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In bester Tradition heiter: Mitreißende Premiere für Smetanas "Verkaufte Braut" an der Staatsoperette Dresden

In bester Tradition heiter: Mitreißende Premiere für Smetanas "Verkaufte Braut" an der Staatsoperette Dresden

Für die einen hat das Herz ganz und gar nichts mit einer Heirat zu tun, das Geld um so mehr, für die anderen zählt allein das Herz. Und um dem zum Sieg zu verhelfen und die Richtigen zu vereinen, muss man herzhafte Tricks anwenden.

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Tatjana Gazdik (Marie) und Richard Samek (Hans).

Quelle: Stephan Floß

Jedenfalls lieben sich in Bedrich Smetanas heiterer Oper "Die Verkaufte Braut" Marie und Hans. Heiraten aber soll sie den Wenzel, Sohn des reichen Grundbesitzers Micha (Herbert G. Adami) und seiner Frau Agnes (Carolin Masur). Dieser Deal wurde schon vor Jahren aufgesetzt, um Maries Eltern vor dem Ruin zu retten, denn der Wenzel bringt was ein in die Ehe. Jetzt ist es so weit, auch Heiratsvermittler Kezal wittert das große Geschäft. Nur Marie weigert sich, einen Unbekannten zu heiraten, und ihre Eltern (Ingeborg Schöpf und Christian Grygas) müssen gute Miene zum herzlosen Spiel machen.

Aber Verträge haben Haken oder man sollte das Kleingedruckte lesen. Der benannte Bräutigam wird als Michas Sohn bezeichnet, aber der hat ja zwei, einen aus erster und einen aus zweiter Ehe. Der Erstgeborene hatte sich auf und davon gemacht, als die Stiefmutter kam, und jetzt - natürlich gänzlich unerkannt im besten Stile einer komischen Oper - ist er wieder da. Es ist der schöne Hans, der so gut zur schönen Marie passt. Und nun noch ein paar Missverständnisse, ein paar Scheine mehr, und am Ende sind alle glücklich oder doch nicht? Jedenfalls bis der Vorhang fällt, hält das Glück im böhmischen Bilderbuchdorf um 1865. Aber der fällt schnell, bevor am Ende es sich doch noch einer überlegen könnte, ob denn hier wirklich alles so seine Richtigkeit hat.

Smetana heißt auf deutsch so etwas wie Sahne, und die von böhmischer Volkstümlichkeit im besten Sinne durchzogene Musik ist wahrhaft köstlich. Schon die virtuos gesetzte Ouvertüre mit ihren atemberaubenden Passagen ist einfach zum Abheben, darauf eine exzellente Chorszene, Lyrik und Leidenschaft in den Arien, Duetten, Szenen und Ensembles, mitreißende Ballettmusiken, geschickt in die Handlung gefügt, ein üppiges Bukett leuchtender Farben des Herbstes zum Kirchweihfest in einem Dorf, umgeben von den Klängen aus Böhmens Hain und Flur.

In der Inszenierung von Arne Böge könnte diese Neuproduktion der Staatsoperette Dresden aber auch "Wenzels Traum" heißen, denn dieser liebenswürdigen Gestalt hat der Regisseur viel Aufmerksamkeit geschenkt, ansonsten lässt er die Protagonisten stehen, singen oder reden. Wenzel, der naive Stotterer, berührend in Gesang und Spiel von Hauke Möller dargestellt, träumt sich schon zur Ouvertüre mit seinen Schmetterlingsflügeln inmitten tanzender Geister in die Leichtigkeit des Seins. Später wird ihm der tanzende Tod begegnen und am Ende, wenn er mit dem Wanderzirkus von dannen zieht, wird für den so oft gedemütigten großen Jungen zumindest für Augenblicke ein schöner Traum wahr. Jeannette Oswald nähert sich als Tänzerin Esmeralda diesem Außenseiter dermaßen zart, dass hier wirklich allein der flüchtige Moment zählt.

In Hendrik Scheels Ausstattung agiert das Ensemble frisch gebügelt in böhmisch-folkloristisch orientierten Kostümen, vorwiegend rotbäckig im dörflichen Festzelt unterm Schutz eines barocken Engelchens, und wenn es sein muss, wird das Zelt zur Scheune voller Strohballen.

Gesanglich ist der Tenor Richard Samek als Micha Star des Abends, der Gast aus Prag überzeugt rundum. Tatjana Gazdik ist die selbstbewusste Marie, der man mehr lyrische Qualitäten und vor allem Strahlkraft in den Höhen wünscht. Höchst anstrengend wird es auch für Elmar Andree als Kezal, was nicht nur an seiner verzwickten Aufgabe liegt, dafür zu sorgen, dass das Geld stimmt, auch gesanglich wird es immer wieder ganz schön eng. Mit augenzwinkernder Spielfreude präsentiert sich Barry Coleman als Zirkusdirektor aus dem Traumland seliger Zeiten tschechischer Wanderzirkusse à la "Humberto".

Und überhaupt der Zirkus. Da legen die Mitglieder des Balletts in der Choreografie von Radek Stopka eine Nummer nach der anderen hin, flink und flott, das Publikum ist begeistert. Der Tanz, ob in Traumsequenzen oder als neoklassische Vision in einem Schattenbild zum betörenden Duett von Marie und Hans im ersten Akt oder in überschäumender Lust bei Polka und Furiant: Dass dieser Tanz nicht nur so heißt, verstehen Stopkas Tänzerinnen und Tänzer bestens zu vermitteln. Die Mitglieder des Orchesters der Staatsoperette unter Leitung von Chefdirigent Andreas Schüller begeben sich mit hörbarer Lust ins musikantische Geschehen. Schon in der dahinsausenden Ouvertüre lassen sie nach kurzen, melodisch besinnlichen Momenten die Fuge aufbrausen, die volksliedhaften Elemente und Empfindungen kommen im Verlauf des Abends nicht zu kurz, und wenn es sein muss, dann kracht es auch mal richtig los.

Aufführungen: 15./16. Mai, Staatsoperette

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2014

Boris Gruhl

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