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Jedem Intervall sein Stück - Der Dresdner Florian Mayer präsentiert seine Solo-CD

Jedem Intervall sein Stück - Der Dresdner Florian Mayer präsentiert seine Solo-CD

Man vergisst sehr schnell Zeit und Raum um sich, wenn man sich auf diese Klänge einlässt. Dabei spielt beides keine ganz unwichtige Rolle für Florian Mayers "Elf Präludien für Violine solo".

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Quelle: Cover

Zeit muss man sich nehmen für diese Musik, ihr nachspüren, die eingeschriebenen Momente der Stille zulassen. Und mit dem Raum spielen die Stücke, sein Nachhall ist wichtiges Element der entstehenden Klänge.

Ein ganz bestimmter Ort war es darum, ohne den die Entstehung der Präludien in dieser Form vielleicht gar nicht denkbar gewesen wäre. Florian Mayer fand ihn - zufällig - in der sogenannten "Winterkirche" der Stadtkirche St. Petri in Freiberg: der ehemalige Chorraum, durch eine Glaswand vom Hauptschiff abgetrennt, sparsamst ausgestattet, viel Leere zwischen 15 Meter hohen Mauern. Hier schrieb der Dresdner Geiger im Sommer vergangenen Jahres große Teile dieser manchmal sphärisch wirkenden Musik nieder, die freilich sehr irdische Wurzeln hat: Die Intervalle und ihr akkordisches Spiel auf der Violine.

Die Doppelgrifftechnik ist einer der Gradmesser geigerischen Könnens, das genaue Zuhören eine spannende Erfahrung für den Hörer. Den belgischen Komponisten und Geiger Eugène Ysaÿe reizte dies - er fand Anfang des vergangenen Jahrhunderts in der Idee, zu den gebräuchlichsten Tonintervallen Musikstücke zu erfinden, die mit diesem und seiner Wirkung spielen, eine Spielwiese für das Ausloten von Grenzen solistischen Geigenspiels. Seine Skizzen wurden später, soweit möglich, rekonstruiert und erschienen 1952 postum als "Dix Préludes" bei Schott.

In ihnen fand Florian Mayer den Anreiz, Eigenes zum Thema zu schaffen. Seine "Elf Präludien" will der Musiker nicht als Fortsetzung oder Ergänzung der Arbeiten Ysaÿes verstanden wissen, gleich gar nicht mit dem Altmeister verglichen werden. "Ich sehe sie vielmehr als Neudeutung und Antwort einer ganz anderen Zeitepoche", schreibt Mayer im Booklet zur CD. Durchaus seien sie "eine Verneigung vor dem Traditionsbewusstsein und Erneuerungswillen des berühmten Violinvirtuosen". "Wichtig war für mich, mit den Intervallen musikalisch zu arbeiten, unterschiedliche Charaktere herauszustellen und mit den Besonderheiten eines speziellen Raumes zu spielen."

Entstanden ist - ergänzt um ein schon 2007 entstandenes, als Epilog angefügtes Stück - eine halbe Stunde sehr konzentrierter Musik, für die Mayer teilweise auch mit geigenfremden (aber selbst produzierten!) Klängen arbeitet. Den unterschiedlichen Charakteren von Prime bis Dezime nachzuspüren, erfordert durchaus auch vom Hörer ein Stück Arbeit - unter dem zyklischen Gedanken gesehen, klingen die Miniaturen durchaus erst einmal ähnlich. Die Unterschiede liegen in den Feinheiten, darin, wie sich die auf der Violine intonierten Intervalle anfühlen, sich färben, schillern oder selbstbewusst stehen, schmeicheln oder schmerzen, sich mit dem eigenen Echo zu verbinden wissen.

iAm Freitag wird Florian Mayer seine CD am Ort ihres Entstehens, der Freiberger Petrikirche, präsentieren. Konzertbeginn ist 19.30 Uhr.

i Die CD "Elf Präludien für Violine solo" ist erschienen bei Talanton (TAL 90014).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.04.2014

Sybille Graf

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