Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Jaromir Vejvoda schrieb mit "Rosamunde" die Königin der Polkas - Er starb vor 25 Jahren

Jaromir Vejvoda schrieb mit "Rosamunde" die Königin der Polkas - Er starb vor 25 Jahren

"Rosamunde" ist die Königin der Polka. Geschrieben hatte das Stück Jaromir Vejvoda in einem kleinen Wirtshaus in Zbraslav, das seit 1974 ein Stadtteil von Prag ist.

Voriger Artikel
Frank Fröhlich spielt bei den Dresdner Jazztagen und stellt sein neues Album vor
Nächster Artikel
Dixiebahnhof in Dresden-Weixdorf feiert 10. Geburtstag

Gedenkplatte für den Komponisten an der Kneipe "Skoda Lasky" in Zbraslav/Prag.

Quelle: Mario Wildner

Dem Komponisten, der heute vor 25 Jahren starb, hat es aber nicht viel eingebracht. Wenigstens ehrt man ihn heute in der Kneipe "Na Ruzku", die inzwischen "Skoda Lasky" heißt, so wie der Jahrhundert-Evergreen in tschechischer Originalsprache. Ein Raum des Hostinec ist mit Dokumenten zu Vejvoda dekoriert. Die Notierung der ersten vier Takte der bekanntesten Polka auf einer Grabplatte weisen auf die letzte Ruhestätte des 1988 verstorbenen Musikers auf dem Zbraslaver Friedhof hin.

Die Vorfahren Jaromir Vejvodas waren seit dem 18. Jahrhundert Musiker, meist in Nebenbeschäftigung. Er selbst spielte bereits als Fünfzehnjähriger in der Kapelle seines Vaters Josef Trompete und Geige. Nach Rückkehr vom Armeedienst übernahm Jaromir Vejvoda 1925 das Orchester. Geprobt wurde in der Kneipe "Na Ruzku" die der Familie gehörte. Im väterlichen Wirtshaus fiel Vejvoda am Klavier 1927 auch die Grundmelodie seines späteren Welthits ein. Erst zwei Jahre darauf vervollständigte der Komponist das Stück mit dem typischen Bass-Solo und nannte es "Modranska Polka" nach dem benachbarten Ort Modrany. Unter diesem Namen wurde das Stück 1934 beim Verlag Jan Hoffmann Wwe. registriert. Vejvoda erhielt einmalig 150 Kronen für den späteren Evergreen.

Die Verlegerin organisierte schnell, dass Vaclav Zeman den Text "Skoda Lasky" zur vorliegenden Instrumental-Polka schrieb. Noch im gleichen Jahr verfasste Klaus Richter den deutschen Text "Rosamunde", inhaltlich ein Gegensatz zum Originaltext, der eine verlorene Liebe beschreibt. Wurden in den 1930er Jahren mehr als eine Million deutsche Aufnahmen des Stückes, u.a. von Will Glahé, verkauft, so konnte dieser Erfolg nach Übernahme der Rechte 1939 durch den New Yorker Verlag Shapiro Bernstein in Amerika bei weitem übertroffen werden. Die Andrews Sisters und Glenn Miller gehörten zu den Interpreten, die sich das Stück zu eigen machten.

Zum Erfolg trugen zwei Dinge bei: Die Synkopierung der Komposition machte sie für Swinginterpretationen ideal, und der englische Text als "Beer Barrel (Bierfass) Polka" machte das Stück zum Gute-Laune-Hit. Für die Titelmelodie des amerikanischen Filmes "Here Comes The Navy" wurde bei Kriegseintritt der US-Army in den Zweiten Weltkrieg eine weitere englische Textversion geschrieben. Dieses Lied zog mit den amerikanischen Soldaten während des Kampfes zur Befreiung vom Faschismus an alle Kriegsschauplätze. Erstaunt waren die Soldaten eines amerikanischen Bataillons bei der Befreiung Pilsens, als sie erlebten, dass die tschechische Bevölkerung "Here Comes The Navy", am Straßenrand die Befreier begrüßend, in der Landessprache mitsang. Die Soldaten hatten die Melodie für amerikanisches Liedgut gehalten. Durch den deutschen Eroberungswahn war das Stück auch in vielen Ländern Europas bekannt geworden. Es gibt ca. zwanzig internationale Text-Versionen der Polka.

Die Popularität seines Werkes fiel Vejvoda dann nach Kriegsende auf die Füße. Nachdem ab 1948 auch in der CSR der Stalinismus Einzug hielt, durfte "Skoda Lasky" für Jahre in Vejvodas Heimat nicht mehr gespielt werden. Der berühmte Musiker musste seine Kapelle aufgeben und eine Arbeit in einem Ersatzteillager der CKD in Modrany aufnehmen. Das der Familie Vejvoda gehörende Haus wurde konfisziert und die Familie ausquartiert. Laut Aussagen von Familienmitgliedern gab es in den frühen 1950er Jahren sogar Aktivitäten, Jaromir Vejvoda in ein Arbeitslager zu bringen. Nur die von einem befreundeten Arzt gestellte Schein-Diagnose Tuberkulose rettete Vejvoda.

Für das künstlerische Werk Vejvodas bedeutete es zudem einen herben Rückschlag, dass Vaclav Zeman, der neben "Skoda Lasky" für weitere 34 Vejvoda-Kompositionen die Texte geschrieben hatte, von einem Kanada-Besuch nicht zurückkehrte. All diese Lieder durften bis zur politischen Wende 1989 in den Zeman-Versionen nicht mehr gespielt werden. Die Situation für Jaromir Vejvoda lockerte sich dann in der Chrustschow-Ära etwas. Ein Schüler des Komponisten hatte in Zbraslav wieder eine Kapelle gegründet. Da Vejvoda kein Mitglied der Staatspartei KPC war, durfte er dem Wunsch der Mitglieder nach Übernahme der Kapelle als künstlerischer Leiter nicht nachkommen. Für die "Zbraslavanka" schrieb er aber weitere Stücke, die diese Kapelle mit halbprofessionellem Status auf Tourneen auch im Ausland mit Erfolg spielte. Neuer Texter der Vejvoda-Kompositionen war für viele Jahre Ladislav Jacura.

Die Samtrevolution mit ihren auch künstlerischen Möglichkeiten hat Jaromir Vejvoda nicht mehr erlebt. Zur Beisetzung hat man sein Stück "Posledni Taborak (letztes Lagerfeuer)" gespielt.

Das musikalische Erbe führt auch Sohn Josef mit seinem Orchester fort. Er erinnert sich an seinen Vater als liebevollen, aber sehr disziplinierten Mann. Auch zu Hause trug Jaromir Vejvoda stets ein frisches Hemd mit Krawatte. "Es könnte ja vielleicht Besuch kommen", war seine Erklärung dazu. Auch nachdem er als Sohn eines Gaststättenbetreibers durch Eheschließung 1935 mit seiner Frau Bozena in eine weitere Wirtsfamilie eingeheiratet hatte, blieb er Antialkoholiker. Waren Musiker seiner Kapelle betrunken, wurden sie sofort ausbezahlt und suspendiert. Pünktlichkeit sowie Präzision, auch bei den Proben, waren erstes Gebot. "Mit seiner Höflichkeit hat er nicht in die Zeit gepasst", erinnert sich Jaromir Vejvoda jr. "Mein Vater war kein Geschäftsmann und wollte oft keine Honorare entgegen nehmen. Den Veranstaltern hat er mitunter gesagt, dass er froh ist, eingeladen geworden zu sein, und dass er damit kein Geschäft machen will."

Mehr als achtzig Lieder hat Jaromir Vejvoda geschrieben. Zu seinen Erfolgen gehören "Ja Rada Tancuju", "Zelene Haje", "Jednou, Dvakrat", "Ach Boze Lasko", aber vor allem "Skoda Lasky". 1987 erschien in den USA zum 60. Geburtstag der Komposition eine Sonderbriefmarke, die Astronauten der Raumfähre Discovery ließen sich 1995 von der "Beer Barrel Polka" wecken, und 2002 dirigierte Josef Vejvoda den Evergreen in der ausverkauften New Yorker Carnegie Hall.

Dabei war der spätere Welthit nicht mal der Favorit des Komponisten. Jaromir Vejvoda liebte die musikalische Substanz von "Zelene Haje" mehr. "Warum wollen die Leute immer wieder ,Skoda Lasky' hören, wenn viele andere Lieder existieren und vielleicht noch schönere. Das berühmteste ist nicht immer das beste Stück", sagte Vejvoda einem Musiker seiner Kapelle nach einem Zugabenwunsch einmal.

Das frühe Werk war ohnehin nur entstanden, weil Vejvoda neues Repertoire für seine Kapelle benötigte, mit der er in den 1920er Jahren viele Auftritte hatte - als Komponist sah er sich damals nicht. Die "Rosamunde" hat ihren Vater Jaromir Vejvoda jedoch unsterblich gemacht.

Mario Wildner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2013

Mario Wildner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr