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Jahresausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege über italienische und französische Architekten am Dresdner Hof

Jahresausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege über italienische und französische Architekten am Dresdner Hof

"Das aus der richtigen Erkenntnis einer fehlenden Notwendigkeit erschaffene Überflüssige nennt man moderne Architektur", spottete einmal der Satiriker Karl Kraus.

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Gaetano Chiaveri, Fassadenentwurf für den Neubau der königlichen Residenz in Dresden, mit Alternativvorschlägen für die Gebäudesilhouette, 1736/37. LfD Sachsen.

Selbstbild und Ego der Architektenzunft tat diese und andere despektierliche Äußerungen aber keinen Abbruch, die Baugeschichte ist reich an Zitaten, die bezeugen, dass Bauende sich mit Gott auf Augenhöhe wähnen - bis hin zur Behauptung von Bruno Taut, der sich die Wiederkehr des Messias nur in Form eines Baumeisters vorstellen konnte.

Nun ist auch Dresden nicht unerheblich - im Guten wie im Schlechten - ein Werk von Architekten. Und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren es neben einheimischen vor allem italienische und französische Architekten, die das Bild der Stadt entscheidend prägten. Daran erinnert nun die (Jahres-)Ausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege, die bis zum 22. Februar 2013 im Ständehaus am Schlossplatz zu sehen ist. Die Schau vermittelt mit repräsentativen Zeichnungen aus der hauseigenen wissenschaftlichen Plansammlung des Landesamtes einen Eindruck dieser andernorts kaum erreichten architektonischen und künstlerischen Meisterschaft des augusteischen Zeitalters - einige Blätter sind sogar zum ersten Mal zu sehen.

Eine Entdeckung sind auch Detailaufnahmen vom Deckengemälde, das der für seine Verdienste von August dem Starken geadelte Oberhofmaler Louis de Silvestre 1719 im Paradezimmer im 2. Obergeschoss im Residenzschloss schuf. Es stellt - allegorisch für August den Starken - Herkules dar, wie er gerade die Laster zu Boden stößt und damit gleichzeitig die Tugenden beschützt, als da wären in diesem Fall Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Stärke. Die Herkules-Mythologie war aufs Engste mit der im Barock üblichen Gleichsetzung der menschenfreundlichen Taten des Helden mit dem segensreichen, machtvollen Wirken des herrschenden Fürsten verbunden

Die Fotos entstanden 1943 im Rahmen des "Führerauftrags Monumen- talbau". In den Jahren 1943 bis 1945 ließ das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda auf Geheiß Hitlers eine Fotokampagne durchführen, die gefährdete historisch und künstlerisch wertvolle Malereien, Raumausstattungen und Gebäude dokumentierte.

Während August der Starke mit Vorliebe französische Künstler wie z. B. Louis de Silvestre nach Dresden zog, bekannte sich sein Sohn August III. vor allem zur italienischen Kunst. So berief August der Starke Zacharias Longuelune 1722 als kursächsischen Oberlandbaumeister und 1728 den aus Frankreich geflohenen Hugenotten Jean de Bodt 1(670-1745) als Generalleutnant und Chef des Ingenieurkorps. Gleichzeitig wurde de Bodt, der 1699 die Bauleitung über das Berliner Zeughaus Unter den Linden erhalten hatte und ein Jahr später zum Direktor der Schlösser und Gärten von Potsdam ernannt worden war, die Direktion der Festungs- und Militärgebäude sowie des Zivilbauwesens übertragen. Damit war er Leiter des gesamten sächsischen Bauwesens und unmittelbarer Vorgesetzter Matthäus Daniel Pöppelmanns. 1741 wurde er zum General der Infanterie ernannt. Allerdings waren diese Dienstgrade kaum mit militärischen Pflichten verbunden, sondern dienten lediglich zur "tariflichen Eingruppierung" seiner Besoldung als leitender Architekt des Staates. In Dresden leitete er u.a. den Umbau des Japanischen Palais. Auf Geheiß Augusts III. erarbeitete er 1737 den Plan zu einer "besonderen Fachanstalt" für Ingenieuroffiziere. Im Dezember 1743 nahm diese den Lehrbetrieb als "Ingenieurakademie zu Dresden" mit zunächst zwei ständigen Lehrern auf.

Zacharias Longuelunes Aufgabenbereich im Oberbauamt umfasste vor allem den Entwurf. Dabei stand offensichtlich die planerische Ausarbeitung der Ideen Augusts des Starken im Mittelpunkt der Arbeit. "Die Zeichnungen Longuelunes haben einen unverwechselbaren Duktus und hohen ästhetischen Reiz", heißt es auf einer Schautafel, deren Text wie alle anderen Informationen von Anita Niederlag, der Kuratorin der Ausstellung, verfasst wurden.

Zur Bauausführung von Projekten aus seiner Hand kam es "nur in wenigen Fällen". Trotzdem habe, wird versichert, der Architekt mit seinem "französisch geprägten, eleganten Stil die Entwicklung der sächsischen Baukunst nachhaltig beeinflusst". Vor allem Johann Christoph Knöffel verarbeitete erfolgreich die Formen Longuelunes in seinem Werk.

1737 brachte Gaetano Chiaveri Formen des römischen Spätbarocks nach Dresden. Sein Hauptwerk ist die Katholische Hofkirche, 1751 vom Apostolischen Nuntius in Polen, Erzbischof Albert von Archinto, der Heiligsten Dreifaltigkeit (Sanctissimae Trinitatis) geweiht. Sie erlebt als Verkörperung der "ecclesia triumphans" ihren Höhepunkt mit ihrer Ausrichtung auf den Brückenkopf der Augustusbrücke (das Original war tiefer als das heutige Bauwerk). "Städtebaulich war das eine geniale Lösung und verlieh Dresdens Silhouette nicht nur einen ihrer wichtigsten Akzente, sondern lieferte mit dem markanten Turm ein Pendant zur Kuppel der protestantischen Frauenkirche", ist zu lesen. Ein anderes Blatt aus dem Jahr 1734 zeigt die Ansicht eines Altars aus der Kirche San' Lorenzo in Rom, gedacht als Vorlage für einen Altar in der Hofkirche mit einer Verkündigung im Stil der Werkstatt von Anton Raphael Mengs.

Das Tüpfelchen aufs i setzte Lorenzo Mattielli, der von 1738 bis zu seinem Tod als Hofbildhauer in Dresden wirkte. Neben diversen anderen Auftragswerken schuf Mattielli zwischen 1740 und 1748 eigenhändig 66 über drei Meter Figuren für die Hofkirche, die übrigen zwölf vollendete sein Sohn Francesco bis 1752. Eine Ansammlung von Heiligen, wie sie es im mitteldeutschen Raum gut 200 Jahre lang zuletzt nicht mehr vorgekommen war, wie Joachim Menzhausen in seinem Vortrag "Stilwandel im augusteischen Barock" bei Ausstellungseröffnung konstatierte. Neben dem Hofbeichtvater Ignaz Guarini nahm Königin Maria Josepha - fundamentalkatholisch durch und durch - erheblichen Einfluss auf das theologische Programm, in dem die Evangelisten, die Kardinaltugenden, die Apostel und ausgewählte Heilige den gegenreformatorischen Eifer der Bauherrrin und ihres jesuitischen Beraters bezeugen. Das Gros der lutherischen Landeskinder dürfte innerlich geflucht haben.

Auch der namhafte Theaterarchitekt, Bühnenbildner und Bühnendekorateur Giuseppe Galli-Bibiena, 1748 als "erster theatralischer Architekt" am Hofe angestellt, bereicherte die Dresdner Kultur jener Zeit. Er baute das von Matthäus Daniel Pöppelmann und den Brüdern Alessandro und Girolamo Mauro entworfene Opernhaus am Zwinger um und stattete es auf das Prächtigste aus. Er entwarf Opernaustattungen, die von seinem Schüler Carl Friedrich Fechhelm sowie von Joseph Roos, dem späteren Professor für Tier- und Landschaftsmalerei an der Akademie, ausgeführt wurden. Nicht weiter eingegangen wird auf Giovanni Niccolo Servandoni, der von August III. 1754 für eine Operndekoration nach Dresden berufen worden war, womit die Opernausstattung erneut in die Hand eines italienischen Künstlers gelegt wurde.

Ausstellung bis 22. Februar im Ständehaus Dresden, Mo-Do 10-17.30 Uhr und Fr 10-16 Uhr, zu Silvester und Neujahr ist die Schau geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Mittwoch, 9. Januar 2013, 17 Uhr: Vortrag von Hartmut Ritschel vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen zum Thema "Italienisches und Französisches in der Barockskulptur Sachsens"

Mittwoch, 23. Januar, 17 Uhr: Arndt Kiesewetter spricht über Restaurierungsarbeiten am Neptunbrunnen in Dresden-Friedrichstadt

Mittwoch, 20. Februar, 17 Uhr: Angelica Dülberg referiert über "Italienische Künstler in Dresden im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2012

Christian Ruf

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