Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
„Jeanne d’Arc au bûcher“ wird halbszenisch im Dresdner Albertinum aufgeführt

Philharmonie-Konzert „Jeanne d’Arc au bûcher“ wird halbszenisch im Dresdner Albertinum aufgeführt

„Jeanne d’Arc au bûcher“ von Arthur Honegger wird in einer halbszenischen Aufführung im Albertinum aufgeführt. Mitwirkende sind die Dresdner Philharmonie, der Philharmonische Kinderchor Dresden, der Rundfunkchor Berlin und namhafte Solisten. Die Kostüme stammen von Studenten der Kunsthochschule.

Tom Quaas auf einer Probe im Albertinum.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Jeanne d’Arc ist eine tragische Figur. Sie ging in die Zeitgeschichte ein, unter anderem auch als Jungfrau von Orléans, weil sie „Stimmen“ gehört hat und sich deswegen für Kirche und König hingegeben hat. Eine Verrückte?

Sie hat der Stadt Rouen, wo sie im Mai 1431 auf dem Marktplatz verbrannt worden ist, mit ihrem kriegerisch-gläubigen Wahn zu einem einträglichen Tourismusgeschäft verholfen und gilt in Frankreich als Nationalheldin. Kein Wunder, dass Dichter von Friedrich Schiller bis Bertolt Brecht, Autoren von Voltaire bis hin zu Felicitas Hoppe sich immer wieder mit dieser Gotteskämpferin befasst haben. Mehrfach wurde der Stoff verfilmt, auch in der Musik hat ihr Leben für Spuren gesorgt: Giuseppe Verdi schrieb die Oper „Giovanna d’Arco“, Gioachino Rossini eine gleichnamige Kantate, selbst Kate Bush und Leonard Cohen ließen sich von der armseligen Jungfrau zu Songs inspirieren. Im Sommer gibt es „Jeanne d’Arc“ in Niedernhausen gar als Musical. Momentan arbeitet sich die Dresdner Philharmonie an ihr ab, am Wochenende hören wir das Ergebnis.

Unter dem Eindruck der Besetzung Frankreichs durch Nazireich Deutschland komponierte Arthur Honegger 1938 sein Oratorium „Jeanne d’Arc au bûcher“ (Johanna auf dem Scheiterhaufen) – zeitgleich befasste sich übrigens auch der von den Nazis verbotene Komponist Werner Braunfels mit diesem Thema. Honegger, in Frankreich geborener Schweizer, schuf dieses gigantisch besetzte Opus auf einer Textgrundlage von Paul Claudel, den Überlieferungen zufolge eine „Vision“ in die Lage versetzte, sich diesem Mythos zu widmen. Das Resultat ist ein knapp eineinhalbstündiges Großwerk, tapfer besetzt mit immensem Orchesterapparat, zwei Klavieren und einer Ondes Martenot, um auch den schreienden Höllenhund klanglich darzustellen. Die Vielzahl der Gesangs- und Sprecherpartien verlangen geradezu danach, das dramatische Oratorium – das auch pur konzertant für sich stehen könnte – in eine szenische Fassung zu stülpen.

„Je heiliger, desto kostümierter.“

Die Dresdner Philharmonie, deren Erster Gastdirigent Bertrand de Billy Honeggers „Jeanne“ musikalisch leiten wird, verpflichtete hierzu den aus der Schweiz stammenden Regisseur Reto Nickler, der bereits zum Auftakt der Fußball-EM 2008 mit dem französischen Dirigenten zusammengearbeitet hat. Er war es auch, der zwecks Visualisierung der Szene die Hochschule für Bildende Künste Dresden mit ins Boot holte. Dort leitet Gabriele Jaenecke, mit der Nickler schon einige Opern realisiert hatte, den Fachbereich Theaterausstattung. „Da hab’ ich doch einen meiner besten Studenten“, erläutert sie im DNN-Gespräch, warum die Wahl auf den Kostümgestalter Moritz Haakh gefallen ist. Der wird mit der Ausstattung des halbszenischen Oratoriums seine Diplomarbeit öffentlich vorstellen.

Auf dieses Angebot hin habe er erst einmal eine Nacht schlafen müssen, blickt er zurück. „Aber dann war klar, die Chance einer solchen Aufmerksamkeit lasse ich mir nicht entgehen!“ Ein knappes Dutzend Kostüme hat Moritz Haakh entworfen und mit den Protagonisten ausprobiert. Da die Philharmonie kein Theaterbetrieb ist, musste auf diverse Studiengänge der HfBK zurückgegriffen werden, die sich um Zuschnitt, Schminke und Maske zu kümmern haben. Dass ein Student mit Größen wie dem Bariton Franz Grundheber – er übernahm kurzfristig die Partie des Frère Dominique für den erkrankten Thomas Quasthoff – und der Schauspielerin Johanna Wokalek zusammenarbeiten kann, ist durchaus nicht alltäglich. Er habe die Rollen dramaturgisch gekleidet: „Je heiliger, desto kostümierter.“ Was meint, dass etwa der Philharmonische Kinderchor und der gastierende Rundfunkchor Berlin keine Extra-Gewänder bekommen.

Philharmonie-Intendantin Frauke Roth zeigt sich stolz über all diese neuen Verflechtungen, auch wenn die direkte Zusammenarbeit mit der Hochschule erst durch Reto Nickler angeregt worden ist. „Wir hatten das Staatsschauspiel im Auge, das aber durch eigene Produktionen ziemlich gebunden ist“, erklärt sie und hofft darauf, dieses Miteinander als Auftakt einer langfristigen Verbindung sehen zu dürfen. „Ich hoffe, die Idee von szenisch eingerichteten Werken fortsetzen zu können.“ Vom Prinzip „Mehr hören durch Sehen“ sei sie absolut überzeugt. Das müsse auch im künftigen Konzertsaal fortgesetzt werden. Jetzt im Albertinum, wo es laut Roth „eine extreme Unterstützung durch die Staatlichen Kunstsammlungen“ gebe, seien alle Beteiligten sehr gefordert. Schließlich sei das Haus als Museum ein Hochsicherheitstrakt.

Immerhin vier Exponate zur Jungfrau von Orleans besitzen die Kunstsammlungen selbst. Mit Arthur Honeggers „Jeanne d’Arc au bûcher“ kommt nun – zumindest temporär – ein weiteres Kunstwerk hinzu.

Arthur Honegger „Jeanne d’Arc au bûcher“: 6./7.2., 19.30 Uhr, Albertinum

www.dresdnerphilharmonie.de

Von Michael Ernst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr