Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Internationale Gesellschaft will sich dem Schaffen Johann Gottlieb Naumanns widmen

Europäischer Netzwerker Internationale Gesellschaft will sich dem Schaffen Johann Gottlieb Naumanns widmen

Tief mit der Musikgeschichte Dresdens verwurzelt ist der Komponist Johann Gottlieb Naumann, der 1741 in Blasewitz geboren wurde und bis zu seinem Tode 1801 25 Opern komponierte. Eine internationale Gesellschaft will sich nun seinem Schaffen widmen.

Gründungsgremium: Dr. Reiner Zimmermann, Margita Herz, Thekla Twietmeyer, Prof. Dr. habil. Hans-Günter Ottenberg (1.Reihe v.l.n.r); Klaus-Jürgen Kamprad, Dr. Stephanie Hurst, Johannes Gärtner (2. Reihe v.l.n.r)

Quelle: privat

Dresden.  Tief mit der Musikgeschichte Dresdens verwurzelt ist der Komponist Johann Gottlieb Naumann. 1741 in Blasewitz geboren, machte er sich – nach Studien in Italien – in Dresden einen Namen in seiner Anstellung am sächsischen Hof: zunächst ab 1764 als Kurfürstlich-Sächsischer Kirchenkomponist, ab 1776 als Hofkapellmeister. Letzteres Amt hatte nur ein halbes Jahrhundert später Carl Maria von Weber inne, ab 1843 Richard Wagner. Ihnen bereitete er ein Fundament. Denn die Situation zu Amtsantritt war schwierig: das höfische Musikleben steckte in einer tiefen Krise, gezeichnet durch die Folgen des Siebenjährigen Krieges. Das Orchester war durch die Kriegsereignisse stark in Mitleidenschaft gezogen, der Opernbetrieb nur noch subventioniert möglich. Mit viel Enthusiasmus sorgte Naumann erfolgreich für die Erweiterung des Orchesters, um Opernaufführungen zu ermöglichen. Auch das Sängerpersonal musste auf ein neues Niveau gebracht werden.

Bis zu seinem Tod 1801 komponierte er 25 Opern, 27 Messen, 12 Oratorien und eine Vielzahl kleinerer Werke, darunter zehn Opern für den Dresdner Hof, die sich stark am italienischen Vorbild orientierten. Während seiner drei längeren Aufenthalte in Italien hatte er diesen Stil genauestens studiert. 1776 erhielt er eine Einladung nach Schweden, um auch dort das Musikleben „nach Dresdner Vorbild“ zu reformieren, wie Gründungsmitglied Professor Hans-Günter Ottenberg erklärt. Seine in Stockholm entstandene Oper „Gustaf Wasa“ genoss für viele Jahre den Stand einer schwedischen Nationaloper. Bis in die 1990er-Jahre wurde die Oper dort mehrfach neu inszeniert. Zudem wirkte er auch am Opernhaus in Kopenhagen.

Zweifellos war er ein ausgezeichneter Netzwerker mit einem weitgespannten europäischen Netz – eine Tatsache, der die neu gegründete internationale Johann-Gottlieb-Naumann-Gesellschaft mit ihrer Arbeit besonders nachgehen wird. Pünktlich zu seinem 275. Geburtstag am 17. April gründeten „zehn Enthusiasten aus unterschiedlichsten Bereichen“, wie der Vorsitzende Klaus-Jürgen Kamprad umreißt, die Vereinigung, darunter die zwei renommierten Dresdner Musikwissenschaftler Dr. Reiner Zimmermann und Professor Hans-Günter Ottenberg. „Wir möchten die wunderbare Welt der Naumannschen Musik ins Bewusstsein rufen“, wie der Musikverleger Kamprad außerdem erklärt. Angedacht sind diverse Forschungs- und Editionsprojekte zu Werken Naumanns und seiner Persönlichkeit. Auch die künstlerische Auseinandersetzung mit seiner Musik wird eine Rolle spielen.

Es wird viel über Projektideen diskutiert in diesen Tagen, unter anderem über eine moderne Biografie oder eine Editionsreihe sowie Aufführungen seiner Werke. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Institut zur Erforschung und Erschließung der Alten Musik in Dresden wird es geben. Erst im September letzten Jahres gab das Institut Naumanns g-Moll Messe heraus, die aus zwei Abschriften des Wiener Hofes rekonstruiert wurde. In der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) schlummern noch weitere Schätze zu Naumann, darunter viele autografe Quellen. „Die Naumannforschung beginnt natürlich nicht bei Null“, erläutert Ottenberg. „Man kann nicht behaupten, dass Naumann nach seinem Tod immer im öffentlichen Musikleben präsent war. Doch die Forschung hat sich stets für den herausragenden Komponisten interessiert.“ So erschien bereits 1802, nur ein Jahr nach seinem Tod, eine erste Biografie. Viele weitere Veröffentlichungen folgten, darunter die 1920 entstandene Arbeit von Richard Engländer. Seit Beginn der 1990er-Jahre wurde der Komponist auch in Folge einer zunehmenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung von Musikern neu entdeckt. Am Rathaus Blasewitz erinnert seit 1991 wieder eine Gedenktafel an den Komponisten, die 1942 vom NS-Regime abmontiert worden war. Im Jahr 2001 fand in Dresden ein vielbeachtetes Symposium statt. Mit der nun gegründeten Gesellschaft will man auch auf internationaler Ebene an Naumanns Verdienste anknüpfen.

Info: www.internationale-naumann-gesellschaft.de

Lieder und Leben: Johann Gottlieb Naumann zum 275. Geburtstag, 8. Mai, 15 Uhr, Carl-Maria-von-Weber-Museum. Romy Petrick, Sopran, und Sebastian Knebel, Klavier, Jens Daniel Schubert, Moderation. Eintritt: 12 Euro/ermäßigt 10 Euro

Von Kathleen Goldammer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr