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Jan Josef Liefers war mit Band und seiner Frau Anna Loos in Dresdens Garde

Der heulende Wolf Jan Josef Liefers war mit Band und seiner Frau Anna Loos in Dresdens Garde

Die Show beginnt im Wald. Sechs Musiker stehen mit Tiermasken überm Kopf auf der Bühne der Jungen Garde. Aus der Mitte wächst ein Plastikbaum. Jan Josef Liefers trägt eine graue Wolfsmaske und singt die schöne Zeile „So ein Tier aus den Wäldern, wild und zerzaust, heult auch noch in mir und findet nicht raus.“

Jan Josef Liefers und Anna Loos

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die Show beginnt im Wald. Sechs Musiker stehen mit Tiermasken überm Kopf auf der Bühne der Jungen Garde. Aus der Mitte wächst ein Plastikbaum. Jan Josef Liefers trägt eine graue Wolfsmaske und singt die schöne Zeile „So ein Tier aus den Wäldern, wild und zerzaust, heult auch noch in mir und findet nicht raus.“ Es wird dann allerdings nicht besonders wild, das Konzert seiner Band Radio Doria (früher mal JJL & Oblivion). Sein innerer Wolf scheint mehr auf Verständigung zu setzen.

Die aktuelle Platte zehrt von Liefers‘ nächtlichem Kopfradio. Inhaltlich dreht sie sich also um das, was den Schauspieler und Sänger daran hindert einzuschlafen. „Radio Doria – Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ (2014, Polydor, Universal) heißt das Album dann auch. Einen großen Ausschlag hätte es, viel Abwechslung sei darauf zu hören, sagt Liefers darüber. Nun ja, man könnte auch dagegen halten und sagen, ohne den 4/4-Takt funktioniert hier fast kein Song. Deutsch-Pop, das beliebig machende Wort lässt sich leider nicht vermeiden, bei dem gemütlichen Geschaukel auf der Platte, das dann eben auch da vorn auf der Bühne vor sich hinschaukelt, auch wenn hin und wieder tatsächlich etwas von der erwähnten Abwechslung geboten wird. Hier zu erwähnen ein schöner, beinahe karibisch motivierter Instrumentalteil in der Mitte, das obligatorisch rockige Gitarrensolo von Johann Weiß oder das Banjo-Spiel von Liefers.

Die Show beginnt im Wald

Die Show beginnt im Wald. Sechs Musiker stehen mit Tiermasken überm Kopf auf der Bühne der Jungen Garde. Aus der Mitte wächst ein Plastikbaum. Jan Josef Liefers trägt eine graue Wolfsmaske und singt die schöne Zeile „So ein Tier aus den Wäldern, wild und zerzaust, heult auch noch in mir und findet nicht raus.“

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden, das ist die Stadt von Jan Josef Liefers. Ein „guter Hafen“ für den fast 52-Jährigen, der hier noch eine Ausbildung zum Tischler absolvierte, bevor er 1983 an die Schauspielschule nach Berlin ging. Solche Heimatgefühle lassen sich gut ausspielen vor rund 2000 Dresdner Fans, von denen viele in Funktionskleidung in die Garde kommen, um ihm auch bei schlechtem Wetter vom guten Leben singen zu hören. Es wird dann aber ein ganz schöner Abend, mit grau-rosafarbenen Wölkchen über der Bühne. Fraglos ist er ein charmanter Entertainer, der Herr Liefers, einer, der ganz nah an sein Publikum ran geht. Er tanzt mit ihnen und witzelt, dass er gelegentlich auch mal Filme drehe, er widmet seiner anwesenden Mutter einen Song übers Aufheben von Erinnerungen und bringt gelegentlich Sprüche wie diesen hier: „Als ich noch jung war, war das Tote Meer noch lebendig.“ Höhöhö. Es wird viel gelacht in dieser schlaflosen Nacht.

Im Gegensatz dazu thematisiert er politische Ereignisse vergleichsweise schonungslos. Er fragt sich sehr plastisch, was dem Attentäter in Nizza wohl kurz zuvor durch den Kopf gegangen sein muss, und erzählt von einer jungen Israelin, die beim Hochzeitsshopping von einem Palästinenser in die Luft gesprengt wird. Totenstille im Publikum. Er predigt auf seine ostdeutsch atheistische Weise, formuliert immer wieder Hoffnung – auch die meisten seiner Lieder handeln davon – und wünscht sich für alle Menschen einen Platz auf der Welt. Vielleicht muss man so etwas sagen, wenn man ständig vor vielen Leuten auftritt und leicht das Gefühl bekommt, man wäre ein Sprachrohr für die gute Sache. Etwas Hoffnung zum Mitnehmen in den Alltag, kann ja so falsch auch nicht sein.

In der Konzertmitte gesellt sich zur Hoffnung auch noch die Liebe. Ehefrau Anna Loos tobt für ein paar Werbesongs der neuen Silly-Platte „Wutfänger“ über die Radio-Doria-Bühne. Auch sie weiß mit ihren 46 Jahren schon viel vom Leben zu erzählen und formuliert das so konkret wie ein Horoskop in einer Publikumszeitschrift. „Wo fang ich an? Wo hör ich auf? Wo ist mein Mut, wenn ich ihn brauch?“ Ihr „Janni“ schaut sich das Treiben aus der ersten Reihe an, und sein innerer Wolf heult auch danach tapfer weiter gegen die Realität aus dem Fernseher an. „Komm reiß mich los, diese Nacht ist groß. Eine gute Nachricht.“

Von Juliane Hanka

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