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Im Societaetstheater Dresden hatte die französischen Komödie "Der Vorname" Premiere

Im Societaetstheater Dresden hatte die französischen Komödie "Der Vorname" Premiere

Das ist schon ein ziemlicher Knaller, dieses Stück "Le prénom" der französischen Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière. Sie landeten damit in Paris vor wenigen Jahren einen denkwürdigen Treffer beim Theaterpublikum und hatten auch viel Erfolg mit ihrem gleichnamigen Film.

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Fünf Freunde beim marokkanischen Essen. Ein eingangs friedlicher Abend, der immer mehr eskaliert.

Quelle: Detlef Ulbrich

Inzwischen ist das von Georg Holzer übertragene Stück auch im deutschsprachigen Raum sehr gefragt. Vor allem aber besitzt die Geschichte beste Voraussetzungen als wahres Schauspielerfutter, legt die Energien einer Schicksalsgemeinschaft von fünf Darstellern frei. Keine Frage, bei einer solchen Größenordnung hat auch das Societaetstheater in Dresden schnell zugegriffen.

Mit dem deutschen Titel "Der Vorname" klingt die Aufführung zwar nicht eben verlockend, aber das ist schon korrekt benannt, nur dass "Le prénom" im Französischen immerhin etwas eleganter wirkt. Aber das ist ja nur die Verpackung und umschreibt gerade mal den "Knalleffekt", mit dem das Ganze in Fahrt gerät. Um in stets neuen Konfrontationen diverse Enthüllungen auf die Bühne zu bringen. Und diese besitzen schon ein beträchtliches Potenzial an Theaterspaß, lassen erahnen, wie gut sie sich alle auskennen, wenn es um allzu Menschliches, um Verfehlungen und dergleichen mehr geht. Denn darin sind sich die Regisseurin Anke Salzmann und ihr erlesen zusammengeführtes Darsteller-Quintett offenbar einig - jeder darf auf seinem individuellen "Instrument" spielen, fiedeln, kratzen, tönen oder es gar als schlagendes Moment benutzen. Hauptsache ist der Zusammenhang und in gewisser Weise eben auch der Zusammenklang.

Wie soll man nun denn den speziellen Humor dieser französischen Komödie erklären. Es ist keine Satire, auch kein brachial komischer Schenkelklopfer. Und gewiss nichts zwingend Schwarzhumoriges. Mehr wohl das Leben in seinen kuriosen Gegebenheiten und Zufällen - gerafft, verdichtet, ins Theaterformat gebracht. Wenn es auch kein Stück für die Ewigkeit sein sollte, dann ist es doch nicht minder ein gefundenes Fressen für die handverlesene Schar guter Schauspieler. Wie beispielsweise Philipp Otto als Vincent, der als höchst komplizierter und provozierender Gast beim allgemeinen Suchen nach dem verlorenen Kellerschlüssel bei seiner Schwester Elisabeth, genannt Babou, und dem Schwager Pierre (Tom Mikulla) auf die Idee kommt, seinem noch ungeborenen Sohn mit Anna einen Namen zu geben, der alle gleichermaßen verstören wird. Und damit auch für weitere Missverständnisse sorgt, als die schwangere Anna endlich eintrifft und in der stets neu aufflammenden Kontroverse ebenso attackiert wird.

Das ist dann wohl der Stoff, aus dem Komödien wie auch Tragödien geboren werden: List und Tücke, Lug und Trug, Missverstehen ohne Ende, vergrabene "Leichen im Keller", entlarvte Schandtaten. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber dieses Quintett spielt die Nuancen genüsslich aus, beherrscht das Spiel von scheinbar bieder bis mehr oder weniger raffiniert lavierend, kann überraschen in Wandlungen und braucht auch nicht zwingend kreischenden Phasen, um aufzutrumpfen. Wenn schließlich alte und neue Familiengeheimnisse gefährlich aufkochen, Oda Pretzschner als gedemütigte Babou, die sich auch noch von ihrem treuen Freund Claude (Boris Schwiebert) belogen fühlen muss, in schönster Entschlossenheit an sich selbst denkt, dann brodelt der Kessel über. Und es gibt zudem noch ein kleines Nachspiel, damit schlussendlich alle zufrieden sein können.

Übrigens ist es in Anbetracht von etwa 30 Bühnen im deutschsprachigen Raum, die das Stück spielen oder noch spielen wollen, gewiss kein Wunder, dass sich unter den hiesigen Theatern auch die Landesbühnen Sachsen mit ihrer Premiere am 11. April dieser französischen Gesellschaftskomödie in der Inszenierung von Dietrich Kunze auf der Studiobühne annehmen. Dann macht es doch gleich doppelt Spaß, die beiden szenischen Sichtweisen vergleichen zu können. Das Societaetstheater hat seine Version schon mal vorgelegt. Und zur Premiere viel, viel Beifall bekommen. Neugierig kann man aber beispielsweise auch sein auf das Bühnenbild von Stefan Wiel in Radebeul. Denn offenbar ist es nicht gerade leicht, das zeigte auch die Ausstattung von Anja Ackermann im Societaetstheater, diesem speziellen Aktionsraum Charakter zu geben und dabei auch noch das richtige Maß zu finden.

Wieder am 6., 14., 15. und 28. Februar, Beginn jeweils 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2014

Gabriele Gorgas

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