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In Dresden vorgestellt: Strömkarlen und ihr neues Album "Nu Rinner Solen Op"

In Dresden vorgestellt: Strömkarlen und ihr neues Album "Nu Rinner Solen Op"

Der Frühling ist da, was jetzt in der Natur nicht grünt, ist wirklich tot wie Kamenz-City an einem Sonntagvormittag. Wenn man sich jetzt noch vorstellt, dass die Winter in Skandinavien ja noch viel länger sind, es dort am Abend, nein, sogar schon am Nachmittag noch früher dunkel wird als bei uns, dann kann man sich denken, wie die Menschen dort oben den Frühling herbeisehnen und begrüßen.

Es mangelt auch nicht an (folkloristischem) Liedgut, in dem der Freude entsprechend Ausdruck verliehen wird.

Und so hat sich auch das deutsch-schwedische Trio Strömkarlen bei der Produktion des neuen, vierten Albums "Nu Rinner Solen Op", das es jetzt in der Dreikönigskirche vorstellte, inspirieren lassen. Und wenn man ganz genau hinhöre, versicherte Gitarist und Sänger Stefan Johansson zum Auftakt, dann "hört man sogar die alten Götter". Nun, ich für meinen Teil musste ja frei nach einem Puhdys-Hit konstatieren "Doch die Götter schweigen"; aber das, was zu hören war, war in punkto Ideenreichtum aller Ehren wert.

Schon der Auftakt, als der Gesang durchs Gotteshaus dröhnte und Guido Richarts der Drehleier Töne entlockte, die so mystisch waren, dass man sich fast wünschte, die Gruppe würde künftig noch etwas bordunlastiger werden. Vor allem der Gesang Christina Lutters ist die pure Sinnlichkeit, verleiht er doch so manchen melancholischen Liedern das gewisse Etwas an emotionaler Tiefe. Und was ihr Flöten- und Geigenspiel angeht: Man will ja eigentlich nicht ständig Eulen nach Athen tragen wie derzeit Kreditpakete, aber wer sie noch nicht gehört hat, hat echt was versäumt im Leben. Und auch was Richarts am Kontrabass oder auf dem Klavier sowie der vielseitige Percussionist Stephan "Steppel" Salewski als aufmerksamer Gast an Tönen beisteuerten, war allererste Güte.

Die Arrangements des in Dresden lebenden Gespanns sind famos wie eh und je. Weil ungemein nuancenreich. Vor dem Ideenreichtum kann man nur den Hut ziehen. Der leichte Fluss und die scheinbare Mühelosigkeit beim Auftritt täuschen über die hohe Komplexität der Tongeflechte hinweg. Bei Strömkarlen wird, was zugegebenermaßen erfreulich vielen Folkgruppen in Skandinavien gelingt, aus (scheinbar) einfachen Volksliedern große Kunst. Wohltuend: Die erzeugte Melancholie driftet nie in Süßlichkeit ab. Manchmal ist's schon fast ein Schlenkerchen zu viel, denn manche Motive und Melodiebögen werden fast verschenkt, so "kurz" fallen sie aus - wobei diese Art des Empfindens von Zeit vermutlich sehr subjektiv ist. Und bei aller Liebe zu Skandinavien - immer wieder biegt Strömkarlen Richtung Irland oder Schottland ab, unternimmt mit "Náttin millum bjartar stornur" gar einen Ausflug zu den Färöer-Inseln, deren "Schönheit der Natur", die auch in diesem Fall im Auge des Betrachters liegt, mit Inbrunst besungen wird.

"Musik zwischen den Welten": Fr, 20 Uhr, Dreikönigskirche: "Den femte Soster" mit Harald Haugaard & Helene Blum Ensemble, Dänemark

6.5., 20 Uhr, Kleines Haus: "Keep on Singing" mit The Sands Family, Irland

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.05.2012

Christian Ruf

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