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In München zieht man zur Musik von Miroslav Srnka an den „South Pole“

Opernpremiere In München zieht man zur Musik von Miroslav Srnka an den „South Pole“

Die Bayerische Staatsoper in München zelebriert die Eroberung des Südpols mit der Oper „South Pole“ von Miroslav Srnka mit einer Starbesetzung auf allen Positionen. Ein ästhetisch und musikalisch beeindruckendes Unterfangen.

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„South Pole“:

München. Ganz gleich, wie man die jüngste Opernnovität namens „South Pole“ des tschechischen Komponisten Miroslav Srnka beurteilen mag, die Art, wie Nikolaus Bachler ihr zu Bühnenehren verholfen hat, ist beispielhaft. Nicht als verschämtes Feigenblatt, um Insider und das Feuilleton mit einem Beispiel des immer wieder angemahnten, aber dann nicht wirklich geliebten Neuen zufrieden zu stellen, sondern als Haupt- und Staatsaktion. Mit dem besten, was sein Haus aufzubieten hat: vom exzellenten Münchner Opernorchester in grabenfüllender Kopfstärke und Klangkraft und seinem GMD Kirill Petrenko am Pult. Über den längst allseits gefeierten Senior der deutschen Regieaufregergilde Hans Neuenfels als stilsicheren szenischen Expeditionsleiter. Bis hin zu den beiden Weltstars Thomas Hampson und Rolando Villazon als Protagonisten dieses Bariton- versus Tenor-Männerwettkampfes, zu dem die Geschichte von der Eroberung des Südpols durch Amundsen und Scott auf der Münchner Opernbühne auch geworden ist.

Eine gängige, nachspielbare Moderne

Dem 1975 in Prag geborenen Komponisten ist hier jedenfalls eine Ehre zuteil geworden, als wäre er der leibhaftige Nachfahre von Dvorak oder Janacek. Freilich mit der universellen Musiksprache einer gängigen, nachspielbaren Moderne. Die Libretto-Sprache des Australiers Tom Holloway ist vermarktungsfreundliches Englisch, in der deutschen Übertitelung durchaus mit einem gewissen Hang zur Männerzote und ohne allzu übertrieben poetischem Ehrgeiz.

Beim Komponieren dürfte Srnka die Luxusbedingungen der Uraufführung mitgedacht haben. Er versteht sich auf das große Orchester, bewältigt die selbstgestellte Aufgabe einer Doppeloper. Zwei Handlungsstränge laufen so parallel, wie die norwegische und die britische Expedition 1911 mit Roland Amundsen und Robert Falcon Scott an der Spitze tatsächlich auf den Südpol zugesteuert sind. Mit Konditionsvorteilen bei den baritonal gut aufgerüsteten Norwegern.

Gleißend schneeweiße und Eiseskälte evozierende Bühne

So wie die Komposition mit der synchron zelebrierten Symmetrie spielt und ihnen eine Mannschaft aus Tenören gegenüber stellt, ist auch die gleißend schneeweiße und Eiseskälte evozierende Bühne geteilt. Rechts der durchweg hochsouveräne Thomas Hampson als Amundsen mit seinen Leuten und Hunden. Links die Mannschaft von Scott mit ihren Ponys und einem Motorschlitten. Dass Rolando Villazon dabei auch diesmal an die Grenzen seiner Möglichkeiten geht, macht sein tödliches Scheitern auf dem Rückweg authentisch. Hans Neuenfels’ Melange aus Stilisierung innerer Kämpfe und realistischen Versatzstücken im weißen Bühnenkasten von Katrin Connan ist der szenische Verstärker für die von Kirill Pertrenko mit großer Geste und souveräner Übersicht im Graben erzeugten weitflächigen Klangkälte, die fasziniert, immer mal aufbricht und Angst macht. Die beiden Männer wärmt allenfalls der imaginierte Kontakt mit ihren daheim gebliebenen Frauen, die Tara Erraught in Schwarz und Mojka Erdmann in Weiß der Männertruppe als vokalen Ausgleich und auch hier auf Symmetrie bedacht, beifügen.

Für die Protagonisten hat dieser Südpol einiges zu bieten. Lässt man sich auf diese Expedition in die Schnee- und Eiswüste ein, kann man sich in einem optisch und klanglich heruntergekühlten Gesamtkunstwerk aber auch an einigen berührenden Elementen aufwärmen. Und man erfährt einiges über den menschlichen Preis, den solch männlicher Forscher- und Erobererehrgeiz allemal hat. Das Münchener Premierenpublikum machte die Reise im Ganzen begeistert mit.

Nächste Vorstellungen: heute, am 6., 9., 11. Februar und 5. Juli, Bayerische Staatsoper in München

www.staatsoper.de

Von Joachim Lange

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