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Immer nah dran - Der Antikriegsfotograf James Nachtwey

Immer nah dran - Der Antikriegsfotograf James Nachtwey

Der New Yorker Fotograf James Nachtwey erhält den mit 25 000 Euro dotierten Dresden-Friedenspreis. Er wird am 11. Februar 2012 bei einem Festakt in der Semperoper verliehen, teilten die Organisation "Friends of Dresden" und die Oper gestern mit.

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Der New Yorker Fotograf James Nachtwey im Mai 2009 in Berlin vor einigen seiner Fotos.

Quelle: Britta Pedersen dpa

Die Auszeichnung wird von der Klaus Tschira Stiftung (Heidelberg) und den "Friends of Dresden" vergeben. Die Laudatio auf Nachtwey soll Regisseur Wim Wenders halten. Im Anschluss an die Verleihung wird im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden eine Ausstellung mit Arbeiten Nachtweys eröffnet. Der 63-Jährige gilt als einer der bedeutendsten Kriegsfotografen der Welt.

Der Dresden-Friedenspreis würdigt Leistungen von Menschen, die im Dienste des Friedens vor allem präventiv wirken und Eskalationen verhindern helfen. Die Auszeichnung wird im Umfeld des Jahrestages der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg (13./14. Februar) verliehen und soll auch ein Zeichen gegen die versuchte Vereinnahmung dieses Datums durch Neonazis sein. Bisherige Preisträger sind der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und der Musiker und Intendant Daniel Barenboim.

"Bilder vom Krieg sind oft nur andere Waffen in den Händen der Kriegführenden, verharmlosen den Krieg, rechtfertigen den Krieg oder bereiten darauf vor", sagte Wenders in der Ankündigung zum Termin. Nachtwey ergreife Partei für die machtlosen Opfer und gebe ihnen mit seinen Bildern Waffen in die Hände, mit denen sie sich endlich wehren könnten. "Seine Fotos lassen sich von den Machthabern nicht für ihre Zwecke instrumentalisieren."

Für Nachtwey wurden Anfang der 70er Jahre schockierende Bilder aus dem Vietnam-Krieg zum Anlass, sich der Kriegsfotografie zu widmen. Seither porträtiert er die Kriege und Krisen in aller Welt. Er selbst sieht sich eher als "Antikriegsfotograf". Nachtweys Credo: "Ich war ein Zeuge, und diese Bilder sind mein Zeugnis. Die Ereignisse, die ich festgehalten habe, dürfen nicht vergessen und nicht wiederholt werden." Nachtwey machte Aufnahmen unter anderem in Nordirland, im Sudan, in Ruanda, Somalia und Afghanistan.

Nachtwey fotografierte aber auch in seiner eigenen Stadt, in New York, die er angesichts des Leids an so vielen Orten der Welt immer als sicheren Rückzugsort gesehen hatte. Am 11. September 2011 war er daheim, gerade aus Frankreich zurück, und wurde Zeuge der verheerenden Anschläge auf das World Trade Center. Nachtwey, der analog fotografierte, füllte an jenem Tag 27 Filmrollen, ließ sie fast zehn Jahre lang unberührt. An jenem Tag konnte sich Nachtwey nur knapp in ein Hotel und dort in einen Fahrstuhl flüchten, als der Nordturm zusammenstürzte. Er selbst glaubte für Momente, dass das sein Ende sei. Dieses Gefühl an einem Ort zu verspüren, der bis dato so weit ab wie nur möglich jeglicher kriegerischer Akte lag, muss ihn zutiefst beunruhigt haben. Eine Auswahl jener Fotos, wie der einstürzende Südturm vor dem Kreuz der nahen Kirche Saint Peter, zeigte er im Herbst in Mailand.

Für die Dresdner Ausstellung im Militärhistorischen Museum dürften andere Fotos Nachtweys ins Blickfeld rücken: die des Kriegsberichterstatters, ob nun in Bosnien, Ruanda oder Tschetschenien. Kaum ein anderer Platz sollte besser geeignet sein, sie zu zeigen.

dpa/DNN

www.friendsofdresden-deutschland.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.12.2011

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