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In aufgeheizter Stimmung: Philharmoniker schlossen Dresdner Konzertsaison ab

In aufgeheizter Stimmung: Philharmoniker schlossen Dresdner Konzertsaison ab

Ungewöhnlich früh, schon vier Wochen vor Beginn der Schulferien, absolvierte die Dresdner Philharmonie am Wochenende ihr letztes Konzert der Spielzeit. Freilich nur für das hiesige Publikum, denn Grund für diese Terminkonstellation ist eine am Mittwoch beginnende Tournee zunächst nach Großbritannien und dann weiter nach Japan und Korea.

Während also für das Orchester noch stolze 14 Konzerte anstehen, setzten die Musiker daheim unter Leitung des Ersten Gastdirigenten Bertrand de Billy schon mal einen eindrucksvollen Schlusspunkt, eigentlich mehr ein Ausrufezeichen hinter die Saison. Zumal es obendrein der meteorologische Zufall wollte, dass das an sich schon nicht alltägliche Programm zum in Töne gegossenen Abbild der Wetterlage gedieh - voller flimmernder, sich aufheizender Stimmungen, die sich brodelnd entladen.

De Billy, als Gastdirigent angetreten, um das hiesige Publikum mit selten zu hörendem (nicht nur) französischen Repertoire zu konfrontieren, eröffnete mit der Sinfonie Nr. 2 von Henri Dutilleux. Das 1959 entstandene Werk des vor zwei Jahren verstorbenen, stets einen ganz eigenen Stil verfolgenden Komponisten trägt den Beinamen "Le Double" in Anspielung auf die Einteilung des Orchesterapparates in ein mit zwölf Musikern besetztes Concertino (inklusive Cembalo und Celesta!) und ein großes Tutti. Die Möglichkeiten dieser Konstellation reizt Dutilleux vom Korrespondieren bis zum Nebeneinanderher voll aus. Das zu verfolgen, mag dem Hörer Herausforderung sein, zumal die dreisätzige Sinfonie thematisch sehr in sich kreist, doch bergen die mal reizvollen, mal aufreizenden Ergebnisse, die irisierenden Klangfarben, die motivische Arbeit überaus spannende Eindrücke. De Billy und die Philharmoniker boten eine wirklich ausgereifte Interpretation, die höchstens in der rein akustischen Verortung von Concertino und Tutti ab und an Reserven hatte, doch da gibt das Albertinum als Konzertort einfach nicht mehr her.

In den Passagen vehementer Motorik wie den speziellen Klangfarben lassen sich trotz ganz unterschiedlicher Hintergründe in Herkunft und Kompositionsweise durchaus Parallelen ziehen zu Aram Chatschaturjans Klavierkonzert, das nach der Pause folgte. Mit de Billys Landmann Jean-Yves Thibaudet als Solisten hatte die Philharmonie einen schillernden Vertreter seiner Zunft zu Gast, sehr vertraut mit Chatschaturjans Werk, erhaben über jedwede technische Anforderung und voller Unbedingtheit im Musizierwillen. Was ihm vielleicht diesmal in der Hitze des Gefechts etwas zu sehr in den Vordergrund rückte; der pointiert-aufgerauhten, zügig durchmessenen Musik wären mehr Momente innerer Schwere und Tiefe zu wünschen gewesen. Die Grenze zur Lärmigkeit rückte manchmal in gefährliche Nähe, was berückende Szenen wie den Einsatz der Singenden Säge (Ricarda Micada als Gast) im Mittelsatz zu überlagern drohte.

Mit Maurice Ravels "Pavane pour une infante défunte" als Zugabe bahnte Thibaudet den Weg zu "La Valse" als wirkungsvollem Finale. Für Bertrand de Billy bot sich mit diesem Ravel die Möglichkeit, die perfekt geführten Zügel auch einmal etwas lockerer zu lassen, sich gemeinsam mit den Philharmonikern den genialen Farben und Formen dieses Poems genussvoll hinzugeben. Dass ein paar mehr subtile Finessen denkbar gewesen wären, gehörte am Ende wohl einfach zur Stimmung des Abends und war vielleicht tatsächlich der im wahrsten Sinne des Wortes aufgeheizten Atmosphäre unterm Scheinwerfer geschuldet. Gleichwohl gelang ein inspiriertes, brillantes Miteinander von Orchester und Dirigenten, das die Vorfreude auf die neuerliche Zusammenarbeit wachsen lässt. Wiederum drei Programme wird der Franzose in der kommenden Spielzeit dirigieren und sich auch weiterhin mit dem Orchester auch auf abseits der musikalischen Hauptwege liegende Pfade begeben.

Besucherrekord bei Händel-Festspielen

Mit einem Besucherrekord sind gestern in Halle die Händel-Festspiele zu Ende gegangen. Bei den mehr als 100 Veranstaltungen und Konzerten zählten die Veranstalter in den vergangenen zwei Wochen mehr als 51 000 Zuschauer, ein Zuwachs von rund 15 Prozent zum Vorjahr. Der Ticketverkauf lag bei 84 Prozent.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2015

Sybille Graf

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