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In der Comödie hatte die Musicalkomödie "Rock’n’Roll High School" mit den Firebirds Premiere

In der Comödie hatte die Musicalkomödie "Rock’n’Roll High School" mit den Firebirds Premiere

Zwei Briefe, einer von der Freundin, einer vom Chef genügen, um Bertram Steins Leben zu erschüttern. Frau weg. Job weg. Von ungefähr kam das allerdings nicht.

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The Firebirds geben allem die Würze: Guido Gentzel, Krusty van Friday und Konrad Schöpe (v.l.).

Quelle: Robert Jentzsch

Bertram ist Elvis-Fan, bekennender Hardcore-Rock'n'Roller, also ungefähr so reif wie die Freaks, die ernsthaft glauben, Frauen würden es toll finden, wenn sie in Bettwäsche in Vereinsfarben und Logo ihres Fußballvereins schlafen.

Aber dann trifft Bertram in einer Kneipe auf fünf Jungs einer Band, die ähnlich gestrickt sind wie er. Und genauso erfolglos. Aber Bertram, pardon, ab nun heißt er Berry, wird mittels eines formlosen Vertrags ihr Manager, anders als an Geld, Know-how und Ausstrahlung mangelt es ihm zumindest nicht an Selbstbewusstsein. In die USA, die Wiege des Rock'n'Roll, soll es gehen. Per Bus. Per Schiff. Und damit wird die Komödie "Rock'n'Roll High School", die am Freitag in der Comödie im WTC Premiere hatte, erst mal zum Roadtrip.

Es ist eine Komödie spezieller Natur, die Christian Kühn da verfasst hat: eine Musicalkomödie. Die Musik ist mehr als nur Beiwerk, sie steht gleichberechtigt neben der Handlung, gibt ihr den entscheidenden Schliff, sie rettet eigentlich das Stück, das Kühn den Firebirds aus Leipzig, die auch in Dresden ungemein populär sind, zum 20. Band-Jubiläum auf den adretten Leib geschrieben hat. Denn die Handlung ist noch abstruser und unglaubwürdiger, als es das Genre Komödie ohnehin schon ist. Und diesen Mangel konnte auch Kerstin Polenske nicht beheben, die Regie führte.

Warum das Groupie Mandy (Kristin Baumgartl) sich in Berry (Matthias Manz) verliebt, bleibt unklar, ebenso warum ausgerechnet in der Provinz der Durchbruch gelingen soll. Statt in L.A./Kalifornien ist man nämlich - es ist ja schon so mancher gescheitert, der sich blind auf sein "Navi" verlassen hat - in L.A./Ohio gelandet. In Las Angelas, einem einst von deutschen Einwanderern gegründeten 643-Seelen-Nest. Wo man zwar noch deutsch spricht, sonst aber alle Traditionen der alten Heimat verloren hat, inklusive der des (Bier-)Brauens und (Schnaps-) Brennens. Hier, im gottesfürchtigen Bible Belt der USA, pflegt man noch "Sitte, Anstand und Moral", allen voran Frau Krug, die zum Rock'n'Roll und sonstigen Freuden des Lebens eine ähnliche sauertöpfische Einstellung hat wie einst der sozialistische Kleingeist Walter "Spitzbart" Ulbricht. Aber Berry, Mandy & Co richten's.

An der Seite von Manz und Baumgartl agieren noch - und zwar in verschiedenen Rollen - Kathleen Gaube, Dietmar Burkhard und Dorothea Maria Kriegl. Auch die fünf Mitglieder der Firebirds schlagen sich schauspielerisch achtbar, aber musikalisch haben sie eindeutig mehr auf der Palette. Die Handlung von Kühns Werk ist nicht umwerfend neu. Der Film "Footloose", in dem Kevin Bacon die spießige Kleinstadt Bomont aufmischt, lässt grüßen. Die Komödie Kühns hat zudem so ihre Längen, aber zum Glück auch ein paar hübsche Insiderwitze ("Timing ist not a Chinese Restaurant") sowie allerlei amüsante Seitenhiebe, etwa den auf das amerikanische Bier, das "ein gelungener Versuch (ist), Wasser zu verdünnen".

Die Musik geht allemal in die Beine, aber Rock'n'Roll als "zeitgenössische Musik" zu bezeichnen, ist entschieden zuviel des Versuchs der ohnehin nicht nötigen Ehrenrettung. Zeitgenössisch, das ist derzeit nun mal u.a. Lady Gaga, die zum Auftakt des in der Aussage inkonsequenten Stücks durch den Kakao gezogen wurde, und in zehn Jahren halt wieder was anderes. Aber die Musik ist famos, und es wird beileibe nicht nur Rock'n'Roll in die Gehörgänge gepustet. Die Überfahrt nach Amerika müssen sich die fünf Musiker nämlich - während Berry als blinder Passagier im Laderaum ausharren muss - verdienen. Als Bordkapelle - "Cindy und Gerd sind ausgefallen" - spielen sie mal im Matrosenanzug Seemannslieder wie "La Paloma". Dann wieder müssen sie, am "Lateinamerikanischen Abend", im Poncho mit Latino-Rhythmen die Bordgesellschaft unterhalten. Am nächsten Abend lautet das musikalische Thema dann "Musical". Die harte Überfahrt, die in diesem Fall nicht nach Sansibar ging, wie sie Achim Reichel in "Aloha Heja He" schildert, hätte ruhig noch länger dauern dürfen.

Da ist unglaublich viel gut ausgespielte Situationskomik mit im Spiel. Alexander Teich, auf "Cats", geschminkt sorgt ebenso für Lacher wie Konrad Schöpe mit "Phantom der Oper"-Maske. Und auch später in L.A. machen die Firebirds gute Figur als Gospel-Jünger. Das schwungvolle "Amazing Grace" lässt keine Wünsche offen, perfekt auch das im Stil von Louis Armstrong im tiefsten Bass geröhrte "As Time Goes By". Die Firebirds machen der Bezeichnung Showband mal wieder alle Ehre. Wer sie aus welchem fadenscheinigen Grund auch immer bislang immer noch nicht gesehen haben sollte, der sollte die Gelegenheit beim Schopf packen.

Christian Ruf

Nächste Vorstellungen: bis 11.3. und 20.3 bis 1.4., Karten unter Tel. 0351/86 64 10

www.comoedie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.03.2012

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