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Internationale Plakatausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk mit Dresdner Beteiligung

Internationale Plakatausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk mit Dresdner Beteiligung

Das Cottbuser "dkw" (Kunstmuseum Dieselkraftwerk) zeigt eine Sonderausstellung mit dem doppelsinnigen Namen "Es geht um die Welt". Präsentiert werden 86 internationale Plakate aus dem Zeitraum etwa der letzten zwanzig Jahre zu Themen wie Klimawandel, Energieverwendung, Ölpest, Luftverschmutzung, aber auch Migration und Integration - ungelöste Themen, die die Welt bewegen.

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Provokante Tristesse: Das Poster "- und es hat sich trotzdem gelohnt!" (2009) des Dresdner Grafikers Bernd Hanke. Repro: Museum

Die Schau offenbart die Situation des Mediums Plakat allgemein: Wo - außer in extra Ausstellungen oder zunehmend im Internet - kann man heutzutage eigentlich noch Plakate sehen? Durch den technologischen Wandel hat das Plakat längst seine ursprüngliche Hauptaufgabe als Werbemittel verloren, es scheint de facto aus dem Alltag verschwunden und im Wesentlichen - vom speziellen Gebrauch als City Light im Rahmen von Kampagnen in den Großstädten sowie von semi-legalen Anschlag-Reihen an Zäunen und Mauern abgesehen - funktionslos geworden zu sein. Immer häufiger tritt so an die Stelle der Werbung für einen Auftraggeber und dessen Produkte oder Veranstaltungen die Werbung für Überzeugungen und Gedanken des Künstlers selbst.

Das dies qualitativ zu verschiedenen Ergebnissen führen kann, scheint einleuchtend. Einige der in der Cottbusser Ausstellung gezeigten Plakate wirken gedanklich oberflächlich ("plakativ"), manchmal propagandistisch, rutschen in die Nähe des Mediums Karikatur, scheinen auf schnelle Zustimmung des modisch öko-denkenden Betrachters aus oder fungieren lediglich als Mittel politischer Willensbekundungen der Künstler.

Auch wenn ein Plakat weder ein Ethikseminar noch ein Politikvortrag sein soll und kann - gedanklich mehr als das Plakate-Doppel "Lass mich mal fahren! - Ich fahre gern" von Manfred Butzmann, das einerseits von Kinderhand gezeichnete Fahrräder, andererseits eine unüberschaubare Menge eng an eng stehender Autos zeigt, sollte man schon erwarten dürfen. "No more nuclear power" von Grit Fiedler erschöpft sich in einem simplen propagandistischen Aufruf, ähnlich wie Lanny Sommeses Poster "Protect The Planet. Stop Global Warming".

Wenn sich jedoch Künstler vom Propaganda-Denken fern halten, wenn ihnen Fragen wichtiger als vorgegebene "Wahrheiten" sind, wenn sie nach tieferen Zusammenhängen fragen und sich nicht mit vorgefertigten Antworten begnügen, entstehen durchaus faszinierende, teils irritierende, beeindruckend "nachhaltige" Bildlösungen. Dazu zählen das hintersinnige "Humanature" von Yossi Lemel (Israel), das mit der doppelten Wortbedeutung spielende, grafisch exzellente "Glashaus" des Leipzigers Jochen Fiedler, besonders aber die beiden Plakate des Dresdners Bernd Hanke. Schon 2003, angesichts des Zweiten Irakkrieges George W. Bushs, schuf Hanke mit "UÖSLA" sein mittlerweile als Klassiker geltendes Plakat, das auf die Zusammenhänge von Politischem, Ökonomischem und Ökologischem verweist. Grafisch andersartig, hinsichtlich der Sprengkraft seiner Symbolik dennoch ähnlich wirkt die provokante Tristesse von Hankes Poster " - und es hat sich trotzdem gelohnt!" (2009).

Dass die Ausstellung zustande gekommen ist, darf sich Kuratorin Barbara Martin als großes Verdienst anrechnen. Die Exposition setzt sich aus Arbeiten der Sammlung des Kunstmuseums Dieselkraftwerk und zum größten Teil aus den Einreichungen angefragter Künstler zusammen. Eingeladen wurden rund hundert Grafikdesigner aus Armenien, Australien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Iran, Israel, Japan, Mexiko, Österreich, Polen, Russland, aus der Schweiz, der Slowakei, aus Slowenien, Spanien, Südkorea, Taiwan, der Türkei und den USA. Gerade angesichts der generellen Situation des Mediums Plakat sind Präsentationen wie diese unverzichtbar.

bis 15. April, Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, Uferstraße/Am Amtsteich 15. Di-So 10-18 Uhr, Mo geschlossen

www.museum-dkw.de

Zur Ausstellung ist ein 42-seitiger, von Theresa Haufe, Nadja Epperlein (Die Superpixel) und Daniel Mudra gestalteter Katalog erschienen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.03.2012

Mathias Bäumel

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