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Im gemütlichen kleinen Keller: Veda Hille begeisterte ihr Publikum in der Dresdner Tonne

Im gemütlichen kleinen Keller: Veda Hille begeisterte ihr Publikum in der Dresdner Tonne

Gegen Ende war es so etwas wie ein Familientreffen: Veda Hille aus dem kanadischen Vancouver, das erste Mal in dem "cosy little cellar", dem gemütlichen kleinen Keller, dem aktuellen Zuhause der Tonne, aber bereits ungezählte Male in Dresden, und ein Gast tauschen Erinnerungen aus an ein Konzert vor 15 Jahren oder vor 20 Jahren.

Eine Sommernacht irgendwie im Freien, gleich über die Straße, in einer alten Burgruine... Und in Erinnerung an jenen Abend gibt's eine großartige Zugabe, gewünscht von jenem damals anwesenden Gast: "You are so beautiful". "Beautiful and fierce" heißt es darin, wunderschön und grimmig. Irgendwie passt das zu Hille, bei der man ja stets denkt, dass die all das Scheußliche in der Welt sieht und erkennt und sich dann bewusst für das Schöne entscheidet. Und die zweite und letzte Zugabe über einen Frühling, die fasst es wirklich zusammen: "It knocks me down, it slays me." Wie ihre Songs, ihr Klavierspiel, auf das sie sich an jenem Abend beschränkt. Versklavte solcher Lieder, das sind wir gern!

Die Kombination aus diesem Spiel und ihrem Gesang, sie lässt einen manchmal an die klassischen Lieder Robert Schumanns denken. Die Tastenkunst kompliziert-einfach-schön, der Gesang geschult, kehlig, verlässlich. Die Stories dahinter... "If you do nothing it means nothing", ist so eine Feststellung aus "Bedlam" das zum Schluss schön ironisch Frank Sinatra zitiert: "Regrets I've had a few - but then again: too few to mention."

Angesichts all dieser Facetten der Texte sowie dessen, was Veda Hille zwischen den Songs erzählt, lohnt es sich, die Ohren zu spitzen. Und dennoch entgeht einem immer etwas, ob sie von dem Berg erzählt, den sie besteigen will, oder von Berlin, wo sie die letzten zwei Monate gelebt hat, von ihrem fünfjährigen Sohn, mit dem sie dort den Zoo besuchte, oder ihrem Mann, für den sie bis heute das eine oder andere Liebeslied schreibt.

Zu Boogie-Rhythmen besingt sie Großstadtszenen von Junkies, die in den Gassen kämpfen, unter einer speziellen Sonne. In einem, ihrem Sohn gewidmeten, neuen Song wünscht sie, sie könnte ihm erklären, wie es ist, älter zu werden und die gleichen Gefühle Jahr für Jahr für Jahr wieder zu haben. Wunderschön und grimmig eben.

Es gibt Songs aus einem Musical mit Texten eines jungen Mannes mit Down-Syndrom, so gespickt mit Flüchen, dass Hille sich danach fragt, ob sie das wohl das letzte Mal, als sie in der Stadt war, in der Dreikönigskirche, auch gespielt hat - "wahrscheinlich nicht"; "Plancks Length" über eine Regel der theoretischen Mathematik, die sich so unlogisch anhört, dass man spontan begreift, warum sie daraus ein Lied gemacht hat, das ergreifend herrliche alte "Precious Heart", in dem es heißt: Du denkst, du bist verloren. Schau nur nach unten und sieh diese Füße und konzentrier dich auf den nächsten Schritt. Verwechsel bloß nicht Licht und Hitze.

Die Songs über Emily Carr, die Ma- lerin und Dichterin aus British Co- lumbia, sie zählen wohl zu den bekanntesten Stücken Hilles. Und obwohl das Album vor 15 Jahren erschien, sind sie noch genauso perfekt wie am ersten Tag. Das macht solche Musik eben aus. Und wieder gibt es den Schwenk ins Witzig-Ironische, wenn sie ein Stück aus einem weiteren Musical über Kleinanzeigen singt und 200 ausgestopfte Pinguine anpreist. Ein eigener neuer Song über Berlin führt sie zu Brian Eno, und zwei in- tensive Sets enden schließlich mit "Luck, lucky, lucky" über das ewige Nachdenken darüber, warum man dies getan und jenes gelassen hat. Wunderschön und grimmig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.09.2013

Beate Baum

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