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In erstklassiger Lage eröffnet am Donnerstag die Galerie Stephanie Kelly

Mehr als nur Rouge In erstklassiger Lage eröffnet am Donnerstag die Galerie Stephanie Kelly

Alles noch Baustelle. Wie so oft ist es ein fest geplanter Termin, der dazu führen wird, dass trotzdem (oder gerade deshalb) alles irgendwann pünktlich funktioniert. Dieses Irgendwann hat Zeit und Ort: Donnerstagabend eröffnet in Dresden eine neue Galerie.

Eine Frau wie ein Schemen: Stephanie Kelly gestern in ihrer Galerie, mit Werken von Lars Frohberg, Stephan Ruderisch, Caroline Günther und Matti Schulz.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Alles noch Baustelle. Dieser Eindruck entstand gestern Vormittag. Aber wie so oft ist es ein fest geplanter Termin, der dazu führen wird, dass trotzdem (oder gerade deshalb) alles irgendwann pünktlich funktioniert. Dieses Irgendwann hat Zeit und Ort: Morgen Abend eröffnet in Dresden eine neue Galerie. Und zwar nicht irgendwo, sondern in der Landhausstraße 8, in erstklassiger Lage zwischen Stadtmuseum und Frauenkirche. Ab 18 Uhr sind dann in der Galerie Stephanie Kelly erstmals die Werke von sechs Künstlern vereint, allesamt Absolventen der Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK).

Und entgegen aller Ankündigungen, sie werde nicht kommen, war sie gestern plötzlich doch da, mittendrin: Stephanie Kelly, die Frau, die hinter diesem Projekt steht. Die Galeristin mit der polyglotten Vita einer postmodernen Diva wollte sich offenbar kurz vor der Eröffnung persönlich vom Stand der Vorbereitungen überzeugen. Auf Fragen aber antwortete sie nicht, das gehört wohl zu ihrem Habitus. Es war nur zu erfahren, dass sie zur morgigen Eröffnung ihrer Galerie schon nicht mehr in Dresden weilt.

Ein paar Worte aber sind über Kelly zu verlieren. Auch wenn sich dahinter eine Frau verbirgt, die kaum einer kennt. Deutsch-irische Wurzeln, in den USA lebend, soll sie sich quasi auf der Durchreise in die Stadt Dresden verliebt haben. Ein Engagement pro junge Kunst und zeitgenössische Künstler ist daraus entstanden, gipfelnd in der ihren Namen tragenden Galerie. So die Kolportage.

Sechs Künstler bestreiten also den Auftakt, bis zum 23. Dezember teilen sich Caroline Günther, Max Kowalewski, Arina Essipowitsch, Matti Schulz, Stephan Ruderisch und Lars Frohberg mit ihren Werken die Aufmerksamkeit des Publikums. Kowalewski beispielsweise, der vor seinen Künstlertagen schon Physik und Mathematik studiert hatte, ist ganz erwiesenermaßen auch das Konstruieren des Ingenieurs nicht fremd. Davon zeugt sein "Freiheitsstatuierer" - eine sozusagen fesselnde Vorrichtung, aus der man sich nicht allein befreien kann. Dominierend beim ersten Blick in die noch unaufgeräumte Galerie sind die großen, grauen Bilder Ruderischs, deren Oberflächen immer noch punktuell Zerstörungen zeigen, und die Maskenlandschaften Frohbergs, die dazu noch von der Skulptur "Dino" ergänzt werden, einem eigenwillig amorphen Geschöpf, dessen Hülle fast Hautfalten zu werfen scheint. Eine große Arbeit Essipowitschs wird noch ums Eck gehängt, drei Bilder Günthers sind dagegen bereits untereinander angeordnet.

Auf rund 150 Quadratmetern im sogenannten Frieseneck will Kelly den seit der Aufgabe der Galerie Baer nicht gerade überbordenden Dresdner Galerienmarkt jedenfalls neu befeuern. Maßgeblich unterstützt wird sie vor Ort von einem äußerst gelassenen Vermieter und weiteren HfBK-Absolventen: Marie Athenstaedt, Winnie Seifert, Sara Hoppe, Stephan Franck. Sie alle sehen die Galerie als Alternative zur Produzentengalerie. Bis März sollen vier Ausstellungen gemacht werden, die Schlagzahl ist hoch, die Erwartungen auch nicht gerade klein. Mit der Galerie soll dem Weggang junger HfBK-Absolventen entgegengewirkt und der hiesigen Szene etwas Rouge hinzugefügt werden. Außerdem besteht die Hoffnung, "dass sich Besucher mit den Positionen junger Kunst, die anstrengend sind, auseinandersetzen", sagt Athenstaedt.

Da ist eine Galionsfigur wie Stephanie Kelly vielleicht gerade richtig. Im Gegensatz zu Godot, auf den Wladimir und Estragon bis ans Ende der Zeit warten werden, war sie jedenfalls schon mal da. Als Person und (Selbst-)Inszenierung könnte sie zudem kaum besser in unsere postmodernen Tage passen, die geprägt sind von falschen Dokumenten und nur wenig echteren Erscheinungen. Das vorausgreifende Kurzfazit: New York war gestern, Leipzig kann jeder. Aber Dresden, Kunst, jetzt - das ist doch ein Statement.

Galerie Stephanie Kelly, Eröffnung morgen 18 Uhr, Landhausstr. 8, Mi-Fr 14-18, Sa 16-20 Uhr www.stephaniekelly.de

von Torsten Klaus

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