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Ingo Pohlmann unplugged in der Dresdner Scheune

Ingo Pohlmann unplugged in der Dresdner Scheune

"Good Morning Vietnam!" Mit diesen geradezu gekrähten Worten begrüßt der unvergessene Robin Williams als subversiv spottender AFN-Radiomoderator Adrian Cronauer die Zuhörer, also die armen Schweine, die dazu verdonnert waren, Amerikas Freiheit in den Reisfeldern Indochinas zu verteidigen.

Mit einem donnernden "Guten Morgen! Baustelle!" wurde Ingo Pohlmann in Jugendjahren von seinem Vater aus dem Schlaf gerissen. Das mit der Baustelle erledigte sich dann irgendwann, der Filius fühlte sich nicht als künftiger Baulöwe, sondern eher als Kätzchen. Pohlmann hat sich durchgebissen (ein Ortswechsel von Rheda-Wiedenbrück nach Hamburg erwies sich da als sehr nützlich) und macht Musik. Aber noch immer, na ja, seit einem Jahr nun wieder, wird er wieder unsanft aus dem Schlaf gerissen. Von seiner Tochter. Pohlmann findet's einfach nur toll. Hat ein Lied drüber geschrieben, das nicht nur Vaterstolz bekundet, sondern auch unbändiges Staunen, die Erkenntnis, dass nun der "Fahrtwind des Lebens" deutlich zu spüren ist.

Auch sonst gibt Pohlmann in der Scheune, in die ihn seine "Unplugged"-Tournee am Donnerstag gespült hatte, die eine oder andere persönliche Geschichte zum Besten. Recht humorvoll, recht sympathisch kommt er rüber, allerdings wird die eine oder andere Pointe auch versemmelt, weil er über seinen eigenen Witze kichern muss. Mittlerweile veröffentlichte Pohlmann (bekannt geworden insbesondere durch den Song "König der Straßen", der ein eher belustigter als empörter Blick auf die hektische, globalisierte Welt ist) vier Alben, hat sich durchaus neuerfunden, ist sich aber im Großen und Ganzen doch treu geblieben. Nur zwei Musiker sind bei diesem reduzierten und zugleich akzentuiert groovenden Sound noch mit zugange: Hagen Kuhr, der am Cello ein Virtuose ist, und Reiner Hubert, der sich am Schlagzeug und kleineren Trommeln abarbeitet.

Die Texte sind nicht übel, sind hier und da gar witzig. Pohlmann erzählt in seinen Songs von den schönen wie weniger schönen Seiten des Lebens, manchmal mit Tiefgang, häufig mit Mut zu Pathos und großem Gefühl. Manche Poesie, manche Metapher für das Einfangen eines melancholischen Moments gelingt, etwa wenn am Steuer eines Autos ziellos dem roten Horizont entgegengezogen wird, einfach so, aus Spaß am Fahren und Leben. Anderes wirkt dann doch eher kitschig-albern. Der Verlust der Stammkneipe als größte Horrorszene? Wohl dem, der keine größeren Probleme hat. Aber ins Ohr geht der lässige Song "Bordsteinbar" zweifelsohne. Manche Songzeilen werden eindeutig überstrapaziert, gefühlte 100 Mal wird etwa versichert: "Musik, in ihr geht nichts verloren." Da wird ja selbst in den Opern Wagners schneller auf den Punkt gekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2015

Christian Ruf

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