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Intendant des Dresdner Staatsschauspiels verlängert vorzeitig Vertrag

Intendant des Dresdner Staatsschauspiels verlängert vorzeitig Vertrag

Die Nachricht von der Vertragsverlängerung des Staatsschauspiel-Intendanten konnte zumindest Besucher der Spielzeit-Matinee nicht überraschen. Vor zweieinhalb Wochen hatte Wilfried Schulz schon durchblicken lassen, dass es bei den laufenden Verhandlungen keine ernsthaften Hindernisse gebe.

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Wilfried Schulz, Intendant des Dresdner Staatsschauspiels.

Weder seine persönlichen Vorstellungen noch die damit im Zusammenhang stehende materielle Sicherung des Staatsschauspiels betreffend.

Nun gab Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) am Donnerstag offiziell vor Journalisten auf der Bühne des Schauspielhauses seine Vertragsverlängerung um weitere vier Jahre bekannt. Schulzes erster Fünfjahresvertrag in Dresden wäre 2014 ausgelaufen. Dieser Vertrag ermöglicht es ihm, sich schon jetzt bis 2018 an das vom Freistaat getragene Schauspiel zu binden. Dieser Aufgabe stellt sich Schulz "in einer Stadt, in der man gut Theater machen kann" mit spürbarem Vergnügen. Und wer in dieser Stadt erst vor 14 Monaten junger Vater geworden ist, hat gewiss auch einen Grund mehr, hier zu bleiben.

Die Ministerin bezeichnete den aus Hannover kommenden 60-jährigen Intendanten als "Glücksfall" für Dresden. Die seinerzeit von Staatssekretär Knut Nevermann eingefädelte Berufung in der Nachfolge von Holk Freytag war indessen auch von einem gewissen Kalkül und begründeten Erwartungen getragen. Nun ging Kunstministerin von Schorlemer im Rückblick auf die drei erfolgreichen ersten Schulz-Spielzeiten recht weit. "Das Staatsschauspiel entwickelt sich mit seinem vielfältigen, zeitgemäßen und künstlerisch hochwertigen Angebot im Vergleich mit anderen prägenden deutschsprachigen Bühnen zu einem Mittelpunkt des europäischen Theaters", sagte sie.

Wilfried Schulz selbst nannte auf Nachfrage drei Hauptgründe für seinen Verbleib in Dresden. Das Theater werde geliebt, es werde wichtig genommen und man könne Reibung und Widerspruch erzeugen. "Ich spüre, dass wir angekommen sind", blickte der Intendant unter anderem auf die Anpassungsschwierigkeiten des Anfangs zurück. Es brauche auch gewisse Zeiten des Wachsens, um vielleicht einmal größere Risiken eingehen zu können. "Da ist noch Luft nach oben", orakelte er ein wenig mit Blick auf den langen vor ihm und dem Ensemble liegenden Zeitraum der Entfaltung. Er habe keine Lust, in zwei Jahren woanders anzufangen, weil er keinen interessanteren Theaterort kenne.

Eine Rolle für die einvernehmliche Vertragsverlängerung spielt die gute Bilanz, die das Staatsschauspiel zum Abschluss der Spielzeit 2011/12 vorlegen kann. Die Besucherzahlen sind erneut auf einen Rekordwert gestiegen. 229 200 Zuschauer in 824 Veranstaltungen bedeuten eine Auslastung von 74,5 Prozent. Spitzenreiter ist die Bürgerbühne, die mit 92,6 Prozent Auslastung besonders gut angenommen wird. Das Kleine Haus, wo ein Drittel der Vorstellungen stattfindet, schneidet bei der Auslastung etwas besser ab als das große Schauspielhaus.

Den guten Ruf des Dresdner Staatsschauspiels unterstreichen mehrere Auszeichnungen und Gastspiel-Einladungen. So erhielt die von Chefdramaturg Robert Koall geschriebene Bühnenfassung von Wolfgang Herrndorfs Jugendroman "Tschick" nicht nur mehrere Preise, sondern wird auch an 22 deutschen Bühnen nachgespielt. Reisen führten das Ensemble nach Kopenhagen, Wien und ins spanische Salamanca.

In den halbjährigen "vertrauensvollen Gesprächen", so beide Seiten, ging es natürlich auch um Geld, das in den am kommenden Wochenende im Regierungskabinett zu verhandelnden sächsischen Doppelhaushalt 2013/14 eingestellt werden soll. Der Intendant möchte effektiv nicht mehr für sein Schauspiel, aber einen Ausgleich für die anstehenden Tarifsteigerungen. Auch die Bauvorhaben eines Logistikzentrums und eines Probebühnenzentrums spielen eine Rolle. Sie beträfen ein künftig vereinigtes Staatstheater. Intendant Schulz blickt der geplanten Fusion mit der Semperoper gelassen entgegen und verspricht sich davon weder besondere Vor- oder Nachteile. Eher noch eine gewisse Sicherung, weil er es offenbar verstanden hat, seine Gelder an die sakrosankten Steigerungen für Oper und Staatskapelle zu binden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2012

Michael Bartsch

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