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In der Comödie Dresden hatte Peter Quilters derb-frivoles Stück "Am Morgen danach" Premiere

In der Comödie Dresden hatte Peter Quilters derb-frivoles Stück "Am Morgen danach" Premiere

Im Prinzip beschreibt Peter Quilters Stück, das im Juni 2012 uraufgeführt wurde, ja eine ganz normale Situation zwischen ihr und ihm. Oder zumindest die eigentlich zeitgemäße, von der es gleichzeitig unzählige Filme, Romane, Schlager, Theaterstücke gibt.

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Inszenierung mit Einblicken: Jacob Weigert (Thomas) und Maja Maneiro (Kelly).

Quelle: Robert Jentzsch

Die Vorlage entspricht daher gewissermaßen einem sich immer wiederholenden Schnittmusterbogen. Was nicht heißt, dass daraus nicht hin und wieder etwas Neues, Originelles erwachsen kann. Regisseur Christian Kühn befreite den Text aus Quilters Vorlage nahezu komplett von sinnstiftenden Inhalten und reduzierte die Handlung auf das ihm Wesentliche: die Erotik, den Sex und krude Sprüche.

Worum geht es? Sie und er lernen sich auf irgendeiner Fete in irgendeiner Disko oder Kneipe kennen. Besonders an den Wochenenden kühlen die Betten junger Leute niemals aus. Das ist ja auch überhaupt nicht unnormal, im Gegenteil. Denn den Partner langwierig auf Herz, Nieren und den Charakter zu prüfen, bevor er (oder sie) mit ins Bettchen bei ihr (oder ihm) darf, scheint ein Rudiment des 20. Jahrhunderts zu sein.

Rutscht als Nonplusultra doch heute eher die Prüfung auf sexuelle Tauglichkeit in den Mittelpunkt und wird sozusagen zum wichtigsten Muss. Und zwar bei beiden Partnern. Dass solch ein Prozess selten ganz reibungslos abläuft, gehört zur Normalität des Lebens. So wie auch die Liebe, die Eifersucht und der geradezu vorprogrammierte Streit über weit auseinanderdriftende Standpunkte dazu gehören.

Was also geschieht, wenn sie - Kelly - und er - Thomas - nach einem heißen Abend in einer Disko und einer wohl noch heißeren Nacht im Bett bei ihr zu Hause aufwachen? Kelly (Maja Maneiro) kommt ziemlich bald und ziemlich deutlich auf den Punkt. Ihr Bettpartner gefällt ihr schon von seinem Äußeren her. Auch was den Sex mit ihm betrifft, ist sie sichtlich zufrieden. Und so hört sie schon in Gedanken bereits die Hochzeitsglocken läuten.

Der Morgen danach startet mit einem Nana-Mouskouri-Schlager, der bitterlich beklagt, dass Glück wie ein Schmetterling sei. Und er startet ebenso damit, dass Kelly Gelegenheit findet, ihren tief schlummernden splitterfasernackten Bettpartner Thomas (Jacob Weigert) im Morgenlicht ungestört betrachten zu dürfen. Was sie sieht, gefällt ihr, sie fotografiert es mit dem Handy und schickt das Bild umgehend an ihre Mutter Barbara (Julia Klawonn). Die scheint gleich um die Ecke zu wohnen, denn sie ist im Handumdrehen zur Stelle. Macht die Tochter nun den Eindruck eines ganz normalen Teenagers der Gegenwart, so hat man bei der Mutter den Anschein, einer völlig durchgeknallten Frau zu begegnen, die offensichtlich den natürlichen Alterungsprozess auf Dauer ignorieren möchte. Stattdessen will sie permanent mit ihren Lebenserfahrungen an der erotischen Flanke zur Stimulanz zwischen dem Töchterchen und deren neustem Fang glänzen.

Unter vier Augen will es Barbara noch sehr viel detaillierter wissen. Und traktiert ihre Tochter so mit der Forderung: "Erzähl mir mehr über seinen Penis!" Sie lobt die aktive "Schniedelschnatterei" zwischen Kelly und deren Neueroberung und hält auch mit allerhand deftigen Ratschlägen nicht hinterm Berg. Einer davon lautet: "Macht es, so oft ihr nur könnt!" Doch nicht allein zu diesem Zweck zieht Thomas nun bei Kelly ein.

Dann rückt der Hochzeitstermin heran inklusive weiterer Verwandtschaft seitens der Braut. Wozu auch Onkel Martin (Peter Anders) gehört, dem die Regie die schamloseste Szene des Stücks zumutete. Außerdem taucht noch ein Señor Sanchez (Tom - David Ulke) und eine Marta (Katja Kühne) von der "Virgin Airlines" auf, die beide aber wohl lediglich den Status von Verlobungs- oder Hochzeitsgästen innehaben. Das I-Tüpfelchen der Inszenierung aber setzt der Hauptdarsteller dem Ganzen auf. Er, der über lange Strecken nackt auf der Bühne agierte, scheint sich auf einmal dieser Nacktheit bewusst. Und schämt sich dessen sogar zutiefst gegenüber seiner zukünftigen Frau Kelly.

nächste Vorstellungen: täglich bis zum 24. Mai

www.comoedie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2015

Wolfgang Zimmermann

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