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Jazzclub Tonne: Back to the Roots im Kurländer Palais

Jazzclub Tonne: Back to the Roots im Kurländer Palais

Die musikalischen Wurzeln im Jazz werden Roots genannt. An genau die kehrt jetzt der Jazzclub Tonne zurück und wird wieder an jener Stelle heimisch, wo er vor knapp 35 Jahren sein Dasein begann.

Dresden.

In den Kellerräumen des im Weltkrieg zerstörten Kurländer Palais wurden zwischen 1979 und 1981 zahllose Aufbaustunden geleistet, um die erhalten gebliebenen Gewölbe wieder freizulegen und spielfähig zu machen. Unter der denkmalgeschützten Ruine begann eine beispiellose Jazz-Geschichte, die abrupt endete, als 1997 das Bleiberecht des Tonne-Vereins beendet wurde.

Über eine Zwischenstation im Waldschlösschenareal zogen die Veranstalter 2001 in den inzwischen ebenfalls legendären Tonne-Keller unter dem Kulturrathaus - um dort Anfang Sommer 2015 in ähnlich plötzlicher Weise vor dem Nichts zu stehen. Nachdem es wiederholt Wasserschäden wegen der undichten Bausubstanz gab, wurden die Räume dem Jazzclub Tonne e.V. vom städtischen Liegenschaftsamt gekündigt (DNN berichteten). Lieber wurde der Keller dichtgemacht, als dass man die Mauern abgedichtet hätte.

Zwar gab es Hilfsangebote anderer Konzertstätten, berichtete Geschäftsführer Steffen Wilde bei der gestrigen Bekanntgabe der jazzigen Zukunft, praktikabel waren aber nur wenige. Dass es just diese einst angestammten Räume am Tzschirnerplatz sind, hat den Verein komplett überrascht. Entsprechend beglückt wurde gestern verkündet, dass am Montag ein langfristiger Mietvertrag mit der Vermietergemeinschaft Kurländer Palais unterzeichnet werden konnte, dem die Vereinsversammlung des Tonne e.V. einstimmig zugestimmt hatte. Damit werden die wiederholt prämierten Veranstalter um ihren Künstlerischen Leiter Steffen Wilde künftig in ganz anderen Dimensionen denken und arbeiten können. Schließlich fasst die neue Räumlichkeit etwa dreimal so viel Publikum wie der bisher auf rund 100 Personen beschränkte Keller. "Wir wollten uns ohnehin vergrößern," erläutert Wilde im Hinblick auf den ursprünglich geplanten Umzug ins sogenannte Kulturkraftwerk. "Dass wir uns nun schon jetzt und ausgerechnet hier vergrößern können, ist eine optimale Lösung, von der wir nicht geträumt hätten."

Die für September geplanten Konzerte müssen aber dennoch ausfallen, da im Kellergewölbe unterm Kurländer Palais noch eine Menge zu tun ist. Bühne, Licht- und Tontechnik müssen eingebaut werden, für die Gastronomie ist noch zu sorgen. Um all das kümmert sich der Verein, der nach dem letzten Wassereinbruch zudem auf der Suche nach einem neuen Flügel ist. Die Jazz-Leute, denen voraussichtlich noch heftige Entschädigungsdebatten mit der Stadt Dresden bevorstehen, hoffen auf Unterstützung von Sponsoren und Helfern. Sollte also jemand nicht wissen, wohin mit seinem Flügel - hier dürfte er freudige Abnehmer finden.

Voller Freude war gestern auch Jazz-Schlagzeuger Günter Baby Sommer. Just an seinem 72. Geburtstag konnte er, Ehrenmitglied des Tonne-Vereins, die neuen alten Gewölbe mit einem Solo einweihen. "Hier habe ich so viele Erinnerungen an tolle Konzerte, das ist fantastisch, dass der Jazzclub nun wieder hier ist!" Sommer wird auf internationalen Gastspielen immer wieder zur Tonne-Geschichte angesprochen: "Neben Semperoper, Zwinger und Meißner Porzellan ist die eben auch ein Aushängeschild dieser Stadt!"

Mehr Platz fürs Publikum und eine teils neue Ausrichtung des Konzertangebots sorgen allerdings auch für gestaffelte Eintrittspreise, verrät der Geschäftsführer. Über die konkrete Gestaltung werde derzeit beraten, denn: "Wir wollen unser bisheriges Publikum natürlich behalten und möglichst viel neues Publikum hinzugewinnen!"

Abweisen müsse man nun aber wohl nicht mehr so viele Besucher, wie es in der Vergangenheit mitunter der Fall gewesen ist. Insbesondere bei den legendären Neujahrskonzerten des Zentralquartetts konnten viele Interessenten oft keinen Platz finden. Aber diese Konzerte sind ja ohnehin Geschichte. Bis gestern! Denn inmitten der Gratulantenschar erhielt Baby Sommer auch Anrufe seiner Quartettkollegen. "Da habe ich natürlich sofort gefragt, wenn wir schon diese schöne Tonne wiederhaben, ob wir da nicht nochmal ein Neujahrskonzert geben wollen. Alle haben sofort zugestimmt!"

Folglich kann für den 1. Januar ein dickes Kreuz in Dresdens Jazz-Kalender eingetragen werden: Das Zentralquartett wird tatsächlich wieder im Jazzclub Tonne unterm Kurländer Palais auftreten. Der Spielbetrieb beginnt allerdings schon Mitte Oktober, möglichst viele der ausfallenden Termine sollen nachgeholt werden. Back to the Roots!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.08.2015

Michael Ernst

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