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Jahresausstellung der Hochschule für Bildende Künste Dresden auf hohem Niveau

Jahresausstellung der Hochschule für Bildende Künste Dresden auf hohem Niveau

Die Jahresausstellungen der Hochschule für Bildende Künste können für Betrachter in Stress ausarten - wenn man wirklich alles sehen und begreifen möchte, alles, was die Studenten vorzuweisen haben.

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Arbeiten von Studenten aus der Klasse Wilhelm Mundt.

Quelle: Marta dal Sasso

Die Kunsthochschule besitzt fünf Fakultäten, alle stellen sich gleichzeitig vor. So bleibt nur der Versuch, sich zu erinnern an das, was einem besonders auffiel, was vielleicht auch irritierte.

Die Güntzstraße bildet den Auftakt. Hier zeigen angehende Restauratoren, Bühnen- und Kostümbildner, Theaterausstatter und Kunsttherapeuten, womit sie sich derzeit beschäftigen. Dort aufgefallen ist besonders die Arbeit einer Meisterschülerin der Professorin Barbara Ehnes, Bühnen- und Kostümbild. Leonore Pilz' Videoinstallation zu Mozarts "Zauberflöte" beunruhigt. Man sieht die Gewalt nicht, nur die ewige Nacht. "Verlieret nicht, ein Mensch zu sein." Ein frommer Wunsch - die Nacht scheint kein Ende zu nehmen.

Eine andere Arbeit, nicht weniger spannend, aber in einem ganz anderen Kontext, berührt nicht minder. Die Schmuckdesignerin Katharina Bernstein, Studentin bei Prof. Doris Titze, entwickelte ein kunsttherapeutisches Projekt, das sie in der Tagesklinik der Universitätsklinik Dresden mit Borderline-Patienten realisieren konnte. Aus verschiedenen Drahtspulen, Perlen, getrockneten Naturmaterialien und bunten Lacken gestalteten ihre Patienten nestartige Objekte, die - mit vielen Assoziationen und Erinnerungen behaftet - sehr persönliche Themen widerspiegeln.

Bundesweit anerkannt

Der Dresdner Aufbaustudiengang KunstTherapie ist für seine ausgezeichnete Arbeit bundesweit bekannt. Diesmal schlägt sich das auch in einer Auszeichnung nieder. Den DAAD-Preis für ausländische Studenten erhält Daria Bogolyubova-Kuznetsova aus Moskau.

Josephine Bucher aus dem 3. Studienjahr Bühnen-Kostümbild stellt sich auf der Güntzstraße mit einem Bühnenbild zur Händel-Oper "Ariodante" und einer Videoinstallation in der Damentoilette der Altmarktgalerie vor. Beide Installationen sind sehr genau herausgearbeitet und aussagekräftig. Das trifft auch auf das Bühnenbild von Katharina Kreßler aus dem 4. Studienjahr zu. Sie hat eine einfache, aber nicht weniger überzeugende Übersetzung für den "Gletscher" in der Reaktorhalle München gefunden.

Manaf Halbouni, Student bei Prof. Eberhard Bosslet, schockiert in den Räumen auf der Pfotenhauer Straße mit seinem "Sniper" aus Beton, Holz, Video und Audio. Diese Mauer zieht einen geradezu an, man hört, man ahnt, man will es mit eigenen Augen sehen. Ein Blick durch den Schlitz zeigt ihn - den Heckenschützen. Halbouni stammt aus Syrien. Seine Arbeit erzählt von den jüngsten Unruhen dort. Sie ist schwer auszuhalten.

Ähnlich wie die Performance von Colin G. Auch er ein Student von Bosslet. Er läuft durch die Ausstellungsräume, schaut einem direkt in die Augen, doch nicht sein Blick irritiert, sondern seine Erscheinung. Er trägt eine Perücke. "525000 Dresdois, et moi, et moi, et moi" heißt diese Arbeit. Dafür hat er sich von einem Friseur Haare von Dresdner Frauen geben lassen und daraus - so gut es ging - mit Gaze, Latex, Pigmenten und Leim selbst eine Perücke hergestellt. Was er damit dem Betrachter mitgeben will, bleibt offen, aber: Er hat von sich ein eindringliches Bild geschaffen.

"Nicht stören"

In Erinnerung bleiben auch die schwarzen Zombies von Levi Wollfe aus der Klasse Prof. Carl-Emanuel Wolff. Seine Arbeit "zombified mass" liegt auf der Fensterbank. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man das Ausgangsmaterial - zerhämmerte, angekokelte Videokassetten. Nicht weniger interessant ist die Arbeit von Soyeon An. "Nicht stören" heißt sie und zeigt eine weiße, gefaltete Tür und diverse Türklinken an der Wand. Sie alle tragen Botschaften: "Obsession", "Heute bin ich nicht geboren" oder "Bitte stören". Mit jeder dieser weißen Klinken verbindet sich eine Option. Welche davon kann man einlösen, warum liegt die Tür dazu am Boden, wie soll ich sie denn öffnen, wenn nicht wie gewohnt?

Die Klasse von Prof. Martin Honert fällt mit einem Gesamteindruck auf. Hier scheint alles dem Thema Zwilling untergeordnet. Die Arbeiten stehen im unmittelbaren Austausch im Raum, sei es das Foto "Hans-Jürgen" von Caterina Micksch und gleich daneben das mehrschichtige "Waldmädchen" aus Pappe von Moe Matsuhashi. Anne Schäfer irritiert mit ihren Kaugummis aus Bronze, mit Kauskulpturen, wie sie ihre Arbeit nennt, und Benjamin Stölzel mit seiner Arbeit "drag and drop, plug and play, copy and Paste, ex und hopp" - das Fadengewirr liegt auf dem Fußboden wie selbstverständlich. Nur drauf treten sollte man nicht, es ist aus Wachs. Neben den zwei teppichgroßen schwarzen Flächen aus Wachs von Anne Seiler muss man unbedingt noch einmal eine Arbeit von Moe Matsuhashi hervorheben. Ihre übergroße "Vogelmutter" überragt alles im Raum. Kraftvoll steht diese Figur aus Styropor und Epoxidharz da. Die Arbeiten ihrer Mitstudenten präsentieren sich trotzdem gleichberechtigt. Das spricht dafür, dass hier auch die Kunst der Anordnung, der Hängung beherrscht wird.

Das Atelier der Fachklasse von Prof. Ralf Kerbach auf der Brühlschen Terrasse zeigt eine sehr lichte und dadurch angenehm konzentrierte Hängung. So bleiben Arbeiten im Gedächtnis, seien es die kleinen Zeichnungen von Denny Brückner oder Anne Grützner und natürlich ja, auch die Videoarbeit HfBK Defender von Bianca Rüterbories. Die Verteidigerin der Dresdner Kunstakademie reitet in voller Montur in den Wald, wild entschlossen und kampfbereit. Die Freiheit der Hochschule muss geschützt werden, die der Kunst erst recht.

Selbstbewusst - in einer gemeinsamen Ausstellung - präsentieren sich auch die Fachklassen der Professoren Christian Macketanz und Wolfram Scheffler. Dort fallen besonders zwei Studenten auf: Katharina Baumgärtner mit ihrer "Kriegerin", die einen roten Fisch im Arm hält, und Christian Thamm mit seinen Schriftarbeiten, in denen er schnörkellose Buchstaben, versehen mit einem sehr subtilen Farbauftrag in echte Botschaften verwandelt hat.

Künstlerische Vielseitigkeit

Wenn man einen Heiligenschein beschreiben müsste, dann sollte man sich vorher Marie Athenstaedts "Nebel" anschauen. Dieses Ölbild zeigt nur ein Rot, aber ein Aufsehen erregendes. Trotz aller Kraft, die darin liegt, hat es etwas Geheimnisvolles, etwas Fernes. Und das große Ölgemälde von Jonathan Kraus mit einer roten Sonnenbrille, einem rosa Kleid und grauen Ballerinas vermittelt Kälte, Unnahbarkeit, Aggression.

Auch im Atelier 139 überzeugen die Scheffler-Studenten: Benjamin Butter mit seinem übergroßen fratzenhaften Gesicht, mit schwarzer Wasserfarbe auf die Wand gemalt, und Claudia Bieberstein mit ihren zarten blauen, konstruktivistischen Objekten. Von schöner Farbigkeit sind auch die Zeichnungen von Claudia Schneider.

Benedikt Tammer und Clemens Tremmel sind Schüler von Prof. Hans-Peter Adamski. Es ist das letzte Mal, dass sich eine Klasse von ihm vorstellt. Adamski geht in den Ruhestand. Umso mehr kann es auch ihn freuen, dass seine Studenten reife, überzeugende Arbeiten vorweisen können. Tammer mit Papierarbeiten hinter Glas, sehr poetisch, sehr zart, und Tremmel mit seinem Diptychon "Nichts", Öl auf Holz. Der Preisträger des Caspar-David-Friedrich-Preises 2013 überzeugt hier mit der Beherrschung der Farbe. Auffällig auch die Arbeit von Marta dal Sasso, ihr zweigeteiltes "Sommergewitter" in Öl lässt nichts Gutes ahnen.

Wer will, kann sich davon erholen. Am besten im Atelier der Klasse Prof. Christian Sery. Dort stehen auf dem Tisch kleine, aber feine, nun ja, eher sehr auffällige Torten. Guten Appetit möchte man wünschen. Nur, es fehlt eine Kuchengabel und ein Tortenmesser. Für diese Gemeinschaftsarbeit der Sery-Klasse wurde ein Dresdner Bäcker beauftragt.

Zu guter Letzt muss man noch den Hof überqueren. In dem Atelier der Fachklasse von Prof. Monika Brandmeier warten auch lohnenswerte Arbeiten. Zu nennen ist Petr Machac mit seinem Video "Denkmal". Wie ernst man die Arbeiten von Boohri Park nehmen kann, das muss auch jeder für sich selbst entscheiden. "Gestern hat es viel geregnet" heißt eine und zeigt einen hängenden Regenschirm, mit einem Zweig an der Spitze. Eine andere Arbeit dieser Studentin besteht aus einem Holzbett, voll mit schwerer Erde gefüllt. "Sleeping" heißt diese Arbeit. Boohri Park hält es mit spielerischer Poesie.

Neue Sichtweisen

Dieser Rundgang durch die HfBK-Jahresausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Beim nochmaligen Besuch fallen bestimmt andere Künstler auf wie Karin Armbruster, Norman Pfitzner, Georg Lisek, Daniel Grams, Konrad Hanke, Johannes Flechtenmacher, Bikje von Soest und ... Die Arbeiten sind reflektierter, konzentrierter als sonst. Das künstlerische Niveau ist hoch, höher als in manch anderem Jahr. Allein für diese Feststellung hat sich der Rundgang gelohnt.

Jahresausstellung bis 21. Juli, Güntzstraße 34, Pfotenhauer Straße 81/83 und Brühlsche Terrasse. täglich 11-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2013

Adina Rieckmann

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