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Internationaler Fotowettbewerb Portraits hat erste Siegerin

Ausstellung im Festspielhaus Hellerau in Dresden Internationaler Fotowettbewerb Portraits hat erste Siegerin

Hellerau erinnert an Traditionen Dresdner Fotografiegeschichte erinnert und öffnet den Blick weit nach vorn. Portraits, der Erste Internationale Wettbewerb für Porträtfotografie, endete mit der Siegerehrung, eine Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Arbeiten.

Elena Anosova.

Quelle: Carla van de Puttelaar

Dresden. Es war ein Wagnis, und das Wagnis ging auf. Im Festspielhaus Hellerau wird derzeit an die Traditionen der Dresdner Fotografiegeschichte erinnert – und dabei der Blick ganz weit nach vorn geöffnet. Dort wurde jetzt Portraits, der Erste Internationale Wettbewerb für Porträtfotografie, mit der Siegerehrung abgeschlossen und eine Ausstellung eröffnet, die einen Querschnitt der eingereichten Arbeiten repräsentiert.

Um Porträts sollte es gehen, um Bilder vom Menschen. Kaum ein anderes Medium gibt so viel von der Persönlichkeit des Individuums preis. Dass es dabei natürlich nicht um die pure Abbildung von Gesichtern geht, dass stets Geschichten und Lebenswege dahinterstehen, all das stellt der Wettbewerb eindrucksvoll unter Beweis.

Er wurde zum ersten Mal ausgeschrieben, hatte vom Start weg mit mehr als 530 Einreichungen aus aller Welt großen Zuspruch erfahren und zeigt jetzt im Festspielhaus Hellerau das breit gefächerte Spektrum dieser Kunstgattung. Gesichter, Akte, Kinder und alte Menschen, viel Farbe und auch einiges Schwarzweiß. Neben Aufnahmen, die wie zufällig entstanden zu sein scheinen, gibt es deutliche Konstrukte, künstlerische Bearbeitungen ebenso wie vermutliche Schnappschüsse. Geradezu niedliche Genrefotografie steht ebenbürtig neben schreiender Anklage, Banalität neben Brauchtum, Fettleibigkeit und Militanz werden vorgeführt, Spuren des Alters finden sich neben schockierender Schönheit.

Aus der Serie „Section“ von Elena Anosova

Aus der Serie „Section“ von Elena Anosova.

Quelle: Elena Anosova

Sowohl Initiator Martin Morgenstern als auch Hellerau-Intendant Dieter Jaenicke zeigten sich vom Ergebnis dieses Ausscheids höchst angetan. Diese Vielfalt an Handschriften, die Unterschiedlichkeit menschlicher Abbilder sowie die davon ausgehenden Inspirationen könne Dresden gerade jetzt sehr gut gebrauchen, hieß es zur Vernissage.

Bis es so weit kommen konnte, mussten erst einmal viele Menschen von dieser Idee angesteckt und neugierig gemacht werden. Kuratoren, Sponsoren, nicht zuletzt die achtköpfige Jury. Sie alle ließen sich überzeugen. Immerhin handelt es sich um einen offenen Wettbewerb, an dem sich professionelle ebenso wie Hobbyfotografen beteiligen konnten. Und können. Denn jetzt schon steht fest, dieser bereichernde Ausscheid wird fortgesetzt.

„Menschen wie wir“

Den Ersten Preis der Jury erhielt die 32-jährige Russin Elena Anosova für eine Porträtserie, die durchaus unter die Haut geht. In diesen unter dem Titel „Section“ entstandenen Arbeiten sind Frauen zu sehen, Frauen in Haft. Menschen also in Extremsituationen voll sichtbarer Einsamkeit und Sehnsucht. Die Künstlerin beschreibt dies so: „In meinem Projekt geht es nicht ums Gefängnis. Es geht um die Deformation von Menschen in geschlossenen Systemen. Jedes System deformiert Menschen. Als Kind war ich sehr krank, brauchte medizinische Hilfe und musste für drei Jahre an eine besondere Schule gehen. Damals war ich Teenager, eine schwierige Zeit. Danach entschied ich, eigene Sachen zu machen und mich mit geschlossenen Institutionen zu beschäftigen.“

Sie habe auch über andere Institutionen nachgedacht und wird sich schon bald mit Frauenklöstern und Frauen beim Militär beschäftigen. All das fand sie sehr interessant: „An solchen Orten leben die Menschen ohne jede Intimität, ohne eigenen Besitz, ohne Zeit, in der sie allein sein können. Das alles deformiert Menschen.“

Ihr in Hellerau prämiertes Projekt verstehe sie nicht als soziales Projekt, sagt die Fotografin. „In meinen Bildern spreche ich über Menschen, die uns nah sind, die wir aber nicht sehen und hören. Jedermann in meinem Land – und wie ich denke, auch anderswo – kann an so einen Ort geraten. Aber wir sehen sie nicht. Viele Menschen denken, Frauen im Gefängnis sind Monster. Nein, wer zum Beispiel sein Kind schützt und jemanden umbringt, kann sehr schnell in so eine Situation geraten. Davor ist niemand geschützt. Für mich ist es wichtig, dass Menschen in den Häftlingen keine Monster sehen, sondern Menschen wie uns.“

Elena Anosova, die gegenwärtig auch in Mailand Fotografien ausstellt und von Dresden aus zu ihrer nächsten Vernissage nach Minsk gereist ist, hatte mit einem Ersten Preis nicht gerechnet, wie sie gegenüber der DNN offenbarte: „Ich war überrascht und bin sehr glücklich. Weil ich hier eine sehr gute Ausstellung sehe, gute Arbeiten, tolle Bilder. Ich bin sehr stolz, dass mein Projekt daran beteiligt ist. Ich denke, diese Schau ist für die Besucher sehr spannend, weil jede Arbeit einen interessanten Weg geht.“

Nicht nur die fotografischen Arbeiten selbst sind in ihrer Vielfalt unbedingt sehenswert – auch die originelle Hängung sowie der beeindruckend gestaltete Katalog der Kunstagentur Dresden sind echte Hingucker: Kein gebundenes Buch, sondern ein Faltkarton mit Dutzenden Reproduktionen – eine gelungene Auswahl der besten Fotografien dieses ersten Jahrgangs. Fortsetzung folgt.

Katalog 25 Euro, ISBN 978-3-9817866-1-3

Portraits, bis 26. März im Festspielhaus Hellerau

www.portraits-hellerau.com

Von Michael Ernst

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