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Ingolf Engels, Wolfgang Kühne und Reinhard Muschik in der Galerie Refugium Medingen

Ingolf Engels, Wolfgang Kühne und Reinhard Muschik in der Galerie Refugium Medingen

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Refugium verspricht viel frische Luft, gesättigt mit Gerüchen von Salz und Sand, Tang und frisch gefangenem Fisch. Doch "Leuchtende Wasser, weites Land", wie zu Recht versprochen, finden sich nicht nur an der Küste und speziell wie auf der Insel Hiddensee, die allerdings einen gemeinsamen Fluchtpunkt für alle an der Ausstellung Beteiligten darstellt.

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Wolfgang Kühne: Hof am Deich, 2013.

Quelle: Repro: Tomas Petzold

Für Ingolf Engels ist sie die Fundgrube, aus der er als Strandläufer mit großem Kescher das Material für seine Skulpturen schöpft: Bernstein, von Wind und Sand geschliffenes, von Sonne und Wasser gebleichtes Treibholz. Baum und Harz führt er einfühlsam zusammen wie Körper und Seele. Ebenfalls in Vitte lebt und arbeitet Reinhard Muschik, der mit großzügig und locker gemalten Bildern die oftmals rasch wechselnden Farben und Stimmungen in der weiten Landschaft einfängt. Nimmt er indessen die unruhig in kleinen Häfen ankernden Segelboote als Sinnbild für Sehnsucht nach Weite und Ferne, kommt in fester gebauten, farblich kalkulierten Bildern der Architekt zum Vorschein.

So weit nach Norden begibt sich Wolfgang Kühne zwar nur gelegentlich, hat so immerhin Muschik bei einem Malkurs kennengelernt, aber in letzter Zeit pendelt der in Laubegast Ansässige aus familiären Gründen vor allem zwischen Dresden und seinem Zweitwohn- und -malsitz an der Havelmündung. Dass er unweigerlich gleich doppelt vom Hochwasser betroffen wurde, sieht man den Bildern nicht an, die in diesem Jahr entstanden bzw. vollendet worden sind. Sie atmen Stille und Konzentration, die auch noch auf eine schöne Nebentätigkeit gerichtet ist, das Angeln nämlich, das ihm eindrucksvolle Modelle liefert, in Gestalt eines kapitalen Hechts etwa, großmäulig in changierend schuppigem Grün auf einem provisorischen Arbeitstisch: Auf rohem vergrautem, von klobigen Böcken gestütztem Holz liegt die stattliche Beute zwischen einem spitzen Messer und einer bis zu einem Drittel geleerten Weinflasche, das ganze Ensemble den Eingang zu einem schmalen Hof versperrend, der von verschachtelten Backsteingebäuden gebildet wird, die etwas ärmlich, aber gerade noch solide wirken, bis auf den geborstenen Brunnen in der Mitte, der dem Bild den Titel gibt und die Harmonie in Frage stellt.

Die unsichtbare Sonne, seitlich und hoch in einem stahlblauen Himmel stehend, wirft starke Schlagschatten auch auf dem benachbarten Gemälde, das eine schmale Gasse zwischen zwei alten Häusern zeigt, wobei der Durchblick in die Landschaft verstellt wird von einer gleißend hellen Wand (Hof am Deich, 2013). Bereits im Vordergrund aber versperrt eine in dieser riesigen Größe real noch nie gesehene Wollhandkrabbe den Durchgang, ein tatsächlich sehr ambivalent zu bewertender Gast, den die Globalisierung bis an diese Gestade gespült hat. Das alles erscheint in einer Art magischem Realismus, der sich in manchen Partien bis zur Augentäuschung steigert, wenn man etwa die einzelnen Ziegel alter Gemäuer abzählen kann - der aber doch nicht aus pedantischer Handhabung allzu spitzer Pinsel, sondern aus souveränem Umgang mit dem Material herrührt. Und es ist bei Kühne durchaus in erster Linie etwas Geistiges, in dem sicherlich zuerst sein Beharren auf den alten bewährten Strukturen der Kulturlandschaft und einer einfachen, naturverbundenen Lebensweise auszumachen ist, das sich bei näherer Betrachtung aber auch als ambivalent erweist. Wie weit das dem Künstler selbst bewusst ist, kommt erst in zweiter Linie in Betracht, denn Kühne geht es gar nicht vordergründig um Zeugnisse oder dokumentarisches Festhalten, auch genügt ihm nicht das Aufnehmen von Stimmungen, das rein Erlebnishafte beim Wahrnehmen einer Landschaft - er liefert vielmehr Ver-Dichtungen, die weit über die Enge einer anachronistischen Betrachtung hinausgehen, also keine Momentaufnahmen, sondern Sedimente in Jahren gewachsener Erfahrung, ständigen Experimentierens und Hinterfragens. Wenn der Gegenstand trotzdem eine gelegentlich auch allzu verführerische Frische ausstrahlt, dann kommt das wohl vor allem aus einer oft auch etwas hintergründigen, jedenfalls nicht auf den ersten Blick durchschaubaren Verbindung von Dichtung und Wahrheit.

Bis 14. Februar, Hauptstr. 3, Medingen, geöffnet täglich nach telef. Voranmeldung unter 035205-75 36 31 oder 0172-77 40 564

www.galerie-refugium.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.01.2014

Tomas Petzold

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