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Initiativen und Stillstand: Dresdner Künstler und Kreative weiter auf Raumsuche

Initiativen und Stillstand: Dresdner Künstler und Kreative weiter auf Raumsuche

Das Konzept sieht so aus, wie man es sich vorstellt: 16 Seiten, durchstrukturiert, eingeschlagen in eine Plastikhülle. Es ist ein Papier, das die Zukunft der leerstehenden Feuerwache in der Dresdner Neustadt betrifft, erstellt im Auftrag des Vereins Kultur Aktiv.

Ziel: In der Adresse Katharinenstraße 9 plus Hinterhaus sollen auf fast 1000 Quadratmetern ein Dutzend bezahlbare Ateliers, eine Galerie und Büroräume für Start up-Unternehmen der Kreativwirtschaft entstehen.

Klingt gut. Ist aber nur Papier, vorerst. Doch der Verein, allen voran Mirko Sennewald, sowie der potenzielle Betreiber der Immobilie Stefan Schulz wollen eine rasche Umsetzung. Unter anderem auch deshalb, weil 2014 in Dresden ein neuer Stadtrat gewählt wird. "Wir wollen das noch in dieser Legislaturperiode in die Debatte kriegen", macht Sennewald klar. Vor zwei Jahren sei schon mal ein entsprechendes Konzept eingereicht worden. "Damals hat das Liegenschaftsamt nicht mal den Eingang bestätigt." Diesmal schon. Bleibt zu hoffen, dass die Mühlen der Verwaltung nicht alles an Initiative zu Staub zermahlen.

Dieses Szenario droht nämlich durchaus beim Areal der Lößnitzstraße 14, einem der letzten großen Künstlerstandorte Dresdens. Die DREWAG will das Gelände entwickeln, also umbauen und aufwerten. Die Crux: Bei der ursprünglichen Planung blieben die dort Arbeitenden außen vor (DNN berichteten). Sozusagen im letzten Moment reichten die Architekten der ruestungsschmie.de, die vor Ort ihr Büro haben, einen alternativen Vorschlag ein, der deutlich mehr Raum vor allem für die ansässigen Künstler lässt. Vieles deutet aber darauf hin, dass die Stadt das ursprüngliche Konzept lieber heute als morgen umgesetzt sieht. Was in mehrerer Hinsicht eine nochmalige Brüskierung derer darstellt, die das Gelände seit Jahren mit sehr viel Leben füllen. Kulturamt und Kulturbürgermeister sollten hier ihren Kollegen von der bauenden Zunft noch einmal nachdrücklich deutlich machen, was das Durchdrücken der ersten Pläne zur Folge hätte: die Abwanderung von Künstlern in Größenordnungen.

Das befürchtet auch Kristine Schmidt-Köpf, Geschäftsführerin des Künstlerbundes Dresden. Der Aderlass der Künstler habe bereits eingesetzt, "das merken wir an den Ummeldungen". Sie verweist noch einmal auf die Ergebnisse einer sogenannten Atelierumfrage. Nach Hochrechnungen der eingegangenen Antworten suchen demnach derzeit etwa 250 Künstler in Dresden entsprechende Arbeitsräume. Ähnlich wie Sennewald setzt auch sie auf Gespräche mit verschiedenen Fraktionen im Stadtrat. Im Vergleich zu früheren Jahren sei ein deutlich stärkeres Problembewusstsein zu erkennen, sagt sie. Das lässt zumindest hoffen.

Verena Andreas, die die galerie module betreibt, kennt das Problem. Über ihre Kreativraumagentur vermittelt sie zwischen Immobilienbesitzern und Künstlern, kennt die große Nachfrage und das Problem der immer weiter steigenden Mieten. "Nur private Initiative kann das nicht abdecken", resümiert sie. Die Stadt müsse sich dazu durchringen, auch kommunale Liegenschaften mit in den Angebotspool einzubringen. "Der Bund hat die Bedeutung der Kreativwirtschaft erkannt, die Stadt müsste nachziehen."

In diese Kerbe schlägt auch Grünen-Stadtrat Torsten Schulze. Seine Fraktion hat einen Antrag eingebracht, der die Oberbürgermeisterin unter anderem damit beauftragen soll, ein gesamtstädtisches Konzept zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft zu erarbeiten sowie ein Nutzungskonzept für die nach dem Auszug vom Theater Junge Generation in Cotta und Staatsoperette in Leuben (nach ihrem Umzug ins neue Kulturkraftwerk Mitte) leerstehenden Objekte. Der Antrag fragt auch die mögliche Nutzung der oben genannten Feuerwache nach. Vielleicht ist ja bald eine positive Antwort zu vernehmen. Die Zeit dafür wäre jedenfalls reif.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2013

Torsten Klaus

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