Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Insolvenzantrag gegen "DresdenTicket"-Betreiber - Veranstalter bangen um ihre Einnahmen

Insolvenzantrag gegen "DresdenTicket"-Betreiber - Veranstalter bangen um ihre Einnahmen

Es ist eine der hoffnungsvollen Nachwendegeschichten gewesen: 1994 wagte der studierte Informatiker Janko Mikolajczyk den Schritt ins freie Unternehmertum und rief in Dresden eine eigene Veranstaltungskasse ins Leben.

Er sprang gewissermaßen in eine Marktlücke, Partner waren Veranstalter wie Singakademie Dresden, Dresdner Kammerchor, Dresdner Hofmusik e.V., Sächsisches Vocalensemble, und es kamen weitere und auch grö- ßere mit größerem Volumen bei ticket2day, später DresdenTicket ins Boot: das große Klassikfestival Dresdner Musikfestspiele beispiels- weise, die Forsythe Company, das Musikfest Erzgebirge ... Diese Geschichte scheint jetzt ein abruptes Ende zu nehmen: Beim Amtsgericht Dresden ist für Janko Mikolajczyk, Betreiber von "DresdenTicket", Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden; am 29. August wurde vom Ge- richt Ulrich Kraft von der Kanzlei hww als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

Bei vielen davon betroffenen Veranstaltern herrscht Ratlosigkeit, aber vor allem Entsetzen. Die Außenstände sind für etliche immens. Andreas Grosse beispielsweise, Gründer und Veranstalter der Dresdner Reihe Musik zwischen den Welten, fürchtet um Einnahmen in Höhe von rund 15 000 Euro. "Ich bin geschockt", sagt Grosse gegenüber DNN, "und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wo die Einnahmen geblieben sein sollen. Die Ticketgebühren gehören schließlich nicht ihm."

Seit Jahren hatten sie zusammengearbeitet, und Zusammenarbeit hieß in diesem Fall, dass Mikolajczyk von Grosse die Informationen für die geplanten Konzerte erhielt und die Daten in die Softwaremaske des in Freiburg ansässigen und deutschlandweit arbeitenden Ticket-Service "ReserviX" einpflegte. Zehn Prozent des jeweiligen Ticketpreises flossen als Vorverkaufsgebühr an Mikolajczyks Firma, etwa ein Euro pro verkaufter Karte, so Grosse, war Systemgebühr und wurde an ReserviX abgeführt.

"Enorme Bedrohung" für Musikfestival

Auch Anfang Juli 2012 hat der Musikveranstalter seine Daten bereitgestellt, für September bis Dezember, Janko Mikolajczyks "DresdenTicket" daraufhin Karten verkauft. Ob er die 15 000 Euro für die im Vorverkauf weggegangenen Tickets noch bekommt, weiß Grosse nun nicht, braucht das Geld aber dringend für Künstlergagen, Saalmiete, Werbung, technischen Aufwand, Personalkosten etc. Der Verlust würde 30 bis 50 Prozent der gesamten geplanten Einnahmen aus diesem Quartal betragen, rechnet Grosse vor.

Und ähnlich schlimm stellen sich die Probleme für zahlreiche andere Veranstalter dar: 20 000 Euro allein würden die Außenstände beim Musikfest Erzgebirge 2012 betragen, erklärt Festivalsprecher Oliver Geisler. Das Festival unter der Intendanz Hans-Christoph Rademanns soll vom 14. bis 23. September mit Künstlern aus England, Frankreich, Russland und Deutschland an verschiedenen Stätten im Erzgebirge stattfinden. "Die nicht an das Musikfest ausgezahlten Ticketeinnahmen stellen eine enorme Bedrohung des Festivals dar", sagt Geisler.

Auswirkungen der Mikolajczyk-Insolvenz treffen beispielsweise die Dresdner Musikhochschule, die um eine fünfstellige Summe aus dem Sommersemester bangen muss, und den Verein Das Lied in Dresden, der nicht weiß, ob der Großteil der ihm zustehenden Gelder überhaupt noch kommen wird.

Auch städtische Einrichtungen wie die Musikfestspiele, das Societaetstheater sowie das Europäische Zentrum der Künste Hellerau sind von den Vorgängen betroffen, bestätigt Kulturamtsleiter Manfred Wiemer auf Anfrage. Wie hoch die Außenstände im Konkreten sind, werde noch geprüft. Und auch die Forsythe Company hat bisher mit Mikolajczyk zusammengearbeitet.

DresdenTicket war gestern in seiner Niederlassung auf der Louisenstraße telefonisch nicht erreichbar, der Anrufbeantworter gibt die Auskunft, man befinde sich in Betriebsferien; Mikolajczyk ging nicht an sein Handy, war auch nicht in der Dresden-Neustädter "Gaststätte Gelbfüssler" erreichbar, die ihn im Impressum ihrer Internetseite als Vertreter (MB Saft & Friends OHG) führt. Und auch DNN-Nachfragen beim vorläufigen Insolvenzverwalter blieben von der Kanzlei unbeantwortet.

Volker Fehrenbacher, Vertriebsleiter bei ReserviX, erklärte gegenüber DNN, der Vertrag zwischen seiner Firma und Mikolajczyk sei zum 1. September in "beiderseitigem Einvernehmen" beendet worden. Man habe, bisher von DresdenTicket vertretenen Veranstaltern Einzelverträge vermittelt, um künftig die Leistungen direkt anbieten zu können.

Ob das einer der Gründe für die Insolvenz gewesen kein könnte, konnte oder wollte gestern keiner bestätigen. Es ist nun am Insolvenzverwalter, die Ursachen herauszufinden und die Möglichkeiten, wie die Gläubiger noch an ihr Geld kommen.

Denn die finanziellen Verluste wären gravierend; für das Musikfest Erzgebirge beispielsweise stellen sie ein Viertel der geplanten Einnahmen des Festivaljahrgangs 2012 dar. Nun hofft Geschäftsführer Ben Uhle auf die Unterstützung von Partnern des Musikfestes. Die bereits erworbenen Karten behalten natürlich ihre Gültigkeit, so Uhle.

Kerstin Leiße

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr