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In der ehemaligen Ratsherrenstube des Pieschner Rathauses spielt das "August das Starke Theater"

In der ehemaligen Ratsherrenstube des Pieschner Rathauses spielt das "August das Starke Theater"

Was Heinz Erhardt recht war, nämlich "Noch 'n Gedicht" aufzusagen, das ist Detlef-A. Heinichen sowie Randi und Grigorij Kästner-Kubsch nur billig. Allerdings rezitieren sie keine Lyrik, sondern spielen mit Puppen, bescheren/beschenken Dresden mit "noch 'nem Theater", dessen Name da lautet: "August das Starke Theater".

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Theatermitgründer Detlef-A. Heinichen spielt und führt Regie für den Auftakt "Amadeus".

Quelle: PR

Nun ist dem Trio durchaus klar, dass "wenn es etwas gibt, was Dresden nicht braucht, dies ein neues Theater ist". Gleichwohl wagen sie es, haben 30 000 Euro in ihre Bühne gesteckt. Die steht, nachdem man sich verschiedene andere Möglichkeiten angeschaut hatte, nun in der ehemaligen Ratsherrenstube des Pieschener Rathauses, deren reich verzierte Holzdecke den ganzen Charme des Wilhelminismus und der Kaiserzeit versprüht. Aus Gründen des Denkmalschutzes durfte in die Balken kein Nagel hineingeschlagen werden; die Stahlkonstruktion, an der ein Teil der Technik hängt, musste sich selbst tragen. Rund 80 Plätze hat das Theater in der Bürgerstraße 63, das auch mit einem Foyer-Café aufwarten kann. Die Stühle sind dem Geist des Historismus verpflichtet, wirken aber nicht verstaubt.

Und Bühnen-Name hin, Tradition her, "wir wollen kein Barock machen", stellt Kästner-Kubsch klar. Aber wenn sie sich für Gastspiele auf Festivals oder anderen Theatern der Republik bewerben, dann ist der barocke Anklang, den der Name unzweifelhaft hat, sehr hilfreich. Hinten im Saal ist die Königsloge, eine Art Chambre séparée, die zur Eröffnung mit Puppen vollgehängt wird, danach aber sich innig Liebenden, Ehrengästen etc. zur Verfügung steht.

Eröffnet wird am Freitag, 20.30 Uhr, mit "Amadeus" von Peter Shaffer, gefolgt von der grotesken Komödie "Don Juan oder des Satans Masken". Der Bogen spannt sich weiter mit einer Marionetten-Adaption von Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" über "Novocento - die Legende vom Ozeanpianisten" von Alessandro Baricco bis hin zu "Der kleine Prinz" nach Antoine de Saint-Exupéry. Ein literarisch-musikalischer Abend mit Figuren unter dem Titel "Christmond à la carte" gesellt sich ab Dezember zu dem vielfältigen Angebot hinzu.

Die Spieler sind Absolventen der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin und haben in Hagen (Kästner-Kubsch) 16 Jahre und in Bremen (Heinichen) 24 Jahre feste Theater geleitet. Tourneen führten sie durch ganz Deutschland, erhebliche Teile Europas und sogar nach Japan und Südkorea. Auf vielen nationalen- und internationalen Festivals waren und sind sie regelmäßig eingeladen. Diese Kontakte sind heute Gold wert. Freunde wie Volkmar Funke oder Harald Preuß führen in der einen oder anderen Inszenierung Regie, andere wie Barbara und Günter Weinhold oder Annekatrin Heyne sorgen für die Ausstattung, bauen Puppen verschiedenster Art. "Wir wollen nicht alles selber machen, sonst schmort man irgendwann nur noch im eigenen Saft", erklärt Heinichen. "Wir streben unterschiedliche Facetten, andere Optiken an", schon damit sich das Publikum nicht satt sieht."

Das Trio setzt auf modernes Figurentheater mit traditionellen Elementen und will - bis auf die Ausnahmen von der Regel - Schauspiel mit verschiedenen Figurenarten wie Marionetten, Hand- und Knautschpuppen, Schlenker-, Stab- und Tischfiguren sowie Masken- und Schattenspiel verbinden.

Das vielfältige Repertoire reicht von Stücken für Dreijährige bis zu Inszenierungen für Erwachsene, vom Mitspieltheater bis zur Komödie. Thematisch vom dramatisierten Kinderbuch über Märchen bis hin zur Oper. Kasperletheater will man nicht so sehr machen. "Ein bisschen wollen wir durchaus aus der Tradition schöpfen, die es in Sachsen ja reichlich gibt, aber wir wählen schon lieber Stücke, die man so im Puppentheater nicht erwartet", erklärt Grigorij Kästner-Kubsch.

Das eine oder andere Experiment will man wagen, setzt zunächst aber mal auf bekannte Stoffe. "Es gibt so wunderbare Kinderbücher mit tollen Geschichten, die allerdings außer der Fangemeinde keiner kennt", meint Heinichen bedauernd. Deshalb also erst mal "Amadeus" für die großen und "Petterson und Findus" für die kleinen Zuschauer.

Ergänzt wird das Spielplanangebot durch literarische Theateraufführungen mit Figuren, thematischen Theaterevents und Aktionen. Auch eine Art Stammtisch will man einrichten, an dem sich Künstler austauschen können. Workshops möchte man anbieten, in die Erfahrungen einfließen sollen, die man im soziokulturellen Bereich gemacht hat. ",Amateure' denken häufig mit einer gesunden Naivität, die uns leider abhanden gekommen ist", meint Heinichen, dessen Biografie die Verwerfungen, die ein Leben in der DDR bieten konnte, durchaus widerspiegelt.

Von 1978 bis 1980 war er Puppenspieler am Puppentheater der Bühnen der Stadt Zwickau, erhielt dann aber wegen regimekritischer Äußerungen ein Jahr Berufsverbot. Von 1981 bis 1985 arbeitete er am Staatlichen Puppentheater Dresden (damals noch im Goldenen Lamm auf der Leipziger Straße), absolvierte dann 1985 eine Ausbildung als externer Puppenspieler und Regisseur am Puppentheater des Deutsch-Sorbischen Theaters Bautzen und stellte schließlich 1986, genervt durch ständige Stasi-Schikanen, einen Ausreiseantrag, dem stattgegeben wurde. Von 1987 bis 31. März dieses Jahres war er Leiter des THEATRIUM-Puppentheaters, einer festen Bühne inmitten der Bremer Altstadt. Aber auch wenn er im Norden an sich "gut Fuß gefasst" hatte, so will er nun "zurück zu den Wurzeln", will den Neuanfang.

Rund 50 Prozent Auslastung braucht man, um im ersten Jahr finanziell über die Runden zu kommen. Gelder sollen auch Gastspiele bringen, auf Anfrage spielt man in Theatern, Kulturstätten der Kleinkunst, aber auch in Kindergärten, Schulen sowie zu Festen und Feierlichkeiten. Christian Ruf

www.theater-august.de

Karten direkt dort oder unter Tel. 0351/ 26661772

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.10.2011

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