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Interview mit SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer - "Bei allen Überlegungen Augenmaß bewahren"

Interview mit SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer - "Bei allen Überlegungen Augenmaß bewahren"

Seit Juni ist für drei Monate der Besuch des Museums für Völkerkunde im Japanischen Palais eintrittsfrei. Der Grund ist, dass das zentrale Exponat, das Damaskuszimmer, restauriert und umgebaut wird.

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Hartwig Fischer

Quelle: Roland Weihrauch

Zu den Arbeiten und damit verbundenen Perspektiven für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) befragte Kerstin Leiße den SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer.

Frage: Soll der freie Eintritt "versüßen", dass das Völkerkundemuseum auf Monate sein bekanntestes Exponat nicht zeigen können wird? Wie lange wird die Restaurierung des Damaskuszimmers dauern?

Hartwig Fischer: Wir möchten mit dem freien Eintritt auf die schöne Ausstellung zum Damaskuszimmer besonders hinweisen, das ist richtig. - Die Restaurierungsarbeiten am Damaskuszimmer, eines der schönsten außerhalb Syriens, das angesichts der schrecklichen Zerstörungen durch den Bürgerkrieg nun um so wertvoller geworden ist, haben vor über zehn Jahren begonnen, konnten aber wegen fehlender Mittel nie abgeschlossen werden. Die jetzige Ausstellung präsentiert einen Zwischenstand. Wir sind nun in der Lage, diese Restaurierung endlich abzuschließen. Die Restaurierungsarbeiten, für die wir zwei Jahre ansetzen müssen, machen es erforderlich, dass das Zimmer Anfang 2015 in einem anderen, höheren Raum neu aufgebaut wird, so dass auch die fehlenden Teile eingesetzt und im Kontext restauriert werden können.

Wer restauriert das Damaskuszimmer, und in welcher Höhe und von wem erhalten die SKD finanzielle Unterstützung?

Die Restaurierung wird von Dr. Anke Scharrahs fort- und zuende geführt. Sie gehört zu den international anerkannten Forscherinnen und Restauratorinnen solcher Zimmer und wird in die Arbeiten auch erfahrene Kollegen einbeziehen, die teils schon länger mit ihr am Dresdener Zimmer arbeiten. Wir beabsichtigen, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten den Besuchern und Freunden des Völkerkundemuseums und der SKD in regelmäßigen Abständen zugänglich zu machen; dabei wird auch die Gelegenheit bestehen, die Aspekte dieses Projektes mit den Restauratorinnen zu besprechen und sich in die Fragen, um die es hier geht, einführen zu lassen. Die Restaurierungsarbeiten werden von der im letzten Jahr gegründeten Museum and Research Foundation finanziert, die die SKD bei verschiedenen Forschungs- und Ausstellungsprojekten großzügig fördert.

Wie, wo und ab wann wird das Damaskuszimmer nach Abschluss der Restaurierung gezeigt?

Das Völkerkundemuseum Dresden wird das Damaskus-Zimmer nach Abschluss der Arbeiten in seinen Räumen im Japanischen Palais zeigen.

Welche Zukunftspläne gibt es für das Dresdner Völkerkundemuseum überhaupt, dessen Dauerausstellung sich ja nach wie vor "im Umbau befindet", wie es auf der Website der SKD heißt?

Leider konnte sich das Völkerkundemuseum in Dresden in den vergangenen Monaten nicht so präsentieren, wie wir es gewünscht hätten und für angemessen halten, weil wir gezwungen waren, die Werke des Kunstfonds in einer Übergangszeit in den Ausstellungsräumen einzulagern. Deren Rückzug in die alten Räume an der Marienallee ist nun nahezu abgeschlossen, so dass wir mit den Planungen einer neuen Sammlungspräsentation des Völkerkundemuseums im Japanischen Palais endlich beginnen konnten, und zwar für die Räume des Elbflügels. Diese wollen wir noch dieses Jahr wiedereröffnen. Uns allen ist es wichtig, dass unsere Ethnographischen Sammlungen auch in Dresden mit ihren großartigen Werken gegenwärtig und zugänglich sind und immer wieder auch Wechselausstellungen zeigen können.

Mancher befürchtete gar, dass die SKD den Standort Japanisches Palais aufgeben wollen...

Es steht außer Zweifel, dass das Völkerkundemuseum Dresden eine bedeutende Sammlung ist mit einer bemerkenswerten historischen Tiefendimension. Und deswegen ist es auch unerlässlich, dass es seine Schätze richtig zeigen können muss. Dies geschieht nun bereits seit geraumer Zeit im Japanischen Palais, einem der schönsten historischen Bauten des augusteischen Zeitalters, der allerdings noch nicht vollständig saniert ist. Wir haben zu keinem Zeitpunkt die Absicht geäußert, unsererseits den Standort Japanisches Palais aufgeben zu wollen.

Was sieht der Freistaat Sachsen vor in der Causa Japanisches Palais?

Im Japanischen Palais sind zwei Museen aktiv: das Völkerkundemuseum Dresden und die Naturhistorischen Sammlungen Senckenberg. Wir gehen davon aus, dass wir gemeinsam im Japanischen Palais aktiv sein werden und diese Nachbarschaft auch zur direkten Zusammenarbeit nutzen können.

Gibt es einen Masterplan für die Weiterentwicklung der SKD mit ihren Einzelmuseen? Was sieht der für die Institutionen außerhalb des Altstädter Zentrums vor?

Die inhaltlichen Aspekte eines Masterplans für die Weiterentwicklung der SKD werden zurzeit in Abstimmung mit unserem Staatsministerium auf der Grundlage früherer Überlegungen weiterentwickelt - unter den Aufgaben, die sich uns stellen, sicher eine der großartigsten und wichtigsten! Es versteht sich, dass dabei der Puppentheatersammlung, dem Völkerkundemuseum und dem Kunstgewerbemuseum besondere Aufmerksamkeit zuteil werden muss, weil sie den größten Entwicklungsbedarf haben. Das Kunstgewerbemuseum ist z.B. nur die Hälfte des Jahres geöffnet, weil wir über den Winter in Schloss Pillnitz die Räume nicht angemessen heizen und klimatisieren können. Die Puppentheatersammlung, nach der Münchner Sammlung wahrscheinlich die bedeutendste ihrer Art in Europa, kann sich immer nur in kleinsten Ausschnitten im Volkskunstmuseum präsentieren, was sehr frustrierend ist; seit der Plan besteht, das Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte unterzubringen, wird bekanntlich auch die Möglichkeit erwogen, die Puppentheatersammlung in dessen Nachbarschaft zu bringen, um ein einzigartiges Nebeneinander von aktivem Theater und aktiver Sammlung zu schaffen. Und dass wir für das Völkerkundemuseum bessere Voraussetzungen schaffen müssen, damit es sich auch künftig als eine relevante Institution zeigen und bewähren kann, steht außer Frage. Dabei wird es auch darum gehen, den Dialog zwischen den Kulturen, den Kulturen Europas und den Kulturen der Welt zu entwickeln. Kein anderer Ort bietet dafür so gute Voraussetzungen wie die Staatlichen Kunstsammlungen mit ihren großen, vielfältigen, über 450 Jahre entstandenen Sammlungen. Andererseits weiß jeder, dass wir mit der Renovierung der Sempergalerie und mit dem Ausbau und der Vollendung des Residenzschlosses als "Schloss der Kunst und der Wissenschaft" mitten in zwei Großprojekten stecken, die erhebliche Mittel und Kräfte binden. Bei allen Überlegungen, die wir zur Zukunft der SKD an den drei Standorten Dresden, Leipzig und Herrnhut entwickeln, müssen wir weiterhin Augenmaß bewahren.

In Ihrem Vorwort zur DNN-Sonderbeilage Kultur 2014 haben Sie angemessene Präsentationsmöglichkeiten für die Puppentheatersammlung und das Völkerkundemuseum angemahnt. Wie sähen in Ihren Augen "angemessene Präsentationsmöglichkeiten" aus?

Angemessen sind sie, wenn sie uns erlauben, unsere Bestände, die fabelhaften Werke und Objekte unter wechselnden Fragestellungen und in wechselnden Konstellationen den Besuchern zu präsentieren und sie mit ihnen gemeinsam zu erschließen. Zu den angemessenen Bedingungen gehört auch die Möglichkeit, Wechselausstellungen zu zeigen und in allen Bereichen über Ausstellungs-, Werkstatt- und Depoträume zu verfügen, die in punkto Klima und Sicherheit dauerhaft Standardbedingungen gewährleisten. Denn unsere Aufgabe ist es, den Staatsschatz unversehrt als ein lebendiges Erbe kommenden Generationen zu überliefern.

Frage: Wie steht es um die Nachfolge für Claus Deimel als Direktor der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES)?

Wir sind mitten im Auswahlverfahren. Es ist eine entscheidende Position, nicht nur für die Zukunft der SES, sondern der SKD überhaupt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2014

Kerstin Leiße

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