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Im emotionalen Minenfeld - Archive spielten im Alten Schlachthof in Dresden

Im emotionalen Minenfeld - Archive spielten im Alten Schlachthof in Dresden

Sie sind Archive, und das bedeutet Kollektivarbeit. Wie sie da oben auf der Bühne stehen, zu sechst, zu siebt und irgendwann sogar zu neunt, beeindruckt das schon ganz schön.

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Die Progressive-Rocker der Londoner Band Archive teilten im Alten Schlachthof eine große Menge Gefühl aus und erwiesen sich als Multiinstrumentalisten - mal singt der, mal spielt jener Gitarre, mal sitzt wieder ein Anderer am Schlagzeug.

Quelle: Dietrich Flechtner

Drei Gitarren, zwei Keyboards, ein Schlagzeug, ein Bass und vier völlig verschiedene Singstimmen geben diesem Galaabend der gebrochenen Herzen denn auch gehörig Dramatik. Eine riesige Portion Gefühl, die sie da austeilen, nicht immer ohne zu kleckern.

Die Vorband sparen sie sich, nur mit Glockenschlägen beginnt das Konzert, das sich vor allem dem aktuellen achten Studioalbum "With Us Until You're Dead" (2012, Dangervisit Records) und damit der Liebe widmet. Im Œuvre des Londoner Kollektivs finden sich aber endlos viele Lieder über dieses Gefühl, so dass der Themenabend um einige Songs früherer Alben erweitert werden konnte. Um die Liebe, oder vielmehr um ihre meist weniger schönen Ausprägungen herum, spielt eine Musik, die man mittlerweile schon archivesk nennen muss. Darin dröhnen die Synthesizer der Chefmusiker Darius Keeler und Danny Griffiths mit dem Bass und den Gitarren in ewigen, psychedelischen Schleifen um die Wette, dazu schlägt das Schlagzeug von Smiley und immer wieder auch die Trommelstöcke von Dave Penny (der ansonsten vor allem singt und Gitarre spielt) einen komplizierten ungeraden Takt. Es knirscht und klimpert, und irgendwann beginnt einer zu singen. Wenn es Pollard Berrier ist, verwandelt sich die Bühne in ein emotionales Minengebiet. Der Mann und seine ins Falsett verlängerbare Stimme sind ein wesentlicher Haltepunkt und seine Songs wie "Wiped Out" oder "Stick Me In My Heart" dann auch die großen Schmelzer des Abends.

Nicht, dass die Stimmen der Frauen - die seit dem 2006er Album "Lights" etablierte Maria Q. und die frisch dazu gecastete Holly Martin - weniger gut gewesen wären, aber sie sind eben nicht oder noch nicht Archive. Schon eher die von Dave Pen, der Klassiker wie "Again" oder "Fuck You" interpretierte. Dennoch, wie die junge Holly Martin da so steht, in ihrem schwarzen, schulterfreien Schlabberpulli, mit blondierten Haaren, die ihr bis zu den Hüften hängen, und dann mit ihrer rauchigen Stimme "Violently" anstimmt − einen der bittersten Songs im Zyklus − das ist ein Gänsehautmoment, der jetzt eben auch dazugehört.

Obwohl Archive angeblich mit dem letzten Album "Controlling Crowds" abgeschlossen haben, ein paar Songs davon spielten sie netterweise trotzdem. Und was bisher an Spannkraft gefehlt hat, das lieferten sie mit "Dangervisit" und "Controlling Crowds" nach.

Archive haben irgendwo im Trip Hop angefangen und sich dann Album für Album die ausufernden Instrumentalflächen des Progressive-Rocks erobert. Mit "With Us Until You're Dead" sind sie noch einmal weiter gegangen, hinter den Punkt, an dem man hoffte, man könnte sie hier abspeichern. Ein bisschen bleibt das Gefühl, dass es da, wo sie jetzt sind, ein wenig zu geschmeidig von statten geht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.10.2012

Juliane Hanka

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