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Interview mit Winfried Glatzeder, der bald wieder in Dresden Theater spielt

Interview mit Winfried Glatzeder, der bald wieder in Dresden Theater spielt

1999 war er zuletzt hier in der damaligen Komödie zu erleben in "Mein Freund Harvey", ab 11. Oktober steht er in der Comödie in "Toutou" auf der Bühne: Winfried Glatzeder.

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Freundlich und professionell: Winfried Glatzeder vor dem gestrigen Interviewtermin am Eingang zur Comödie.

Quelle: Dietrich Flechtner

Vorab gab der 68-Jährige Auskunft über das erstmalige Zusammenspiel mit seinem Sohn Robert, die Furcht vorm Alter - und was die Dresdner Zwingerfestspiele wieder auf Vordermann bringen könnte.

Frage: Haben Sie auch gewählt am Wochenende?

Winfried Glatzeder: Hab ich.

Zufrieden mit dem Wahlausgang?

Das kann man noch nicht sagen. Wir wissen ja noch nicht, was sich daraus ergibt.

Sie könnten in die Politik gehen, so salomonisch, wie Sie antworten.

Weil Sie das Gerät anhaben und dann sagen, ich hätte das gesagt. Hätten Sie es nicht an, würde ich freier reden.

Dann mach ich das hier kurz aus.

(Was jetzt folgt, ist eine sehr fundierte Kurzbeschreibung dessen, was an Koalitionen kommen könnte - und die Begründung des Scheiterns einer Partei.)

Danke für den kurzen Exkurs, nun aber zum Theater. In "Toutou" stehen Sie erstmals mit Ihrem Sohn Robert auf der Bühne. Unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit ihm von der mit "normalen" Kollegen?

Es ist sicher einzigartig, auch wenn ich mit meinem Sohn schon vor 40 Jahren zusammengearbeitet habe. In "Die Legende von Paul und Paula" hat er als Kind mitgespielt, in "Till Eulenspiegel" als Dreijähriger. Wenn wir nun zum ersten Mal zusammen auf der Bühne stehen, muss ich mich zurückzuhalten, dass ich mit meinem langen Erfahrungsschatz ihn in seiner Rollenfindung nicht einschränke. Ansonsten ist es grandios.

Als er Ihnen irgendwann sagte, Schauspieler werden zu wollen, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Da habe ich ihm gesagt: Studiere, geh nicht nur zu Talkshows oder in Serien. Ich sagte: Bewirb Dich an der Hochschule in Babelsberg. Dort kannst Du mehrere Formen der schauspielerischen Arbeit kennenlernen: mit den Studenten, die Regisseure, Kameraleute oder Produzenten werden, kannst du das Filmgeschäft lernen. Und parallel dazu ist dort das Hans-Otto-Theater.

Wo Sie ja selbst angefangen haben.

Genau. Und bei ihm ist es dann auch so gekommen. Anfangs hat er in ein paar Serien mitgespielt, dann kamen die Mühen der Ebene, um Miete, Strom- und Gasgeld zusammenzukriegen. Aber er ist sehr begabt, spielt auch Gitarre, hat ein eigenes Studio. Ich habe ihm immer zugeredet, dass er viele Dinge machen muss, um seinen Lebensunterhalt in diesem Beruf zu verdienen.

Aber Sie haben ihm nie abgeraten.

Nein, da hielt ich mich raus. Ein arbeitsloser Architekt hat schließlich genau so viele Schwierigkeiten.

Sie sind jetzt 68. Haben Sie mal an Ruhestand gedacht?

Nein, daran denke ich nicht. Mein Konzept ist, möglichst auf der Bühne zu sterben - wie Molière. Auch bei den Ärzten gibt es ja keine Beschränkung mehr, die dürfen ja auch arbeiten, bis sie umfallen - oder bis sie zu oft falsche Diagnosen gestellt haben. Also habe auch ich vor, meinen Beruf bis zum Ende auszuüben. Was ich mache, ist sowieso eine Mischung aus Abenteuer, Hobby und Beruf. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich mich dann selbst organisieren sollte.

Also Angst vor der Ungewissheit?

Nönönönönö. Ich würde nur sagen, ich kann gar nicht aufhören. Das wäre für mich wie Gefängnis in Freiheit.

Sie sagten aber kürzlich, dass Sie "das Alter Scheiße finden".

Ist es insofern, weil im Fernsehen ganz viele Rollen mit jungen Leuten besetzt werden, weil es um ihre Themen geht. Ich hatte auch meine größten Erfolg, als ich in meinen Zwanzigern war. Aber es gibt ja auch Rollen als Großväter.

Das Alter hat mittlerweile Furchen in mein Gesicht und meinen Körper gegraben. Aber ich muss nicht spielen, was ich nicht bin. Insofern ist Alter in meinem Beruf gar nicht schlecht. Aber Alter als normaler Mensch ist fürchterlich, weil man jeden Morgen mit Schockerlebnissen rechnet, wenn man sich die Zähne putzt und sich rasiert - und sieht, wie der Körper langsam verfällt. Der Rücken, die Knie, die Prostata... Es ist eine Last, alt zu werden. Fürchterlich.

Es klingt so, wie Sie das ausmalen.

Ich kann Ihnen nur sagen: Ab 60 wird's richtig hart.

Das lenkt den Blick zurück auf die Anfänge. Ihre Fernsehkarriere startete ja lange vor der Wende.

Ich habe schon eine der ersten Serien in der DDR gemacht. Die hieß "Unbekannte Bürger", ich spielte einen Schauspielstudenten, der Belmondo hieß, deswegen bekam ich dann den Beinamen "Belmondo des Ostens". Das hat mir damals viel Spaß gemacht, später der "Tatort" auch. 8,4 Millionen Zuschauer zu haben, ist wahnsinnig. Ich sage immer, man ist populär, wenn die Müllmänner und die Straßenarbeiter einen mit Rollen-Namen rufen: "Paul!" oder "Roiter!"

War der Belmondo-Beiname ein Fluch?

Nein. Es war ja die Anerkennung meiner Arbeit. Ich habe übrigens gerade einen Belmondo-Film aus den Siebzigern gesehen. Der sah ja wirklich so aus wie ich - oder ich wie er, gerade in meiner frühen Zeit. Aber er machte dann Action-Filme, die ich nie hätte machen können, mit Stunts und allem. Ich bin körperlich nicht so begabt wie er.

Sind Sie zufrieden mit allem, was Sie gemacht haben?

Ich habe mir wohl tatsächlich Rollen vom Leib gehalten, für die ich mich später hätte genieren müssen.

Welche denn?

Ich habe in der DDR keine Partei- tagsfilme mitgemacht, keine Lobprei- sung auf den Apparat. Ich war auch nie in Filmen, in denen die Armee glorifiziert wurde. Ich habe ja selbst alles versucht, dem Wehrdienst aus dem Weg zu gehen.

Sie sind eher im Komödiantischen daheim. Wie kam es dazu?

Mein Talent wurde schon früh erkannt. Mir gelang es einfach. Und es ist die größte Meisterschaft, Komödien zu spielen: Molière, Shakespeare, Beckett.

Andererseits waren Sie auch schon der "Jedermann".

Ja, ich habe versucht, die komödiantische Seite des Jedermann herauszuholen, habe auch selbst inszeniert in Meiningen. Eine Tribüne im englischen Garten, jeden Abend regnete aus, aber es war voll und die Leute haben ausgehalten.

Vielleicht sollten Sie sich um die Fortsetzung der Dresdner Zwingerfestspiele bewerben.

Die könnte man mit dem "Jedermann" aufwerten, würde ich sagen. Das wäre ein grandioses Spektakel.

"Toutou", Premiere am 11. Oktober in der Comödie

www.comoedie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2013

Torsten Klaus

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