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In der Dresdner Motorenhalle geht es um Kunst, nicht um Werbung

(Un)Geduldiges Papier auf der Straße In der Dresdner Motorenhalle geht es um Kunst, nicht um Werbung

„ART. NOT ADS!“ Mit diesem Plakatschriftzug der Adbusting-Kunstgruppe „Dies Irae“ begrüßt die aktuelle Ausstellung „(Un)Geduldiges Papier“ in der Dresdner Motorenhalle ihre Besucher. Damit schlagen die beiden Kuratoren der Ausstellung, Denise Ackermann und Frank Eckhardt gleich den Bogen, den sie sich für die Gesamtschau gedacht haben.

die beiden Kuratoren der Ausstellung, Denise Ackermann und Frank Eckhardt

Quelle: Andreas Seeliger

Dresden. „ART. NOT ADS!“ Mit diesem Plakatschriftzug der Adbusting-Kunstgruppe „Dies Irae“ begrüßt die aktuelle Ausstellung „(Un)Geduldiges Papier“ in der Dresdner Motorenhalle ihre Besucher. Damit schlagen die beiden Kuratoren der Ausstellung, Denise Ackermann und Frank Eckhardt gleich den Bogen, den sie sich für die Gesamtschau gedacht haben. Es geht um Kunst, nicht um (kommerzielle) Werbung.

Der (urbane) öffentliche Raum, der nach wie vor von Werbebotschaften auf Plakatwänden und in Leuchtschaukästen dominiert wird, ist heute mehr denn je auch zu einem Ort der kunstaktivistischen Auseinandersetzung geworden. Um der Fülle an Street- und Urban Art Herr zu werden, entschieden sich die Macher, ihre Schau auf Papierarbeiten zu beschränken, dabei aber alles – vom kunstaktivistischen Poster, bis hin zu Stickern, Stencils und Cut outs einzufassen und sie keineswegs nur im regionalen oder zeitgenössischen Rahmen zu verorten. So gibt es in der Ausstellung auch ost-, mittel- sowie westeuropäische Arbeiten zu sehen. Zugleich schlägt sie den zeitlichen Bogen bis zu Künstlern, die sich bereits vor Jahrzehnten aktivistisch auf Plakaten geäußert haben, wie Joseph Beuys oder Christoph Schlingensief beziehungsweise es zum Teil immer noch tun, wie der Altmeister des (westdeutschen) politischen Kunstplakats, der Grafiker und Jurist Klaus Staeck.

Den historischen Abriss bis ins frühe 20. Jahrhundert lässt die Schau freilich aus, geht es hier doch letztlich darum, den aktuellen Diskurs, der spätestens seit 2014 durch die Flüchtlingsthematik und einen europäischen Rechtsruck dominiert wird, aufzufangen. „Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit,“ erklärt Frank Eckhardt. „Aber wir wollen ein gewisses Spektrum zeigen und vor allem für die Kunstform sensibilisieren.“

Viele Aktionen, die dank der sozialen Medien oft schnell viral gehen und sich über den regionalen Raum hinaus massenhaft verbreiten, haben ihren Ursprung in einem gedruckten Stück Papier, das jemand – zumeist illegal und dadurch oft kurzlebig – im öffentlichen Raum anbringt. Sofort kommt da das derzeit wohl bekannteste Phänomen „Barbara“ in den Sinn, der/die/das mit Textzetteln auf öffentliche Werbebotschaften und Hinweisschilder reagiert und sie oftmals satirisch oder politisch kommentiert. Leider ist ‚sie’ in der Ausstellung nicht direkt vertreten. Ähnliche Aktionen wie die „Erinnerungsguerilla“ verweisen aber auf diese Ausdrucksform.

Noch kleiner sind die omnipräsenten Sticker auf Laternenmasten, Eingängen und Stromkästen – hier in den musealen Kontext getragen durch Hunderte Bildchen in großen Rahmen, die das Berliner Sticker-Museum der Motorenhalle zur Verfügung gestellt hat. Im Gegensatz zum kunstaktivistischen Plakat kommt diese Form der Populärkultur gerade erst in der Kunstwahrnehmung an, erzählt Denise Ackermann. Dabei greifen auch die Sticker sämtliche auf der Straße anschlussfähige Themen aus Politik, Medien und Wirtschaft auf, um diese plakativ verknappt und oftmals intelligent umkodiert in die Welt zu tragen. Ähnlich verhält es sich auch mit den Streetart-Formen des Stencils (hier ist allerdings nur die Schablone eine Papierarbeit, das Endergebnis auf der Straße ist gesprayt/gemalt) und des Cut-Outs. Hier hat Denise Ackermann ein paar Arbeiten der Dresdner Künstler Mr. Sasa und Jens Besser zusammengetragen.

Frank Eckhardt erweitert mit den posterkünstlerischen Äußerungen des Ungarn András Király, dem polnischen Plakatkünstler Lex Drewinski, der russischen Kunstaktivistengruppe „Cto Delat?“ (Was tun?) und dem kroatischen Künstler Igor Grubic (dokumentarischer Ausschnitt aus seinem Jahresprojekt mit 366 Performances) den Blick gen Osteuropa. Denise Ackermann wiederum hatte sich Anfang 2016 unter die Pariser Protestaktion „nuit debout“ gemischt und ein Siebdruckplakat des französischen Grafikers Régis Léger mitgebracht, das nun in der Ausstellung gezeigt wird.

Auch das „Zentrum für politische Schönheit“, bekannt für Aktionen, die an sämtlichen moralischen Grenzen stoßen –„dort, wo es wehtut“, ist mit einer Plakatserie im Stil polizeilicher Fahndungsplakate vertreten.

Zentraler Hingucker der Ausstellung, der viele der Künstler noch einmal aufgreift, ist schlussendlich die „Demowand“: eine raumgreifende Anordnung verschiedenster kunstaktivistischer Plakate mit demomäßiger Holzstangenverbindung. Hier taucht auch die eingangs begrüßende Kunstgruppe „Dies Irae“ wieder auf. Ganz oben mittig prangt eines ihrer Antirassismus-Plakate, mit welchen sie im vergangenen Jahr auf die Ausschreitungen gegen eine Freitaler Flüchtlingsunterkunft reagiert und kurzzeitig den Stadtraum eingenommen hatten: „Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm. Der Nazi macht es andersrum.“

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass die Ausstellungsmacher immer samstags von 15 bis 18 Uhr alle Besucher in die mobile, in die Ausstellung integrierte Siebdruckwerkstatt einladen. Hier kann jeder selbst einmal zum Künstler werden, ein Plakat entwerfen und drucken. Im Dezember wird dann ein Publikums- sowie ein Jurypreis vergeben und die Gewinnerarbeiten werden dann Anfang 2017 groß im Dresdner Stadtbild präsent sein.

Ausstellung „(Un)Geduliges Papier. Kunstaktivistische Poster, Sticker, Stencils, Cut Outs...“, bis 19. März 2017 in der Motorenhalle des Riesa Efau (Wachsbleichstr. 4a)

http://riesa-efau.de/kunst-erleben/motorenhalle/un-geduldiges-papier-21116-19317/

Von Susanne Magister

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