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Im Vertrauen auf Suggestionen: Eigenwillige Darbietungen als Liverahmen zur Cynetart

Im Vertrauen auf Suggestionen: Eigenwillige Darbietungen als Liverahmen zur Cynetart

Es war wuchtig wirkend, schnell getanzt und durchaus spannend, was das Künstlerkollektiv von StratoFyzika im Festspielhaus Hellerau anbot. Die Idee und Choreografie stammt von Hen, die, aus San Franzisco kommend, nun in Berlin lebt und mit "THÆTA" einen dritten Teil der Schatten-Trilogie liefert.

Doch was nun zur Begleitung des Tanzsolos vorgeprägte Inszenierung und was digitale oder analoge Improvisation ist, bleibt dem unbedarften Besucher verborgen - klar ist nur: Ihre Bewegungen haben Einfluss auf die großflächigen Animationen auf Fußboden und Rückwand und auch auf die computergenerierten Klänge, die ihre Kollegen außen vom Laptop einspielen.

Man darf halt den Rahmen nicht vergessen: der heißt "Cynetart" und ist ein Festival für computerbasierte Kunst. Nun, wo dank Akku- und Netzleistung selbst größere Verdrahtungen der Vergangenheit angehören, ist vor allem Interaktion und die Verwebung von natürlichen und virtuellen Realitäten gefragt.

Auch die anschließende Präsentation der "Holostage" auf der schwarz abgehangenen Saalempore, leicht akustisch beeinträchtigt durch den durchaus dezenten Abbau unten im Saal, versprach mehr, als zu sehen war. Aber auch hier liegt die Kunst in der Kraft der Innovation - und im Weg das Ziel. Denn Jo Siamon Salich aus Dresden entwickelt im Rahmen des europäischen Programms namens "Metabody", das der Cynetart-Gastgeber, die Trans-Media-Akademie Hellerau, noch bis 2017 betreut, um dann auf große Tour zu gehen, eine neuartige Übertragungsshow. Deren Ziel ist es, annähernd in Echtzeit lebensgroße Darstellungen als Hologramm mittels Lasern auf eine Partikelwolke zu projizieren - also eine Transformation von Körper und Bewegung in allen vier Dimensionen auf einen Avatar als Klon. Doch dieser ist noch sehr vage in der Form und relativ träge. So war der Blick des Kunstfreundes auf den Tanz von Johanna Roggan viel spannender als der auf ihren weißen Geist. Der wahre Technikfreund sieht darin den realen Abstand zum echten Beamen - abgesehen davon, dass es ein reines Abbild bleibt und Transformation (zum Glück) noch kein Ziel ist. Das funktioniert als künftige Kunst derzeit noch im Vertrauen auf Autosuggestionen im Auge und Hirn des Betrachters.

Ebenso ernüchternd die Einführung in den Fulldome: In der Zehn-Meter-Halbkugel, planetariumskuppelgleich digital bespielt, werden dem auf Anweisung herumstreunenden Publikum, das bildlich und akustisch vermessen wird, einige von den Positionen des Betrachters abhängige Bildersequenzen, so von einstürzenden Kistenmauern, präsentiert. Das dies anbietende European Mobile Dome Lab veranstaltet parallel zur Messe seinen vierten Workshop mit 21 Medienkünstlern und präsentiert jeweils abends per improvisierter Präsentation dessen Ergebnisse. Dies allerdings als Europa-Premiere in einer Kuppel, die im großen Saal aufgebaut ist. Das Gebotene ist ergo schlicht "State of Art", der demzufolge am spannendsten nach sechs gemeinsamen Arbeitstagen am Mittwoch (18 Uhr) zum Abschluss sein dürften. Zuvor gibt es am ursächsischsten aller Feiertage noch zwei Cynetart-Preisträger live zu erleben: 15 Uhr wartet das tägliche Mensch-Tier-Maschine-Konzert namens "Metamusic" von Alien Productions aus Wien mit sechs Graupapageien an den Percussions im Grünen Salon. Und 16 Uhr rockt der Dresdner Hauptpreisgewinner Moritz Simon Geist samt Freunden und Robotern den Dalcroze-Saal.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.11.2014

Andreas Herrmann

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