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In der Motorenhalle sind unter dem Titel "Mal schauen!" 90 Werke aus dem Kunsfonds zu sehen - ausgesucht von Laien

In der Motorenhalle sind unter dem Titel "Mal schauen!" 90 Werke aus dem Kunsfonds zu sehen - ausgesucht von Laien

Die Präsentation von Kunst ist absolute Expertensache. Da sind sie sich einig - die Experten. Wer wie was und warum kuratiert, darüber allein sind zahllose Essays verfasst worden.

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Steht in der Motorenhalle fast etwas abseits: André Tempels "Klops-Fahrrad" von 2007, ein Jahr später von Sachsens Kulturstiftung angekauft.

Quelle: Herbert Boswank

Die Entstehung, Choreografie, Inszenierung einer Ausstellung ist ein (Kunst-)Handwerk für sich. Schließlich soll das Publikum nicht nur angesprochen, sondern berührt werden.

Was dagegen passiert, wenn das Publikum selbst in die Rolle des Kurators schlüpft, ist ab heute bis Ende März in der Motorenhalle in der Friedrichstadt zu erleben. Etwa 90 Kunstwerke bilden dort einen eigenwilligen, manchmal kitschig-skurrilen, oft aber interessanten und ungewöhnlichen Kosmos. "Mal schauen!" ist eine Ausstellung, deren Exponate aus dem etwa 25 000 Werke umfassenden Fundes des Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen stammen. Das ist nicht ungewöhnlich. Dass aber fünf Gruppen von Menschen, die hauptamtlich nicht mit der bildenden Kunst verbandelt sind, jene gezeigten Werke aussuchten, ist es schon. Die Kuratoren sind eine fünfköpfige Familie aus Pieschen, die Blue Pearls (Cheerleader der Dresden Monarchs), der Club der mündigen Bürger der Bürgerbühne des Staatsschauspiels, das Team der Beratungs- und Vermittlungsstelle für Kindertagespflege des Malwina e.V. und die Werbegemeinschaft Dresden-Neustadt.

Die Idee dieser Volksnähe hatte die aus Cleveland stammende und seit 1999 in Dresden lebende Künstlerin Janet Grau. "Ich hatte das Gefühl, man müsste mit dieser öffentlichen Sammlung des Kunstfonds mehr spielen", erklärte sie eine ihrer Grundüberlegungen. Das Spielerische darf auch durchaus als das treibende Element in der Motorenhalle bezeichnet werden. Überraschende Interaktionen stellen sich ein, wenn etwa eine Fotografie von Margret Hoppe (die die Wand im Hygiene-Museum ablichtete, an der Gerhard Richters Wandbild einst übermalt worden war) mit dem Bild "Ingenieurkollektiv der Datenverarbeitung" korrespondiert, allein durch eine drückende Leere, die beiden Werken eigen ist.

Natürlich schöpft jede der kreierenden Gruppen aus ihrer unmittelbaren Erfahrung. Die vom Malwina-Team ausgesuchten Exponate haben eine dominierende Familienthematik, die Cheerleader wiederum setzen Akzente mit Themen wie Teamgeist. Die im Kunstfonds existierenden Gruppenbilder aus DDR-Tagen hätten die jungen Mädchen aber nicht angesprochen, ein anderes Werk von 1949 aber schon: Hermann Kohlmanns "Trümmerfrauen". Solche Details stehen stellvertretend für die Schau selbst.

Unter den ausgestellten Künstlern finden sich naturgemäß auch ein paar bekanntere: Hermann Glöckner, Sebastian Hempel, Christian Borchert, Frank Nitsche, Evelyn Richter. Ihre Werke dominieren aber nicht, sie fügen sich ein in die getroffene Auswahl, in Kontexte, von denen vielleicht niemand bisher recht annahm, dass sie existieren könnten. Dieter Bocks unbetitelte, fast bedrohlich wirkende Fotocollage neben Hempels fröhlich kreiselnder Farbscheibe könnte kaum kontrastreicher sein. Werner Haselhuhns "Großes Erntefeld" geht mit Hans-Christian Schinks C-Print "Seehausen" dagegen eine Art Farbsymbiose ein, beide von einem absolut dominanten Gelb geprägt.

"Mal schauen!" kann aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt aufweisen. Die Ausstellung ist der Ersatz für die diesjährige Schaudepot-Ausgabe, eine seit 2007 laufende Reihe, die Kunstwerke in den Depots zeigt. In diesem Jahr gebe es wegen Bauarbeiten am Depot-Standort auf der Marienallee keine Planungssicherheit für die dortige Fortsetzung des Projekts, sagte Silke Wagler, Leiterin des Kunstfonds. Auch deshalb der Umzug in die Motorenhalle.

Und noch etwas anderes war neu für Wagler. Auf Nachfrage räumte sie unumwunden ein, dass es ihr anfangs sehr schwer gefallen sei, nicht einzugreifen in den Auswahl- und Entstehungsprozess der Ausstellung. Mit dem Ergebnis aber zeigt sie sich recht zufrieden. Wenn das Ganze ein Erfolg wird, könnte die Auslagerung der Schaudepot-Reihe aus dem Arsenal des Kunstfonds sogar zur Dauereinrichtung werden, deutete sie an.

Torsten Klaus

bis 31. März, Motorenhalle, Wachsbleichstr. 4, geöffnet Di-Fr 16-20, Sa 14-18 Uhr, Eintritt frei

www.motorenhalle.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2012

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