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Italienisch für Anfänger und Liebhaber: Blixa Bargeld und Teho Teardo in Dresdens Beatpol

Italienisch für Anfänger und Liebhaber: Blixa Bargeld und Teho Teardo in Dresdens Beatpol

Minimalistisch geht es zu bei den ersten Songs von Blixa Bargeld und Teho Teardo auf der Bühne im Beatpol. Der Deutsche singt im zweiten Song, dass es ihm leid tut.

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Blixa Bargeld (r.) und Teho Teardo im Beatpol.

Quelle: Dietrich Flechtner

"Mi Scusi". "Wer bin ich in einer anderen Sprache? Kommen die Metaphern mit mir mit?" Dieser Frage wird der ewige Sänger der Punkband Einstürzende Neubauten lange nachgegangen sein, bevor er sich dafür entschied, italienisch zu singen. Es klingt nun so, als hätte er den Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. Bargeld singt auf seiner aktuellen Koproduktion "Still Smiling" in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Italienisch, während Teardo ihn auf seiner Bassgitarre begleitet. Bis zum Ende des Abends wird daraus ein Kammerkonzert, das trotz eher dunkler, repetitiver Arrangements und merkwürdigen Performance-Charakters ein paar intensive Momente hervorbringt.

Sie sind ein wirklich ungleiches Paar auf der Bühne. Vorn, auf einem Teppich, steht der 55-jährige Bargeld im schicken dunklen Dreiteiler und strahlt künstlerische Unantastbarkeit aus, die gelegentlich ins Herrische schwenkt, vor allem, wenn er nach einem unhörbaren Fehler in der Tonabnahme sucht. Der Italiener Teardo links neben ihm dagegen wirkt mild und nachsichtig. Vermutlich ist diese charakterliche Kombination notwendig, um überhaupt gemeinsam Musik machen zu können. Die jedenfalls ist in den ersten Kompositionen noch recht minimalistisch angelegt und wird von der Cellistin Martina Bertoni entsprechend sparsam mit düsterer Wärme. "Axolotl", "Still Smiling", "Nocturnalia" oder auch "Konjunktiv II" folgen in dieser quasi-analogen Dreierkombination, die nur von gelegentlichen elektronischen Einschüben von Klavier, Glöckchen oder Atmosphäre begleitet wird.

Dann kommen vier junge Dresdner Musiker auf die Bühne und erweitern das Konzert um ihre Streicheinheiten. Alles ist ab jetzt orchestral vergrößert und gewinnt an Lebensenergie. In Erinnerung bleiben die Filmmusik "Una vita tarnquilla" über einen Mafiapensionär und das wunderbare "Come up and see me", das Bargeld zur Hälfte in Teardos Studio in Rom und zur anderen in Berlin geschrieben hat und das, wie er erzählt, inspiriert ist von einem Bonmot der Schauspielerin Mae West. Darin klackern die Beats aus dem Computer, während die Geigen darüber fließen. Harmonie mit Brüchen.

Allerdings macht meistens erst der typische Gesang Bargelds die Song einzigartig. Er dringt beim Singen fast in sein Mikro ein. Er brummt oder überdreht die Worte mimik- und gestenreich. Einem gesungenen Schauspiel wohnt man an diesem Abend irgendwie auch bei, was einen, vermutlich gewollten, Abstand zwischen Musikern und Publikum schafft, das trotzdem alles begeistert beklatscht. In der Zugabe singt Blixa Bargeld die italienische Version des etwas kitschigen Beat-Schlagers "Crimson and Clover" aus dem Jahr 1969. Es ist der lustigste Teil des Abends, da lacht der Künstler sogar mal. Das eigensinnige Konzert endet mit einem eigensinnigen Song. Über Fensterstürze. Auf Italienisch heißt das "Defenestrazione" und beweist zum letzten Mal, dass Bargelds Spracherweiterung eine kluge Entscheidung war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.03.2014

Juliane Hanka

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