbst und die Natur um einen herum. Diese geistlichen Übungen hat Ordensgründer Ignatius von Loyola erfunden.

Zudem will Pater Dettling am 14. Februar 2013 eine Bibelschule eröffnen. Ferner ein Baby-Hospital in Bethlehem unterstützen. "Neben Spiritualität und Bildung wollen wir auch Solidarität und soziales Engagement praktizieren." Jesuiten leben wie Mönche, ehelos, ohne eigenen Besitz, in Gehorsam gegenüber dem Papst. Nur eben nicht hinter Klostermauern und ohne spezielle Ordenskleidung. Insgesamt 16 Jesuitenpatres sind in Sachsen tätig. Einige in Leipzig, in der Kontaktstelle für Lebens- und Glaubensfragen "Orientierung in Leipzig" an der Hainstraße. Die Patres leben zusammen in Häusern ihrer Niederlassungen. In Dresden gibt es neben der in Hosterwitz eine zweite in Strehlen.

Hier wohnt Clemens Maaß, seit 2007 Direktor der Katholischen Akademie des Bistums. Der 49-Jährige stammt aus dem hessischen Viernheim, hat in Mainz und in Tübingen katholische Theologie studiert, unter anderem bei Kardinal Walter Kasper.

Begeistert an den Jesuiten hat ihn die Breite der Einsatzmöglichkeiten. "Das Spektrum reicht vom Pfarrer bis zum Astronomen", sagt er. Ebenso die Besonderheit des Ordens, die Mitglieder ihren ganz persönlichen geistlichen Weg entdecken zu lassen. "Die Suche nach dem, was Gott mit mir vorhat."

Mit drei Referenten und einer Geschäftsführerin gestaltet er 2013 ein Programm für ein ausdrücklich auch nichtkirchliches Publikum, das sich für Theologie und Lebensfragen interessiert. So referieren Fachleute aus ganz Deutschland über tiefere Zusammenhänge von Texten aus dem Alten Testament. "Sie sind sehr bekannt. Aber bei näherem Hinsehen merkt man, dass wir sie oft nur oberflächlich kennen."

Leipzig: in "Orientierung Leipzig - Kontaktstelle für Lebens- und Glaubensfragen", Hainstr. 15, Gespräche, Informationen und Meditation

Dresden 1: Niederlassung Haus "HohenEichen" Hosterwitz, Dresdner Str. 73, Tel. 0351/2 61 64 10, Internet: www.haus-hoheneichen.de

Dresden 2: Niederlassung in Dresden-Strehlen, Ignatiushaus, Gustav-Adolf-Straße 10; Kathedralforum in der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, Haus der Kathedrale, Schloßstr. 24, Tel. 0351/4844-742, Internet: www.ka-dd.de

Gründer: Mitbegründer und Gestalter Ignatius von Loyola (1491-1556)

Geschichte: Societas Jesu (SJ) 1540 von Papst Paul III. genehmigt; im 18. Jh. Verbote in Portugal, Frankreich, Spanien; 1773 löst Papst Orden formell auf (unbeachtet in Preußen und Russland), nimmt es 1814 wieder zurück; in Deutschland im Zuge des "Kulturkampfes" 1872 Verbot durch Jesuitengesetz, aufgehoben 1917

Sachsen: Beichtvater von Friedrich August I. ("der Starke" 1770-1733) war Jesuitenpater Karl Moritz Vota (1629-1715); beteiligt an Konversion Friedrich Augusts II. (Sohn Augusts des Starken); Jesuitenpater Ignaz Guarini (1676-1748) gestaltete ikonographisches Programm der Katholischen Hofkirche mit, Seitenkapellen den Ordensgründern Ignatius von Loyola und Franz Xaver geweiht, ihre Figuren von Lorenzo Matielli auf der Kirche; Lateinschule der Jesuiten Vorläufer des 1928 gegründeten St.-Benno-Gymnasiums Dresden

Mitglieder: rund 17 900, 1800 Niederlassungen in 130 Ländern; in Deutschland rund 390 Mitglieder

Literatur: Stefan Kiechle: Die Jesuiten. Wissen, was stimmt. Herder spektrum. 128 Seiten, 8,95 Euro; Peter C. Hartmann: Die Jesuiten. beck'sche Reihe, C.H. Beck Verlag, 8,95 Euro

Internet: www.jesuiten.org gä

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2012

Tomas Gärtner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr